Appell für das Rotationsprinzip

Ist die Landammannwahl überhaupt noch ein Thema? Die beiden Kandidaten, Regierungsrat Hans Diem aus dem rechten und Regierungsrat Matthias Weishaupt aus dem linken Lager, haben ausdrücklich betont, dass sie keinen Wahlkampf betreiben wollen, sondern «einfach zur Verfügung stehen».

Monika Egli
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Ist die Landammannwahl überhaupt noch ein Thema? Die beiden Kandidaten, Regierungsrat Hans Diem aus dem rechten und Regierungsrat Matthias Weishaupt aus dem linken Lager, haben ausdrücklich betont, dass sie keinen Wahlkampf betreiben wollen, sondern «einfach zur Verfügung stehen». Und die FDP hat an ihrer Delegiertenversammlung diese Woche Stimmfreigabe beschlossen.

Das allerdings hat im ersten Moment doch Erstaunen ausgelöst, ebenso, dass es die FDP nicht fertig brachte, überhaupt eine Kandidatur auf die Beine zu stellen. FDP-Kantonalpräsident Hanspeter Blaser hat es an der Delegiertenversammlung damit begründet, dass die drei möglichen FDP-Regierungsmitglieder Marianne Koller, Rolf Degen und Jürg Wernli in ihrer Arbeit sehr gefordert seien und sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren gedächten. Wir wollen Hanspeter Blaser nicht unterstellen, dass er mit dieser Aussage den beiden Kandidierenden Vernachlässigung ihrer Arbeit oder den eigenen Mandatsträgern Überforderung im Amt attestierte – auch wenn man es durchaus so auslegen könnte.

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Mit Diem und Weishaupt stehen zwei über die Parteigrenzen hinweg akzeptierte Persönlichkeiten zur Wahl, die deshalb für manch einen zur Qual werden könnte. Trotzdem wäre ein klares Bekenntnis der FDP wünschenswert gewesen. «Seltsam» und «mutlos» sei das, kam den gut gespitzten Redaktionsohren zu Gehör. Seltsam, weil sich die bürgerliche FDP nicht für den bürgerlichen Diem entschieden habe, und mutlos, weil mit einer Wahlempfehlung immer auch Farbe bekannt werden müsse.

Für eine Wahlempfehlung Diems von Seiten der FDP hätte nicht nur gesprochen, dass er ein Bürgerlicher ist; Diem ist auch Landammann-Stellvertreter. Unter diesem Aspekt betrachtet, kommt die Stimmfreigabe einem Affront gleich. Die FDP hätte zudem dem unfreundlichen Akt vor fünf Jahren, als sie ihm das Landwirtschaftsamt wegnahm, eine Geste gegenüberstellen können. Diem könnte noch drei Jahre lang Landammann sein, bevor 2014 die Altersguillotine fällt – es wäre eine Art Belohnung für gute Amtsführung. Auch Matthias Weishaupt kann man sich gut als Landammann vorstellen. Immerhin ist er mit Jahrgang 1961 aber der jüngste Regierungsrat und hat noch viel Zeit, Landammann zu werden.

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Einerseits keine eigene Kandidatur (und das seit Beginn der FDP-Geschichte zum erstenmal), anderseits Stimmfreigabe: Was zuerst erstaunt, lässt schnell vermuten, dass die Partei aus taktischen Gründen überhaupt keinen der ihrigen im Landammannamt haben will. Es ist wahrscheinlich, dass es im kommenden Herbst um den Nationalratssitz von Marianne Kleiner geht, dass dieser selbst bei einem Verbleib von Kleiner angegriffen würde. Es macht sich dannzumal viel besser, wenn nicht schon alle mehr oder weniger wichtigen Ämter in FDP-Hand sind und man bewiesen hat, dass man auch den anderen etwas gönnt – selbst wenn es nur ein Zückerchen ist. Denn seit es keine Landsgemeinde mehr gibt, hat das Landammannamt viel an Bedeutung eingebüsst.

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Ob nun Hans Diem oder Matthias Weishaupt: Wer am 13. Februar gewählt wird, schafft auf jeden Fall Historisches. Das macht die kommende Wahl noch einmal bedeutungsvoll – wohl zum letztenmal.

Der lahme, ja gar nicht stattfindende Wahlkampf, die nur schlecht einzuordnende Taktik der FDP, die vielen parteiunabhängigen Volksvertreter und -vertreterinnen, die sich nicht äussern, die reduzierte Bedeutung des Amtes: Das alles spricht dafür, das Rotationsprinzip, also einen Turnus, einzuführen, auf dass jedes Regierungsmitglied in berechenbarer Zeit auf den Landammannstuhl sitzen und nach getaner Amtsführung wieder ins Glied zurücktreten kann.

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