ANSICHTSSACHE: «Wir stehen zu unserem Vorgehen»

Für die Erweiterung und Instandsetzung der Schulanlage Wier hätte es einen Architekturwettbewerb geben sollen, findet das Architekturforum Ostschweiz. Das hätte nicht viel gebracht, glaubt Christian Spoerlé.

Sabine Schmid
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Die Gebäude mit der Holzfassade und den Flachdächern gefallen oder gefallen nicht. Visualisierung: PD

Die Gebäude mit der Holzfassade und den Flachdächern gefallen oder gefallen nicht. Visualisierung: PD

Sabine Schmid

sabine.schmid@toggenburgmedien.ch

Das Vorgehen, das der Gemeinderat Ebnat-Kappel bei der Ausarbeitung des Vorprojekts für die Erweiterung und Instandsetzung der Schulanlage Wier gewählt hat, ist nicht unüblich. «Wir haben uns an einen Architekten gewandt und ihm einen klaren Auftrag für die Ausarbeitung dieses Vorprojektes gegeben», sagt ­Gemeindepräsident Christian Spoerlé. Aufgrund der Grösse des Auftrags sei dies im freihändigen Verfahren abgelaufen, eine Ausschreibung sei nicht nötig gewesen. Bewusst hat der Gemeinderat auf einen Architekturwettbewerb verzichtet. «Es sind so viele Parameter und Vorschriften gegeben, so dass es nur wenig architektonischen Spielraum gibt», sagt Christian Spoerlé.

Dies stösst dem Architektur- forum Ostschweiz sauer auf. In einer Stellungnahme, die es unserer Zeitung zukommen liess, kritisiert es, dass das Bauprojekt durch seinen architektonischen Ausdruck «keinerlei Bezüge zur vorhandenen Bausubstanz herstellt». Die Kritik geht noch weiter: «Sowohl durch den Städtebau, die gewählte Grundriss­typologie als auch durch die Fassadengestaltung und Materialwahl wird der Neubau zum Autisten. Durch seine Beliebigkeit und den fehlenden Dialog mit dem Ort könnte er überall stehen.» Das Architekturforum nimmt auch den Gemeinderat in die Mangel: «Die Chance, die ein Wettbewerbsverfahren bietet, über die archtektonische Sprache und räumliche Qualitäten mit einer Fachjury zu diskutieren und ein kontextbezogenes Projekt auszuwählen, wurde vom Gemeinderat verkannt.»

Gemeindepräsident Christian Spoerlé kann diese Ansicht nachvollziehen. «Das können die Architekten von ihrer Warte aus so beurteilen», sagt er. Der Gemeinderat habe mit der Schule aber etwas anderes gewollt, nämlich ein zweckmässiges Gebäude, das eine gute Ausgangslage für einen guten Unterricht der Schüler biete. Christian Spoerlé findet die Kritik vermessen. Auch wenn ein Architekturwettbewerb wohl grosses Interesse hervorgerufen hätte, ist der Ebnat-Kappler Gemeindepräsident überzeugt, dass das Projekt ähnlich aussehen würde. «Dass das Architekturforum Ostschweiz einen Architekturwettbewerb fordert, ist ein legitimes Anliegen. Aber unser Gemeinderat hat sich für ein anderes Vorgehen entschieden, und wir stehen dazu.»

Nein würde nicht zu einem Wettbewerb führen

In seiner Stellungnahme bedauert das Architekturforum Ostschweiz den Mangel in der Verfahrenswahl und hofft darauf, dass die Stimmbürger in der Urnenabstimmung vom 12. Fe­bruar mit einem Nein ein Zeichen gegen das Verfahren setzen. Für Christian Spoerlé ist dies ein falscher Weg. «Wenn die Bürgerschaft unser Vorhaben ablehnt, würde der Gemeinderat nach möglichen Gründen suchen. Es würde sicher bedeuten, dass wir das Projekt nicht weiterverfolgen und schon gar nicht mit einem Architekturwettbewerb neu lancieren», sagt Christian Spoerlé.

Wenn das Stimmvolk den Ausführungskredit von 20,5 Millionen Franken spricht, wäre der nächste Schritt, die Architekturleistungen für das Bauprojekt und deren Realisierung auszuschreiben. Hierzu äussert das Architekturforum Ostschweiz Bedenken, weil das mit dem Vorprojekt beschäftigte Büro für das Bieterverfahren nicht ausgeschlossen wird. Christian Spoerlé hält klar fest, dass der Auftrag des Vorprojekts erfüllt ist und nun alles bei Null anfange. «Wir halten uns bei der Ausschreibung an die Vor­gaben des öffentlichen Beschaffungswesens sowie des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) und der Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren (KBOB)», betont er. Diese beinhalten unter anderem, dass alle bisher geleisteten Arbeiten allen Bietern zur Verfügung gestellt werden. Zudem hat das Büro, das das Vorprojekt ausgearbeitet hat, zwei Wochen weniger Zeit, um das Angebot zu erstellen. «Wir haben klare Eignungs- und Zuschlagskriterien definiert, wie wir den Auftrag für Architektur und Bauleitung vergeben werden», sagt er. Er würde das Verfahren wiederum gleich durchziehen und es auch jeder Gemeinde empfehlen. Vor allem dann, wenn ein Zweckbau an einem bestimmen Ort gebaut werden soll, wo viele Rahmenbedingungen vorgegeben sind.

Auf die Befürchtung des Architekturforums Ostschweiz, dass sich der engagierte Bauingenieur Dölf Biasatto «des Kampfs gegen den mangelnden architektonischen Ausdruck, trotz seiner im Wahlkampf versprochenen ‹Förderung der Identität unserer Dörfer›, nicht annehmen wird», entgegnet Christian Spoerlé, dass sich Dölf Biasotto im Rahmen ­diverser Regierungsprogramme von Appenzell Ausserrhoden in vielen Projekten mit den Themen «Ortsbauliche Integrität» und «Identität der Dörfer» auseinandergesetzt habe.