Anspruchsvolle Gesänge

Das Vocalensemble Kantorei Toggenburg sang am Samstagabend in Alt St. Johann stimmige Abendlieder, bereichert von Oxana Peter-Fedjura mit ihrer Virtuosität am Flügel.

Lisa Leisi
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Besinnliche Klänge des vierstimmigen Chores bildeten einen wohltuenden Kontrast zum hektischen Leben. (Bild: Lisa Leisi)

Besinnliche Klänge des vierstimmigen Chores bildeten einen wohltuenden Kontrast zum hektischen Leben. (Bild: Lisa Leisi)

ALT ST. JOHANN. In der Propstei konnten sich die Konzertbesucher in eine andere Welt entführen lassen, die abgesehen vom trüben Wetter ideal zum Abend und der Jahreszeit passte; alles unter dem Thema «Der Mond ist aufgegangen». Zumeist eher ruhige, besinnliche Klänge bildeten einen wohltuenden Kontrast zum hektischen Leben. Dabei zeigte der vierstimmige Chor eindrücklich, wie sehr es auf jede Stimme und die Artikulation ankommt bei der Umsetzung anspruchsvoller A-cappella-Literatur – an diesem Abend aus dem 17. Jahrhundert bis in die Neuzeit.

Freude und Weiterentwicklung

Der Wiler Musiker, Organist und Dirigent des Ensembles, Markus Leimgruber, führte die Sängerinnen und Sänger gekonnt. Zwischendurch bereicherte die ebenfalls im Kanton St. Gallen wohnhafte Pianistin Oxana Peter-Fedjura am Flügel als Solistin mit passenden besinnlichen Tönen das Konzert.

Die Kantorei Toggenburg kennzeichnet die Freude am Singen, die Lust an der gemeinsamen Herausforderung und der Wille zur stetigen Weiterentwicklung. Dazu gehört auch Stimmbildungsunterricht. Sie besteht seit dem Jahr 2012 und kann noch weitere Männerstimmen brauchen, wie sich aus der informativen Begleitschrift zum Konzert entnehmen liess.

Die Präsidentin des Chors, Barbara Jäger, offenbarte bei der Begrüssung: «Es ist jedes Mal etwas Einmaliges, Neues, je nach den jeweiligen Gefühlen und der inneren Gestimmtheit, die unsere Auftritte prägen.» Worauf das Ensemble mit «Viva la Musica!» in überraschenden Variationen eine erste Kostprobe gab. Dann folgte «Sing we and chant it», eine lustvolle Aufforderung zum Fröhlichsein. Jetzt bezauberte die Pianistin Oxana Peter-Fedjura mit «Juni – Barcarole» aus «Die Jahreszeiten» von Pjotr Tschaikowsky.

Das auf die Nacht einstimmende Lied «Abendröte schimmert» forderte die Singenden wohl insbesondere mit den tragenden, lang auszuhaltenden Tönen, die die nächtliche Ruhe treffend unterstrichen. Nicht weniger passend zu einem Sommerabend war das nachfolgende zarte finnische Liebeslied, welchem «Im Abendrot» folgte und die Nachtruhe in der Natur beschreibt. Auch in den nächsten Liedern war die Atmosphäre des Abends oder der Nacht im Wald und am Himmel immer wieder ein Thema. Darunter mischte sich tiefes Herzeleid, aber auch wiederkehrender Friede, Erlösung von Qualen und zur Ruhe kommen mit Hilfe der Nacht. In einem englischen Lied wurden die Gedanken weiter auf Wohltuendes gelenkt und geraten, sich die Zeit zu nehmen, um sich erholen zu können.

Wie sich Fische gute Nacht sagen

Eine besondere Überraschung war der lautlose, erheiternde «Fisches Nachtgesang», welcher von der Mimik der Sängerinnen und Sänger lebte und zeigte, wie sich Fische gute Nacht sagen. Wunderschön dann der Segen nach 4. Mose, 6, 24–26, «The Lord bless you and keep you» sowie das Schlusslied «Let us go in peace», begleitet am Flügel durch Oxana Peter-Fedjura, welche mit ihren gefühlvollen Interpretationen eines Intermezzos, einer «Meditation aus <Thaïs> » und «Sicilienne» die gesanglichen Darbietungen wunderbar ergänzte.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer bedankten sich mit einem anhaltenden Applaus und der Chor antwortete mit einer weiteren Kostprobe seiner Vielseitigkeit und seines Könnens: «Das Publikum war wunderbar, auf Wiedersehen, Tschüss.»