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ANTIBIOTIKA: «Weniger ist in jedem Fall besser»

Der Einsatz von Medikamenten in der Landwirtschaft – insbesondere von Antibiotika – wird seit langem in Fachkreisen diskutiert. Welche Probleme ergeben sich wirklich dadurch? Roger Stephan gab Antworten.
Urs M. Hemm
Das Interesse am Thema Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft war gross. Der Saal des «Toggenburgerhofs» in Kirchberg war anlässlich Roger Stephans Referat bis auf den letzten Platz voll. (Bild: Urs M. Hemm)

Das Interesse am Thema Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft war gross. Der Saal des «Toggenburgerhofs» in Kirchberg war anlässlich Roger Stephans Referat bis auf den letzten Platz voll. (Bild: Urs M. Hemm)

Urs M. Hemm

urs.hemm

@toggenburgmedien.ch

Das Team des Toggenburgerhofs in Kirchberg kam nicht zur Ruhe. Bis alle Platz gefunden hatten, mussten sie noch Dutzende zusätzliche Stühle organisieren – der Saal platzte beinahe aus allen Nähten. Grund für diesen grossen Zulauf war unter anderem Roger Stephan, Professor am Institut für Veterinärbiologie an der Universität Zürich. Er referierte über den Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft, insbesondere über dessen Rückstände, Antibiotikaresistenzen und deren Bedeutung für Mensch und Tier. Weitere Referenten an diesem Nachmittag waren Cemil Klein, Geschäftsführer der Biomilchpool GmbH, sowie Werner Ammann, Präsident von Kometian. Im Anschluss berichteten Milchproduzenten über den Einsatz von alternativen Methoden gegenüber Antibiotika. Organisiert wurde der Anlass von den Thurgauer Milchproduzenten, den Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost, sowie durch Kometian, ein Verein, der die Reduktion von Antibiotikaeinsatz von Tierhaltern anstrebt.

«Antibiotika stellen ein relevantes Problem dar»

Roger Stephan hatte von Beginn an die volle Aufmerksamkeit der Besucher. Sein Augenmerk lag zuerst auf dem Thema Rückstände, ein Umstand, der vor allem auch die Konsumenten interessiert. «Rückstände von Antibiotika können in der Milch, in Käse oder Butter vorkommen. Einzige Möglichkeit, dies zu verhindern ist, diese Produkte nach dem Einsatz von Antibiotika nicht herzustellen.» Ohnehin rät Stephan zu sehr gemässigtem Einsatz von Antibiotika. Denn: «Antibiotika sind für die Behandlung von Krankheiten gedacht, die von Bakterien, nicht aber von Viren ausgelöst werden. Bakterien können aber Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln.» Diese Tatsache stelle ein relevantes Problem dar, für dessen Lösung es dringend Interventionsmassnahmen brauche, sagte Roger Stephan. Es brauche nicht neue Antibiotika, sondern ein anderes Verhalten im Einsatz mit den bestehenden. Denn je häufiger die gleichen Medikamente eingesetzt würden, umso höher sei die Entwicklung einer Resistenz.

Nur bei gerechtfertigten Krankheiten

Dem zupflichten kann Werner Ammann von Kometian. Sein Verein konnte bereits zahlreiche Bauern davon überzeugen, Alternativen zu Antibiotika bei Krankheiten zu nutzen. Wichtig sei, das betreffende Tier zu beobachten: Wie ist seine Körpertemperatur, schwitzt es entsprechend, löst eine Berührung Schmerzempfinden aus? Wie steht es mit Hunger und Durst? All diese Beobachtungen können über den Entscheid für das eine oder andere Präparat entscheiden. Und oft sei der Einsatz von Antibiotika überhaupt nicht nötig. Für Cemil Klein bedeutet das Gesundheitsbewusstsein der Konsumenten auch eine Chance für die Produzenten. Die Zukunftsmärkte zielten auf Gesundheit und Nachhaltigkeit ab, was im Gegensatz zum benachbarten Ausland eine Qualitäts- und Nischenstrategie bedeute. Dennoch, Grundtenor aller Referenten bleibt: Der Einsatz von Antibiotika ist grundsätzlich gut, jedoch nur bei Krankheiten, welche den Einsatz auch rechfertigen. Weniger ist in jedem Fall ­besser.

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