ANMUT: Funkensprühendes Konzert

Mit seinem neuen Programm gastierte das Wattwiler Jugendorchester Il Mosaico in der Tonhalle Wil. Es bestätigte seinen Ruf als begeisterndes Ensemble.

Peter Küpfer
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Peter Küpfer

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Wenn nicht noch je zwei Orchesterstühle auf den Plattformen der beiden Bühnenaufgänge Platz ­gefunden hätten – die Platzverhältnisse in der ehrwürdigen Tonhalle wären bei diesem Ansturm wohl etwas eng geworden. Der Auftritt der Instrumentalisten des Jugend- und Kantiorchesters Il Mosaico beeindruckt schon rein zahlenmässig. Innert kürzester Zeit war die Bühne gefüllt mit spielbegierigen jungen Musizierenden, deren Gesichter gleichzeitig Freude und Anspannung ausdrückten. Leichtigkeit bei gleichzeitiger Intensität waren denn auch Hauptkennzeichen des in jeder Hinsicht gelungenen Auftritts. Schon das Programm verhiess musikalische Anmut. In Beethovens Violinkonzert in D-Dur (op. 61) verwandelte sie sich immer wieder in dramatische Episoden, in Brahms’ zweiter Sinfonie (D-Dur, op. 73) erschien sie oft melancholisch gebrochen.

Schon in den ersten Takten von Beethovens Violinkonzert zeigten sich die bekannten Stärken des jugendlichen Ensembles, die während des ganzen Konzertes durchgehalten wurden. Die Einsätze waren entschieden, im Fortlauf der sich entwickelnden Dramatik auch explosiv. Im dichten und intensiven Spiel und Zuspiel der Motive und Variationen zwischen den einzelnen Instrumentengruppen. In den anschwellenden und wieder abschwellenden Gefühlswogen. In den engelhaft sphärischen, dann wieder hymnischen und liedhaften Partien entstand ein vielschichtiger, lebhafter und intensiver Dialog, in dem nicht nur Einzelstimmen sich hörbar machten, sondern offensichtlich auf das Ganze hörten. Mit diesem mosaikartigen Spiel mit Blick aufs Ganze machte das Ensemble seinem Namen einmal mehr alle Ehre. Meisterhaft befeuerte Solistin Esther Hoppe diesen oft sehr feinen, immer vielschichtigen Dialog.

Enge Beziehung zu Il Mosaico

Die Schweizer Violinistin Esther Hoppe, Preisträgerin namhafter Auszeichnungen und heute unter anderem Professorin am Mozarteum Salzburg, steht dem Jugendorchester nahe. Seit 15 Jahren konzertiert sie immer wieder mit Il Mosaico und war mit ihm schon auf Konzertreisen in Italien, Deutschland und Holland. Musikliebhaber kennen sie auch von früheren Konzerten im Rahmen von Konzertzyklus Pro Wattwil. Die Art, wie die Solistin ihre kaskadenhaft aufsteigenden, dann wieder lyrisch feinen Klänge mit dem Orchester verwob, wie sie es zum Echo reizte und seine Impulse in technisch stupende Kadenzen verwandelte, war einzigartig.

Mit der Zweiten Sinfonie von Brahms zog das Orchester noch einmal alle Register. Das monumentale Werk vereinigte Anmut und Liedhaftigkeit mit brausendem Ungestüm und Wellen der Melancholie, im Unterschied zu Beethovens symphonischem Konzert allerdings im romantischen Mantel. Da war, wie das reichhaltige Programmheft anmerkte, «blauer Himmel, Quellenrieseln, Sonnenschein und kühler grüner Schatten», alles auf die Kulmination des abschliessenden Allegro con spirito hin ­angelegt, wo die entfachten Gefühlsstürme in immer neuen Wellen kulminierten. Auch dieses facettenreiche Spiel zwischen Anmut und Leidenschaft meisterte das Ensemble mit Glanz – und erntete für seine grosse Leistung intensiven und lang anhaltenden Schlussapplaus. Er galt allen Beteiligten, Ensemble, Solistin und Dirigent Hermann Ostendarp, (Gesamtleitung), der auch seine drei Kollegen mit auf das Podium holte, welche für die Registerproben verantwortlich waren (Wilfrid Stillhard, David Jud und Martin Winiger).

Das Programm ist noch zweimal zu erleben, an den Konzerten vom 6. Mai, 19.30 Uhr, Tonhalle St. Gallen, und vom 7. Mai, 19 Uhr, evangelische Kirche Rapperswil.