Antischarlatan trotzt der Hitze

MOGELSBERG. Michel Gammenthaler war bisher als Magier mit verschiedenen Gesichtern bekannt. Jetzt zeigt er sein wahres und verteufelt die Scharlatanerie. Am Samstag gab er auf Einladung von Kultur in Mogelsberg den «Scharlatan» im «Rössli». Es war der Auftakt des Jubiläumsjahres – doch der Saal war nur zur Hälfte voll.

Michael Hug
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Der Scharlatan, der keiner sein will: Michel Gammenthaler verblüfft mit raffinierten Publikumsspielen. (Bild: Michael Hug)

Der Scharlatan, der keiner sein will: Michel Gammenthaler verblüfft mit raffinierten Publikumsspielen. (Bild: Michael Hug)

Der Gast des Abends, Michel Gammenthaler, hatte Verständnis dafür, dass der Saal nur halbvoll war: «Bei dieser Hitze würde ich auch nicht ins Theater gehen!» Die Hitze, drinnen noch drückender als draussen, rückte dann doch bald in den Hintergrund, denn vorne stand einer, der sich aufs Weg- und Hervorzaubern versteht. Er sei ja in früheren Programmen eher der Zauberer gewesen, meinte Gammenthaler, nun sei er dabei, seine medialen Fähigkeiten zu entdecken: «Ich meine Dinge zu sehen, die ich eigentlich gar nicht sehen kann.» In der Tat zeigte der Superstar der nationalen Magierszene im Laufe des Abends einen erstaunlichen Wissensvorsprung, was die Geheimnisse seiner «Opfer» aus dem Publikum betrifft.

Gegen Scharlatanerie

Magier Gammenthaler startete seine 2014-Show «Scharlatan» erst mal mit einem Pamphlet gegen Scharlatanerie, Falschspielerei, Beschiss, Esoterik und Spiritismus. Ganz ohne seine beliebt gewordenen Alter Egos und ohne sein Markenzeichen, den Rossschwanz, tritt der Antischarlatan neuerdings auf. Sie würden alle nur mit faulen Tricks agieren, die neuzeitlichen Scharlatane, verkündete er dem Publikum.

Die Wunderkartendrucker und Heilbuchautorinnen, die angeblich das Geheimnis kennen, wie man sein persönliches Wunder erlebt oder vielleicht nur einmal so etwas wie Glück hat im Leben. Das Resultat dabei sei stets das gleiche: Vom Geld überschüttet werden nur die Urheber. Die Scharlatane eben. Keineswegs aber die Spender ebendieses Geldsegens.

Ellenlange Einlullerei

Sagt's und errät nach viel Geschwätz und Effektheischerei das dringlichste Problem der Zuschauerin Sandra – die Pubertät deren 12jährigen Sohnes. Verblüffend, doch das könnte auch abgesprochen sein, man will also mehr sehen, um sich wirklich überzeugen zu lassen. Viel mehr gibt es jedoch nicht zu sehen, im Programmteil vor der Pause zeigt der Supermagier gerade mal drei in viel Show verpackte Tricks. Dabei schwatzt er so viel, dass die Zeit im Flug vergeht. Der Magier fesselt sein Publikum mit ellenlanger Einlullerei – Scharlatanen gleich. Er sei durch langes Training und harte Arbeit zum Medium geworden, verrät der selbsternannte Hellseher. Da sei nichts Scharlatanerie, keine Taschenspielertricks, pure Gedankenkraft. Mit purer Gedankenkraft bringt er dann in Erfahrung, welche Karten eine Pokerrunde in den Händen hält. Und steuert das Spiel so, dass die Teilnehmerin mit den hoffnungslosesten Karten die Runde gewinnt.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Michel Gammenthalers Masche bleibt auch in seinem fünften Soloprogramm dieselbe. Ein halbes Dutzend Zaubereien – es sind am ganzen Abend «nur» acht Tricks – vorführen und viel, sehr viel plaudern dazu. Er ist nicht nur ein Meister seiner Kunst, sondern auch ein Meister der Verpackung.

Er packt die Illusion in eine Geschichte und verwirrt am Ende das Publikum mit dem Unerwarteten. Alter Wein in neuen Schläuchen, doch der Scharlatan «bescheisst» derart unterhaltsam, dass man darüber hinwegsieht. Die Tricks der wahren Scharlatane sind ja auch nie neu. Gammenthaler erinnert an den deutschen Scharlatan der Zwanzigerjahre, Erik Jan Hanussen, der zu seinen besten Zeiten eine ganze Nation zum Narren gehalten hat.