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Ein Mann, zwei Hände für viele Fälle: Herisauer Kultfigur Jack Holderegger wird «Sportfunktionär des Jahres»

Jack Holderegger ist «Mädchen für alles» beim SC Herisau. Nun wurde der 62-Jährige von der IG Sport Herisau zum «Sportfunktionär des Jahres» gewählt.

Lukas Pfiffner
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Der Sportfunktionär des Jahres in seiner «Heimat», den SCH-Kabinenräumen.

Der Sportfunktionär des Jahres in seiner «Heimat», den SCH-Kabinenräumen.

Bild: PF

Was macht er eigentlich nicht beim SCH? «Schlittschuhfahren kann ich nicht», sagt Jack Holderegger und lacht. Der 62-Jährige massiert, legt Tapes an, schleift Schlittschuhe, richtet Material und Getränkte, wäscht, fährt den Kleinbus. Das selbsternannte «Mädchen für alles» heisst Jakob, alle nennen ihn Jack. Nur Roger Nater, der langjährige Spieler und Trainer, rufe ihn spasseshalber «Köbi», erzählt Holderegger in der 1.-Liga-Garderobe des SC Herisau.

Dass diese, seine Heimat, so funktionell und detailfreudig ausgestattet ist wie kaum bei einem anderen Regio-League-Verein, hat wesentlich mit dem gelernten Schreiner Nater zu tun. Er legte damals Hand an, plante und realisierte mit Holderegger die verschiedenen Bereiche für die Massage, für die Materialarbeiten, für die Wäsche.

«Ich werfe keine Spieler hinaus»

Holderegger hat ursprünglich Metzger gelernt, wechselte aber früh in den Grosshandel mit dem Verkauf von Früchten und Gemüse. Der Start beim SCH geschah vor 27 Jahren: An den Heimspielen der Moskitos stand er als medizinischer Betreuer an der Bande. Er wurde angefragt, ob er an Trainings ebenfalls ab und zu dabei sein könne, auch mit anderen Nachwuchsteams. Den Schweizer-Meister-Titel mit den Novizen (und Spielern wie Hiller, Moggi, Forster und Nüssli) zählt er zu den grössten Erlebnissen. Er wurde bald auch in die materiellen Belange der ersten Mannschaft eingeführt; etwa was das Schleifen der Schlittschuhe betraf.

Ein kleines Gehalt gebe es vom SCH, erzählt er. Allerdings ist allen im Verein klar, dass seine (Ver)dienste unbezahlbar sind. Etwa eineinhalb Stunden vor dem Training ist er bereits in der Garderobe. Zwei bis zweieinhalb Stunden nach dem Training verlässt er das Sportzentrum wieder. «Ich werfe keine Spieler hinaus. Manchmal wollen sie einfach noch reden.» An einem Heimspieltag halte er sich acht bis zehn Stunden «vor Ort» auf. Holderegger musste gesundheitliche Schläge verkraften, wurde zu einem IV-Rentner. «Die Spieler gaben mir Halt, Kraft und Aufmunterungen.»

Ein zweites aufwendiges Amt

Auch auf nationaler Ebene machte man sich sein Wissen und seine Zuverlässigkeit zu Nutzen. Während zwölf Jahren arbeitete er beim Verband; von der U-17-Auswahl bis zum Frauen-Nationalteam. «Wenn ich einmal bei einem Meisterschaftsunterbruch hier ein paar ruhigere Tage gehabt hätte, war ich dort unterwegs. Es wurde mir zu viel.» Als Masseur resp. Physiotherapeut hat er diverse Zertifikate erworben. Von den Krankenkassen anerkannt sei er allerdings nicht. Holderegger betreut ab und zu Personen in seinem privaten Umfeld. Auch die Leichtathleten Simon Ehammer und Myriam Mazenauer gehören zu seiner Kundschaft.

Die zweite aufwendige Beschäftigung neben dem SCH stellen der Schweizerische Militärsanitätsverband resp. dessen Sektion Herisau dar, wo er als Chef-TK amtet sowie Gründer und Leiter des Jugendclubs ist.

30 Jahre sind das Ziel

Er habe zwar erfahren, dass er einer der Nominierten für die Wahl als «Sportfunktionär des Jahres» der IG Sport Herisau war. «Aber dann habe ich nicht mehr daran gedacht.» Vor gut drei Wochen bestellte ihn SCH-Präsident Dario Heinrich auf 16.30 Uhr in die Kabine; er habe vermutet, dass es um die Saisonplanung gehe. Aber er wurde von IG-Präsident Markus Koch mit der Übergabe des Diploms überrascht. Er erfahre im Verein und von den Spielern reichlich Wertschätzung. Aber diese Auszeichnung freue ihn enorm. Vermutlich werde er die Urkunde im Garderobe-Vorraum aufhängen, nebst der Kaffeemaschine und dem Kühlschrank, dem Gestell mit dem Laptop und den Listen mit den Schliffstärken der Spieler.

«30 Dienstjahre im SCH zu erreichen, wäre schön», sagt Holderegger. Vorstellen kann und will sich im Verein wohl noch niemand, wie die Zeit nach ihm aussehen könnte. «Die Spieler sagen manchmal zu mir: Du kannst ja noch mit dem Rollator kommen.»

Die ersten Akteure betreten die Kabine und grüssen. Zweimal wöchentlich leitet Holderegger derzeit nämlich auch noch Trainings. Selbstredend ohne Schlittschuhe, nämlich im Kraft-, Ausdauer- und Koordinationsbereich.