Anstand und Weitsicht fehlen

Der Gemeinderat als Dienstleister Ausgabe vom 3. September 2013 Bande verschachert Ledi Ausgabe vom 9. Oktober 2013 Bande verschachert Ledi Ausgabe vom 9. Oktober 2013

Jakob Bischofberger Rietwisstrasse 5, 9100 Herisau
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Als stünden sie mit dem Rücken zur Wand. Nur so lassen sich die Schüsse aus der Hüfte seitens der Schaltzentrale rund um die Kandidatur von Ueli Strauss erklären. Nachdem man zwei Wochen lang den Schlaf der Gerechten geschlafen hat, ist es an der Zeit, die potenziellen Wähler pünktlich mit der Zustellung der Wahlunterlagen wachzurütteln. Man tut dies, indem man in bester Zürcher SVP-Manier den Herisauer Renzo Andreani diffamiert. Schade. Ich frage mich, wie die Partei, die normalerweise gerne das Image des Saubermanns trägt, sich eine Zusammenarbeit im Einwohnerrat und/oder Gemeinderat mit Renzo Andreani und der SVP vorstellt. Herisau ist darauf angewiesen, dass die politischen Kräfte zusammenarbeiten. So wie dies Renzo Andreani seit seiner Wahl vor zweieinhalb Jahren im Einwohnerrat und in den Kommissionen tut. Renzo Andreani bringt die beruflichen Voraussetzungen für das Amt klar mit und überzeugt sowohl als Mensch als auch als Politiker. Meine Wahl für Herisau: Renzo Andreani.

Nachwehen einer Personenwahl

Die Herisauerinnen und Herisauer wählen am 27. Oktober ihren neuen Gemeindepräsidenten. Viel ist bereits geschrieben worden über die beiden Kandidaten. Welchem von beiden wir die Stimme geben, ist praktisch alleine von unserem Bauchgefühl abhängig. Wir haben keinen unabhängigen Assessment-Bericht über die jeweiligen Kandidaten zur Verfügung, um uns ein möglichst objektives Bild zu verschaffen.

Aber bei dieser Wahl geht es noch um mehr. Die Herisauer Bevölkerung muss sich entscheiden, ob ihr Gemeindepräsident auch zukünftig einer aus der Gemeinde sein soll oder nicht. Die Wohnsitzpflicht aufzuheben wäre um einiges ehrlicher, als diese durch geschickte juristische Winkelzüge und «Buebetrickli» zu umgehen. Die Variante «Strauss» ist sicherlich nicht im Sinn und Geist der heute gültigen Gesetzgebung. Lassen wir also nach einer Wahl von Strauss zum Gemeindepräsidenten die Trickserei und heben die Wohnsitzpflicht für die zukünftigen Gemeindepräsidenten auf.

Schon bei der nächsten Wahl wird sich zeigen, dass die FDP die Büchse der Pandora nicht mehr schliessen kann und auch mehrere andere Parteien auf auswärtige Anwärter auf das Gemeindepräsidium zurückgreifen werden, wenn sie in den eigenen Reihen keinen Kandidaten finden.

Ich wähle Renzo Andreani, weil ich das Vertrauen habe, dass er das Amt des Gemeindepräsidenten voll ausfüllen kann und weil ich mir auch zukünftig einen Gemeindepräsidenten aus Herisau für Herisau wünsche.

Der Gemeinderat als Dienstleister

In diesem Artikel kommt zum Ausdruck: Die Gewählten wissen gar nicht, wieso sie gewählt wurden. Anscheinend wollen diese Menschen wegen der Wertschätzung, der Ehre, der Narrenfreiheit (gleichzusetzen mit Willkür) gewählt werden. Allem Anschein nach meinen dann noch etwelche der Gewählten, das Volk schaue das Amt als eine dienende Funktion an. Auch die grossen vollmundigen Wahlversprechen, dem Volke verpflichtet, setze mich für Land und Leute ein, sind bald vergessen! Man staunt ob dem grossen Gejammer über das fehlende Image und die Wertschätzung. Diese Wertverluste hat man sich aber durch unvernünftiges Am-Volke-vorbei-Handeln selber zuschreiben. Es ist nicht ein Dienen, es ist ein Mit-dem-Volk und nicht Gegen- das-Volk.

Vom Volke direkt oder indirekt gewählte Gemeinderäte, Kantons-, National-, Ständerat, Regierungsrat bis zum Bundesrat, sind gewählte Volksvertreter. Die gewählten Volksvertreter auf allen Ebenen haben für das Volk und nicht gegen das Volk, auch nicht gegen einzelne Menschen, Familien, Kinder zu arbeiten. Sonst muss sich das Volk die Frage stellen: Haben wir die richtigen Personen als unsere Vertreter gewählt? Und es muss sich diese Frage auch bei künftigen Wahlen sehr genau stellen. Die Volksvertreter sollen die Anliegen aus dem Volke aufnehmen und auch ausführen. Aber es scheint, als schwebten diese gewählten Volksvertreter irgendwie auf Wolke sieben. Es macht den Anschein, dass die Volksvertreter sehr oft die Sicht und den Faden zum Volk verlieren. Anders sind die Aussagen in diesem Artikel nicht zu interpretieren. Und es erstaunt schon, was für eine Gesinnung an den Tag gelegt wird. Man sollte nicht nur mit gewissen Aktionen so zwischendurch sporadisch die Nähe zum Volke suchen. Es ist das tägliche Handeln für und mit dem Volke. Ebenso müssen die gewählten Volksvertreter unabhängig sein. Als Geschäftsinhaber darf nicht die erste Frage nach Aufträgen für sein Geschäft sein. Hier muss man auch sehr zurückhaltend sein. Auch Geschäfte mit Wahlsponsoren und Parteifreunden sind nicht nur sehr heikel, sondern sind zu unterlassen. Die Geschichten zeigen dies klar auf, es läuft nicht alles so, wie es eigentlich laufen sollte.

Waren in der Vergangenheit das düstere Kapitel der Heimversorgungen, das Auseinanderreissen und Zerstören von Familien eine Ehre? War das die Narrenfreiheit?

Es ist auch etwas billig, sich hinter den Gesetzen zu verstecken, bei denen man notabene mitgewirkt, ja sie selber gemacht hat. Und wie es sich je länger je mehr zeigt, vieles ist etwa gar nicht zum Wohle des Volkes. Je mehr man nach aussen nachgibt, umso mehr zieht man die Schraube nach innen an! Es kann und darf nicht sein, dass man meint, immer seine eigenen Fürze verwirklichen zu müssen. Und dabei bleibt das Volk auf der Strecke. Die Bedürfnisse und die Wünsche aus dem Volk werden einfach zur Seite geschoben. Für die eigenen Fürze und Selbstverwirklichung geopfert. Die Anregungen aus dem Volke aufnehmen und ausführen. Und nicht, wie es jetzt ist, das Volk vor vollendete Tatsachen stellen und sagen, man kann nicht anders als zustimmen.

Grosser Einsatz der Ledi-Bande

Traurig und bedauerlich: Der ganze Ledi-Erfolg wird am Schluss durch den finanziellen Materialwert vereitelt. Wo werden all die Werte, die gewonnen wurden, erwähnt; diejenigen Werte, die (leider) nicht mit Geld gemessen werden können, diejenigen, die unsere Welt, unsere Gesellschaft, unser Miteinander wertvoll machen? Die Ledi hat Tore geöffnet, Spuren für weitere gemeinschaftliche Wege gelegt. Unerwartetes und Unvorstellbares durfte stattfinden. Staunende, fröhliche Kinder, die auf der Bühne ihre Darbietungen machten, gemütliche Runden beim Ratzliedli-Singen, die Sonntags- und Ahnenreden, die uns längst vergessene Persönlichkeiten auf die Bühne brachten, die freundschaftliche und gemeinschaftliche Atmosphäre der Anwesenden und Darbietenden, die Gastfreundschaft der politischen Vertreterinnen und Vertreter an der Bar beim Ausschank eines Glases Wein. Es gäbe noch unzählige Erlebnisse und Erfahrungen zu erwähnen, die einmalig waren und die nichts zu tun haben mit «gigantischer Spielwiese» und «nach Lust und Laune austoben», wie im Artikel geschrieben wird. Und deshalb schmerzt die herablassende Art, wie nun über das, was in den letzten Monaten auf der Ledi stattfinden konnte, berichtet wird. Ich behalte die Einmaligkeit der Ledi in lebendiger Erinnerung und danke der Ledi-Bande für ihre herzliche Gastfreundschaft, den unermüdlichen Einsatz und dafür, dass sie mir als Besucherin und teilweise als ehrenamtliche Mitarbeiterin die Gelegenheit bot, die gemeinschaftlichen Erfahrungen zu erleben und zu teilen. Mit der Ledi wurde den Appenzellerinnen und Appenzellern Wertschätzung entgegengebracht.

Diskussion um die Ledi-Bühne

Ja, man darf darüber diskutieren, wie die Ledi-Bühne weiter verwendet werden soll. Auch ich hatte mir eine andere Lösung vorgestellt.

Die Art aber, wie von unserer Appenzeller Zeitung das Thema abgehandelt wird, dieser Skandal-, Fertigmach-, Aufbausch- Journalismus, der besonders im Artikel vom 9. Oktober zum Ausdruck kommt, stört mich grenzenlos.

Die unzähligen, engagierten Beteiligten hätten eine andere Würdigung verdient. Hat die Autorin die Ledi überhaupt jemals besucht? Ich bin überzeugt, dass sie viel mehr über die mannigfaltigen Veranstaltungen, die Musik und die Begegnungen als über das Verschachern des Holzes geschrieben hätte. Ich habe meine Steuerfranken wieder hereingeholt, indem ich kostenlos den verschiedenen Darbietungen beiwohnen konnte.

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