APPENZELL: Ambulantes Zentrum statt Spital

Die Innerrhoder Standeskommission und der Spitalrat Appenzell sind sich einig: Sie wollen künftig auf ein ambulantes Versorgungszentrum mit kleinem stationärem Bereich setzen. Favorisiert wird dazu ein Neubau.

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Schon seit längerer Zeit ist man in Appenzell Innerrhoden auf verschiedenen Ebenen daran, die Gesundheitsversorgung im inneren Landesteil auf eine neue Basis zu stellen. Zum einen sind die heutigen Gebäude auf dem Areal des Spitals Appenzell so weit in die Jahre gekommen, dass baldige bauliche Massnahmen nötig sind. Zum anderen drängten Entwicklungen auf Bundesebene und in der Medizin zu Anpassungen beim Angebot – erinnert sei beispielsweise an die neue Spitalfinanzierung.

Nachdem das zusammen mit Appenzell Ausserrhoden lancierte Projekt für einen gemeinsamen Spitalverbund für das Appenzellerland im 2014 gescheitert war, wurden die Arbeiten für eine eigenständige Versorgungslösung im Kanton wieder forciert. Aufgrund verschiedener Abklärungen sind die Standeskommission und der Spitalrat zum Schluss gekommen, anstelle des heutigen Spitals ein ambulantes Versorgungszentrum, ergänzt mit einem kleinen stationären Bereich, zu realisieren. Dies teilten sie gestern mit.

Aus den im Internet aufgeschalteten Berichten von Standeskommission und Spitalrat kann herausgelesen werden, dass für das ambulante Versorgungszen­trum ein Neubau favorisiert wird. Das Ergebnis eines Umbaus wäre betrieblich ungünstiger, so die Standeskommission. Überdies wäre bei einer Umbauphase mit grossen Lärmbelästigungen zu rechnen. Ein Patientenverlust und Defizit könnten die Folge sein. Der Spitalrat stützt einen Neubau. «Unter Berücksichtigung der optimierten Prozesse empfiehlt sich das Szenario Neubau als beste und unter dem Strich günstigste Variante», heisst es in deren Bericht.

Das Versorgungszentrum in Appenzell soll sich im Wesentlichen auf Wahleingriffe mit Schwerpunkt in der Orthopädie und der Chirurgie sowie auf die Innere Medizin konzentrieren. Der Leistungsschwerpunkt wird im ambulanten Bereich liegen. Zum Angebot gehören ebenso ein Notfall- und ein Rettungsdienst. Ergänzt wird das Angebot mit einer Gruppenpraxis für Hausärzte sowie weiteren Praxen und medizinischen Diensten wie Physiotherapie, Logopädie und Beratung in verschiedenen Bereichen. Das Zentrum wird eine Tagesklinik und eine kleine stationäre Abteilung enthalten.

Organisatorisch und betrieblich sollen das Ambulante Versorgungszentrum, das neue Alters- und Pflegezentrum sowie das Bürgerheim zu einem Gesundheitszentrum zusammengeführt werden. Hierfür sind auf der Gesetzes- und Verordnungsebene diverse Anpassungen nötig. Die Standeskommission legt einen Entwurf für ein Gesetz über das Gesundheitszentrum vor, welches das heutige Spitalgesetz ablösen soll. Das Gesetz unterliegt einem öffentlichen Vernehmlassungsverfahren. Es ist gemäss Standeskommission gedacht, dass die Landsgemeinde 2018 darüber entscheiden kann.

Um im Markt flexibler reagieren zu können, ist vorgesehen, dass der Leistungsauftrag künftig nicht mehr durch den Grossen Rat erteilt wird, sondern durch die Standeskommission.

Der Grosse Rat wird die Berichte des Spitalrates und der Standeskommission am 3. April behandeln. (pd/rf)