APPENZELL: Allerheiligen ist nicht Halloween

In Innerrhoden steht heute alles still: Der katholische Kanton feiert Allerheiligen. Damit wird eine Botschaft ins Zentrum gerückt, die quer zum Brauch von Halloween steht.

Roger Fuchs
Merken
Drucken
Teilen
Allerheiligen in Appenzell: kollektives Gedenken an die Verstorbenen auf dem katholischen Friedhof. (Bild: APZ)

Allerheiligen in Appenzell: kollektives Gedenken an die Verstorbenen auf dem katholischen Friedhof. (Bild: APZ)

Roger Fuchs

roger.fuchs

@appenzellerzeitung.ch

Während es gestern Abend mancherorts wieder hiess «Süsses oder Saures» und wegen Halloween gespenstisches Treiben um sich griff, geht es heute in katholischen Kreisen nachdenklich zu und her. Es ist Allerheiligen – ein Fest, bei dem aller Heiligen und der Toten gedacht wird. Die Pfarrkirche in Appenzell platzt an diesem Tag stets aus allen Nähten. Angehörige der Verstorbenen treffen sich zum gemeinsamen Feiern und Gedenken. «Im Zen­trum stehen all jene Menschen, die ihr Leben bei Gott vollenden», sagt der katholische Pfarrer von Appenzell, Lukas Hidber. «Zudem kommt im Gottesdienst die Freude zum Ausdruck, dass die Verheissung auch das Ziel der noch lebenden Christen ist.»

Leben und leben lassen

Diese Botschaft steht völlig quer zu Halloween. Der aus Amerika stammende Brauch hat sich immer mehr dahingehend entwickelt, dass sich Kinder und Erwachsene verkleiden; sei es als Feen, Fledermäuse, Geister, Hexen, Skelette, Zombies, Tote, Vampire und Ähnliches. Die weniger harmlosen Auswüchse sind Sachbeschädigungen oder Übergriffe. «Gruseliges und der Weltuntergang stehen bei Halloween im Zentrum, und das hat nichts mit der christlichen Botschaft von Allerheiligen zu tun», bringt es Lukas Hidber auf den Punkt. Dennoch wünscht er sich Halloween nicht einfach in die Wüste, sie als Kirchenvertreter seien schliesslich nicht die Polizei. Kommt dazu, dass er in Innerrhoden diesem Volksbrauch eher selten begegnet. Auch gilt es gemäss Lukas Hidber zu unterscheiden: Seiner Einschätzung nach hat sich Halloween im Appenzellerland eher durch Dekorationen mit Kürbissen oder durch Räbeliechtli-Umzüge denn durch «Gespensterlis-Spielen» durchgesetzt.

Ähnlich locker kann der Pfarrer von Appenzell der Tatsache ins Auge schauen, dass sich beispielsweise in Herisau an Allerheiligen die Konsumgesellschaft zum Einkaufen trifft. «Das sind einfach Realitäten», sagt er. Und mit einem Augenzwinkern fügt er an: «Weil es besser für die Geschäfte ist, wollen viele Reformierte auch, dass die Katholiken ihre Feiertage beibehalten.»

Im Glauben an die Auferstehung verbunden

Durchaus kennen auch die Reformierten einen Totengedenktag. Dieser heisst Ewigkeitssonntag und findet am letzten Sonntag im November statt. Auch wenn Katholiken und Reformierte nicht zeitgleich der Verstorbenen gedenken, so zeigen die beiden Tage gemäss Hidber die gegenseitige Verbundenheit durch die biblische Botschaft und dem Glauben aller Christen an die Auferstehung. Zwar gibt es dafür keine hundertprozentige Gewissheit, wie auch Lukas Hidber bestätigt, «doch der Glaube an die Auferstehung von Jesus Christus und das Zeugnis der Heiligen ermutigen uns, diese Hoffnung und diesen Glauben zuversichtlich zu leben und zu feiern».