Impfbereitschaft
Nachfrage steigt markant: Appenzell Ausserrhoden baut Impfmöglichkeiten aus

Die Bereitschaft, sich gegen das Coronavirus zu impfen, nimmt in Appenzell Ausserrhoden markant zu. Die Zertifikatspflicht könnte die Bevölkerung motiviert haben. Der Regierungsrat erweitert darum die Impfmöglichkeiten.

Selina Schmid
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Der Regierungsrat des Kantons Appenzell Ausserrhoden will die Impfquote steigern.

Der Regierungsrat des Kantons Appenzell Ausserrhoden will die Impfquote steigern.

Pablo Gianinazzi/ KEYSTONE/Ti-Press

Die Fallzahlen in der Schweiz steigen seit Wochen an, während die Impfquote lange stagnierte. In Appenzell Ausserrhoden sind gut 45 Prozent der Bevölkerung doppelt geimpft. 52 Prozent haben eine Dosis erhalten. Damit ist die Impfquote in Ausserrhoden eine der tiefsten der Schweiz.

Der Regierungsrat will nun die Impfquote im Kanton deutlich steigern. Leiter von Amt für Gesundheit Franz Bach sagt, mindestens 60 Prozent der Gesamtbevölkerung sollen geimpft werden. In Ausserrhoden kommen 48'000 Personen für eine Impfung in Frage. 28'000 hatten bislang zumindest eine Impfung.

Die Bevölkerung scheint nun mitzumachen: Seit vergangenem Sonntag nehmen die Anmeldungen für Impftermine im Kanton um «ein mehrfaches» zu, sagt Franz Bach. Der genaue Grund sei schwierig zu benennen, doch Bach vermutet, dass die Zertifikatspflicht eine zentrale Rolle spielt.

Der Kantonale Führungsstab (KFS) hat deshalb das Angebot an Impfterminen erweitert. Für die kommenden zwei Wochen stehen nun über 1000 freie Termine für Erstimpfungen nach Anmeldung zur Verfügung. Mit der flexiblen Infrastruktur des KFS könne rasch auf die schwankende Nachfrage reagiert werden.

Spontane Impfungen sind gefragt

Das Walk-in-Impfen ohne vorherige Anmeldung sei nach wie vor sehr beliebt, schreibt der Kanton in der Medienmitteilung. An den bisherigen drei Walk-in-Terminen wurde 1542 Personen zum ersten Mal geimpft. Um der grossen Nachfrage gerecht zu werden, wurden zusätzliche Walk-in-Impftage in den Impfzentren geschaffen.

An folgenden Tagen werden in den Impfzentren Herisau und Heiden Impfungen ohne vorhergehende Anmeldung durchgeführt:

  • Samstag, 11. September, 8.00–15.30 Uhr
  • Freitag, 17. September, 13.30–21 Uhr
  • Freitag, 24. September, 13.30–21 Uhr (anstatt 25. September)
  • Freitag, 1. Oktober, 13.30–21 Uhr

Der Andrang bei den Walk-in-Terminen kann zu Wartezeiten führen, warnt der Kanton. Wer dies vermeiden möchte, könne im Anmeldeportal einen Termin buchen. Für die Erfassung persönlicher Daten müssen Impfwillige eine Krankenversicherungskarte und einen Identitätsausweis mitbringen.

Ordentliche Anmeldungen zur Covid-Impfung mit einem vereinbarten Termin sind weiterhin über das Anmeldeportal oder die Ausserrhoder Impfhotline +41 71 353 67 97 möglich.

Grosses Interesse an mobilen Impfteams

Auch mobile Impfteams kommen zum Einsatz. Der KFS hat in der letzten Augustwoche in drei Gemeinden 79 Personen erstgeimpft. Die Impftour sei erfolgreich gewesen, schreibt der Kanton. Eine Umfrage unter den Gemeinden habe nun ergeben, dass zwölf weitere Gemeinden Interesse an der mobilen Impfequipe haben. Auch grössere Firmen hätten Interesse bekundet. Franz Bach geht davon aus, dass auch hier die Nachfrage angesichts der Zertifikatspflicht steigen wird.

In den kommenden Wochen werde es zusätzliche Möglichkeiten geben. Der KFS erstelle gegenwärtig einen entsprechenden Zeitplan und publiziere diesen so bald wie möglich. Interessierte Gemeinden und Firmen können sich nach wie vor melden.

Die Ausserrhoder Regierung setzt alles daran, die Impfquote in der Bevölkerung anzuheben und fächert seine Strategie aus. Zuletzt veröffentlichte der Kanton etwa mehrsprachige Flyer, um jenen Teil der Bevölkerung zu erreichen, dessen Muttersprache nicht deutsch ist. Die Flyer fassen jene Massnahmen zusammen, welche der Kanton gegen das Coronavirus beschlossen hat. Die Flyer sind in acht Sprachen verfasst und liegen in allen Gemeindeverwaltungen, in den Arztpraxen und bei den NGOs auf.

Damit richtet sich der Kanton explizit auch an die Bevölkerung mit Migrationshintergrund. In Appenzell Ausserrhoden sind dies 8900 Menschen. Davon verfügen 63 Prozent zwar über Deutschkenntnisse, haben aber Deutsch nicht als Muttersprache. Einige davon haben sich bereits impfen lassen. Der Kanton geht von einer Zahl zwischen 2500 und 3000 Personen aus, die es noch nicht sind und welche die relevanten Impfinformationen bislang nicht in ihrer Muttersprache vermittelt bekamen.

Zudem werden in Erstinformationsgesprächen und Deutschkursen auf das kostenlose Impfangebot hingewiesen. Isabelle Dubois, Abteilungsleiterin Chancengleichheit, sagt: «Nach wie vor sind die Erläuterungen, die von Angesicht zu Angesicht gemacht werden können, am effektivsten.»

Lage in den Intensivstationen bleibt prekär

Der eigentliche Grund für diese Anstrengungen ist die prekäre Lage auf den Intensivstationen. Auch wenn die Zahlen stagnieren, dies reiche nicht aus, wie Franz Bach, Leiter vom Amt für Gesundheit, betont. «Die aktuelle Situation in den Spitälern darf keinesfalls Dauerzustand sein.» Wie im Rest der Schweiz sind neun von zehn Patienten, die auf den Intensivstationen beatmet werden müssen, ungeimpft.

Die kalte Jahreszeit kommt näher und die Menschen werden sich wieder vermehr in Innenräumen aufhalten. Bach sagt: «Wir müssen hier vorausplanen und schon jetzt Massnahmen ergreifen, damit sich die Lage auf den Intensivstationen entspannt.» Das Zertifikat helfe auch Ansteckungen in Innenräumen zu verhindern, und die Impfung schützt gegen schwere Verläufe. Bach sagt: «Sind genug geimpft, können wir auch die Massnahmen lockern.»