Innerrhoder Gesundheitsdirektorin Antonia Fässler prüft Kandidatur für den Nationalrat

Noch ist in Innerrhoden der Kampf um den frei gewordenen Sitz von Daniel Fässler im Nationalrat nicht entbrannt. Einziger Kandidat ist bislang SP-Mann Martin Pfister. Gegen ihn antreten könnte die Gesundheitsdirektorin.

Claudio Weder
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Antonia Fässler könnte es nach Bern ziehen – sie ist seit 2010 Mitglied der Standeskommission. (Bild: Martina Basista)

Antonia Fässler könnte es nach Bern ziehen – sie ist seit 2010 Mitglied der Standeskommission. (Bild: Martina Basista)

In vier Monaten wählt Innerrhoden seine Vertreterin oder seinen Vertreter in den Nationalrat. Von erbittertem Wahlkampf ist derweil aber noch nichts zu spüren. Neben SP-Präsident Martin Pfister, der seine offizielle Kandidatur Mitte Juni bekanntgegeben hatte, sind aktuell keine weiteren Anwärterinnen oder Anwärter auf das Kandidatenkarussell aufgestiegen.

Dies soll sich bald ändern: Wie eine Umfrage bei den Innerrhoder Parteien und Verbänden zeigt, läuft derzeit die Suche nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten für den einzigen Innerrhoder Nationalratssitz auf Hochtouren. Die CVP wird ihre Nomination voraussichtlich in der ersten Augustwoche bekanntgeben, der Gewerbeverband Ende August. Und auch die SVP verspürt keine Eile: «Wir sind in Gesprächen mit möglichen Kandidaten und werden zu gegebener Zeit informieren», sagt Parteipräsident Martin Ebneter auf Anfrage.

Martin Pfister kandidiert 2019 bereits zum dritten Mal für den Nationalrat. (Bild: Karin Erni)

Martin Pfister kandidiert 2019 bereits zum dritten Mal für den Nationalrat. (Bild: Karin Erni)

Wunsch nach einer Frau im Nationalrat

Auf seine Herausforderer muss sich Martin Pfister, der als bislang einziger Kandidat im Kampf um den frei gewordenen Sitz von Daniel Fässler im Nationalrat feststeht, also noch gedulden. Der SP-Präsident kandidierte bereits 2011 und 2015 für den Nationalrat. Beide Male ohne Erfolg. Warum er zum dritten Mal antreten will, hat verschiedene Gründe. «Die soziale und ökologische Politik der SP braucht es auch im ländlichen Raum», nennt er als Motivation. Dem Schulsozialarbeiter aus Gonten geht es darum, im Rahmen des Wahlkampfs auf die eigene Partei und deren Politik – insbesondere politische Themen wie den Klimaschutz, die Gleichstellung von Mann und Frau oder die Beschränkung der Krankenkassenprämien – aufmerksam zu machen. Zudem wolle er die Nationalratswahlkampagne als Plattform nutzen, um der Bevölkerung die politische Vielstimmigkeit des Kantons ins Bewusstsein zu rufen:

«In Innerrhoden gibt es nicht nur die CVP.»

Offiziell bekannt sind bis zum heutigen Zeitpunkt keine weiteren Kandidaturen. Möglich wäre, dass Frau Statthalter Antonia Fässler oder alt Säckelmeister Thomas Rechsteiner, beide CVP, gegen den SP-Präsidenten antreten werden. Wie CVP-Parteipräsident Stefan Ledergerber bekanntgab, haben sowohl Fässler als auch Rechsteiner Interesse an einer Kandidatur bekundet.

Noch ist unklar, wen Innerrhoden nach Bern schickt. Bild:KEYSTONE/Anthony Anex

Noch ist unklar, wen Innerrhoden nach Bern schickt. Bild:KEYSTONE/Anthony Anex

Antonia Fässler wird derweil nicht nur von der CVP als potenzielle Kandidatin gehandelt. Auch Angela Koller, Präsidentin der Arbeitnehmervereinigung Appenzell, sagt: «Es ist an der Zeit, dass auch einmal eine Innerrhoder Vertreterin nach Bern geschickt wird.» Frau Statthalter Antonia Fässler wäre ihrer Meinung nach aus verschiedenen Gründen geeignet:

«Sie leistet in einem überaus anspruchsvollen Departement seit Jahren solide Arbeit – und dies in Themen, die andernorts für einige Probleme sorgen. Sie hat ihre Geschäfte im Griff und könnte die Anliegen Innerrhodens mit ihrer Erfahrung in der Kantonsregierung gut vertreten.»

Antonia Fässler selber hingegen will sich zu dieser Angelegenheit noch nicht im Detail äussern. «Ich prüfe derzeit eine Kandidatur für den Nationalrat und werde meinen Entscheid zu gegebener Zeit bekanntgeben», sagt sie.

Alt Säckelmeister Thomas Rechsteiner wäre für die CVP ein potenzieller Kandidat. (Bild: APZ)

Alt Säckelmeister Thomas Rechsteiner wäre für die CVP ein potenzieller Kandidat. (Bild: APZ)

Auch der zweite potenzielle CVP-Kandidat, Thomas Rechsteiner, ist kein Unbekannter. Sein Name wurde im Vorfeld der diesjährigen Landsgemeinde bereits im Zusammenhang mit der Ersatzwahl für den abtretenden Ständerat Ivo Bischofberger ins Spiel gebracht. Ein Inserat des Komitees «Bürger mit Weitsicht», das wenige Wochen vor der Landsgemeinde im «Appenzeller Volksfreund» abgedruckt wurde, empfahl damals Rechsteiner zur Wahl. Der Versicherungsfachmann und Finanzplaner bringt viel politische Erfahrung mit. 2011 bis 2018 war er Säckelmeister, zuvor politisierte er im Grossen Rat. Bereits nach der Rücktrittsankündigung von Bischofberger im Januar betonte Rechsteiner sein Interesse an der Bundespolitik. Für eine persönliche Stellungnahme war er jedoch nicht erreichbar.

Der Landammann kandidiert nicht

Und wie sieht es mit den Mitgliedern der Regierung aus? Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sowohl bei den Ständeräten als auch bei den Nationalräten die Innerrhoder Vertreter fast ausschliesslich amtierende oder ehemalige Mitglieder der Standeskommission waren:

Landammänner in Bern

In der Vergangenheit waren Doppelmandate in Innerrhoden an der Tagesordnung. Nationalratssitze wurden häufig von einem amtierenden oder ehemaligen Mitglied der Regierung eingenommen. Neben Daniel Fässler trifft dies beispielsweise auch auf Arthur Loepfe, Raymond Broger oder Edmond Dähler zu. Nur Rolf Engler und der spätere Bundesrat Arnold Koller gehörten nie der Innerrhoder Regierung an. Auch im Ständerat galt dieses ungeschriebene Gesetz. Der zurückgetretene Ivo Bischofberger war der erste Ständerat, der nicht gleichzeitig Mitglied der Standeskommission war. (wec)

«Das ist allerdings nicht zwingend», sagt Landammann Roland Inauen. Innerrhoden sei auch offen gegenüber National- und Ständeräten, die von ausserhalb der Regierung kämen. Es sei allerdings ein Vorteil, wenn ein Mitglied der Standeskommission gleichzeitig im nationalen Parlament sitze: «Die Regierung hat so einen direkten Draht zu Bern und ist dadurch in nationalen Angelegenheiten besser informiert.» Für Inauen selber komme eine Kandidatur aufgrund der Doppelbelastung, die entstehen würde, aber nicht in Frage.