Appenzeller Firma webt antiviralen Stoff für Schutzmasken

Die Weba Weberei Appenzell AG hat gemeinsam mit einer Zürcher Firma ein antibakterielles Gewebe entwickelt. Dieses soll bei der Herstellung von Schutzmasken zum Einsatz kommen.

Alessia Pagani
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Der antivirale Stoff wird in Appenzell gewoben und durch einen Partner in Zofingen fertiggestellt.

Der antivirale Stoff wird in Appenzell gewoben und durch einen Partner in Zofingen fertiggestellt.

Bild: PD

Momentan sind sie in aller Munde – Hygienemasken, welche vor dem Coronavirus schützen sollen. Die Weba Weberei Appenzell AG hat zusammen mit der HeiQ Materials AG aus Schlieren ein Gewebe mit antibakterieller und antiviraler Wirkung entwickelt. Dieses soll bei sogenannten Community-Masken, also nicht medizinischen Hygieneschutzmasken für die Bevölkerung, zum Einsatz kommen. Das Gewebe wird derzeit in Appenzell produziert und wurde bereits an erste Kunden im In- und Ausland ausgeliefert, die daraus Masken, aber auch Kleidungsstücke fertigen. Abnehmer sind unter anderem das Modehaus Goldener in Appenzell oder die Metzler & Co. AG, ein Hemdenspezialist aus Balgach.

Die Verantwortlichen von Weba und HeiQ stellten die Neuheit an einer Medienkonferenz vor. Wie Alexander Barberi, Vertriebsleiter bei der Weba Weberei Appenzell AG, ausführte, gibt es aktuell ein grosses Angebot an Masken, welche einen bescheidenen Zusatznutzen bieten. Barberi erklärt:

Alexander Barberi, Head of Sales bei der Weba Weberei Appenzell AG

Alexander Barberi, Head of Sales bei der Weba Weberei Appenzell AG

PD
«Unser Gewebe ist den üblicherweise verwendeten gewebten Stoffen deutlich überlegen und bietet den Nutzerinnen und Nutzern einen Mehrwert.»

Zudem müssen Masken, die daraus gefertigt werden, nicht wie Einwegmasken nach einmaligem Gebrauch entsorgt werden. Die neuen Weba-Stoffe sind wiederverwendbar und bei 30 Grad waschbar. Zudem ist das Gewebe wasserabweisend, schadstofffrei und Oeko-Tex zertifiziert.

Zusammenarbeit mit der EMPA

Weba-CEO Benjamin Fuchs freut sich, dass das Gewebe zum Grossteil von Schweizer Unternehmen produziert wird. Fuchs:

«Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zu der von vielen Seiten geforderten möglichst autonomen Produktion von Masken für die Schweizer Bevölkerung.»

Vergangene Woche hatte der Bund unter der Leitung des St.Galler Unternehmens Empa das Projekt ReMask lanciert, bei dem es darum geht, ebensolche Community-Masken für die Bevölkerung zu entwickeln und die entsprechenden Standards festzulegen. Mit dem Projekt sollen neue Maskentypen sowie Technologien zur Wiederverwendung von vorhandenem Schutzmaterial entwickelt werden. Die Weba Weberei Appenzell AG ist Partner und arbeitet gemäss den Verantwortlichen eng mit der Empa zusammen.

Innert fünf Wochen zur Marktreife

Wie Alexander Barberi sagt, seien erste Anfragen für ein antibakterielles und antivirales Gewebe von Kunden aus Italien gekommen. Innert fünf Wochen erlangten die Stoffe Marktreife. Normalerweise dauert dies gemäss Barberi ein Jahr. «Wir konnten nur so schnell eine solches Gewebe präsentieren, weil wir bereits zuvor eng mit HeiQ zusammengearbeitet haben.» HeiQ ist eine Spezialitäten-Chemiefirma. Das Kerngeschäft: Technologien, die Stoffen bestimmte Eigenschaften verleihen. «Unsere Aufgabe ist es, Textilien einen Mehrwert zu geben», so CEO Carlo Centonze.

Die jetzt entwickelte Viroblock-Technologie setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Einerseits aus der Silbertechnologie. Diese eliminiert die Viren und findet gemäss Cenzone seit Jahrzehnten im medizinalen Bereich Anwendung. Andererseits aus der Vesikeltechnologie, welche quasi als Booster wirkt und die antibakterielle Wirkung verstärkt. Centonze erklärt:

«Die Kontaminierung der Textilien wird unterbunden.»

Dies sei vor allem wichtig für ungeübte Träger von Hygieneschutzmasken und interessant im medizinischen Bereich. Gemäss Centonze reduziert die Viroblock-Technologie die bakterielle Wirkung um 30 Prozent. «Das heisst, das Gewebe schützt im Vergleich zu herkömmlichen Einwegmasken 30 Mal sicherer vor einer Infektion.»

Die Verantwortlichen sehen auch Einsatzmöglichkeiten, beispielsweise für Kleider im medizinischen Bereich, in der Gastronomie oder in Ladengeschäften. Selbst Bettüberzüge seien denkbar. «Die Technologie lässt sich auf alle Textilien implizieren», so Alexander Barberi.

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