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ANIMATIONSFILM: 160 Stunden Arbeit für einen 3-minütigen Film

Die beiden Brüder Severin und Joachim Schönenberger aus Lütisburg verstehen sich eigentlich auf das Produzieren von Spielfilmen. Für ihren ersten Animationsfilm haben sie viele Stunden mit Zeichnen verbracht.
Timon Kobelt
Severin (vorne) und Joachim Schönenberger arbeiteten oft lange im stillen Kämmerchen an ihrem Animationsfilm. (Bild: Timon Kobelt)

Severin (vorne) und Joachim Schönenberger arbeiteten oft lange im stillen Kämmerchen an ihrem Animationsfilm. (Bild: Timon Kobelt)

«Block und Bleistift», antwortet Severin Schönenberger auf die Frage, was die wichtigste Ausrüstung für den ersten Animationsfilm gewesen ist. Der ältere der zwei Brüder (26) hat in St. Gallen den gestalterischen Vorkurs absolviert und besitzt somit ein Flair fürs Zeichnen, was beim aktuellen Animationsfilm seine Hauptaufgabe war. Bevor er das Filmstudium an der Hochschule Luzern begann, das er diesen Sommer mit dem Bachelor abschliessen wird, hatte er Koch gelernt. Joachim (20) ist der zweite im Bunde. Er hat eine Ausbildung als Polygraf abgeschlossen und lernt nun ebenfalls, wie man Filme am besten kreiert. Joachim hat beim Animationsfilm vermehrt am Computer gearbeitet und die Zeichnungen seines Bruders mit dem Programm Illustrator digitalisiert.

Rund 160 Stunden Arbeit investiert

Der Arbeitsprozess klingt beim ersten Hinhören gar nicht so kompliziert. Auch die zeitlichen Vorgaben des Auftraggebers, nämlich, ein dreiminütiges Animationsvideo zu erstellen, können den Laien bezüglich Aufwand täuschen. Denn auf vier Schultern verteilt, kamen rund 160 Stunden Zeitaufwand für das dreiminütige Video zusammen.

Beauftragt wurden die Brüder vom Bistum St. Gallen. Dieses will mit dem Projekt Neuland vor allem junge Menschen animieren, ihre individuellen Begabungen und Interessen in den Dienst der Pfarrei stellen und Verantwortung zu übernehmen, wie es auf der Homepage heisst. Im Video sollen die Aktivitäten gezeigt werden, die im Zusammenhang mit dem Bistum stehen. Ausserdem soll thematisiert werden, was die Kirche in der heutigen Zeit bedeutet.

Bild: PD / Severin und Joachim Schönenberger
Bild: PD / Severin und Joachim Schönenberger
Bild: PD / Severin und Joachim Schönenberger
Bild: PD / Severin und Joachim Schönenberger
Bild: PD / Severin und Joachim Schönenberger
Bild: PD / Severin und Joachim Schönenberger
Bild: PD / Severin und Joachim Schönenberger
Bild: PD / Severin und Joachim Schönenberger
Bild: PD / Severin und Joachim Schönenberger
Bild: PD / Severin und Joachim Schönenberger
10 Bilder

So entsteht ein Animationsfilm auf dem Papier

Jede Bewegung einzeln animiert

So weit der Auftrag. Um diesen umzusetzen, kreierten die beiden Jungfilmer einen Protagonisten, der zunächst alleine auftritt und dann in die Gemeinschaft der Kirche eintaucht. Sie wählten einen Koch als Hauptdarsteller, der in der Einstiegsszene eine Karotte schneidet. «Zum einen sind wir auf die Idee des Kochs gekommen, weil ich den Beruf gelernt habe», erklärt Severin Schönenberger. Zum anderen sei ein Koch als Figur leicht erkennbar. So einfach der Koch zu erkennen ist, so war es doch umso komplizierter, ihn und seine Bewegungen zu animieren. «Das war extrem aufwendig, denn man muss im <Illustrator> mit einzelnen Ebenen arbeiten», sagt Joachim Schönenberger. Sprich, es gibt den Körper als eigene Ebene, dann einen Arm und schliesslich einen Unterarm mit einem Gelenk, damit der Arm bewegt werden kann. Dasselbe Spiel führten die Brüder unter anderem auch mit den Augenbrauen des Koches durch. Nachdem die Szenen mit «Illustrator» digital gezeichnet sind, muss genau gerechnet werden. «Die Szenen kommen anschliessend ins Animationsprogramm After Effects, mit dem wir die Bewegungen gemacht haben», sagt Severin Schönenberger. Das sei Präzisionsarbeit, da man jeweils genau engeben müsse, nach wie vielen Filmsekunden die Bewegung beginnt und wieder endet. Das Programm After Effects hatten die Brüder zuvor nicht gekannt. Sie brachten es sich autodidaktisch mithilfe von YouTube-Tutorials und bei und nutzten das Know-How von Kollegen.



Die Basis für die Arbeit am PC bildeten wie gesagt die Zeichnungen von Hand. Severin Schönenberger zeichnete jede neue Einstellung auf, somit entstand die Geschichte zunächst auf Papier. «Wir hatten den gesamten Szenenablauf auf Papier beisammen und haben dies dann am Computer umgesetzt», sagt Severin Schönenberger. Dieses Vorgehen wird als Story-Board bezeichnet.

Einige Unterschiede zu einem Spielfilm

Die beiden Brüder ziehen ein positives Fazit aus ihrem ersten eigenen Animationsfilm. «Wir haben viele positive Reaktionen erhalten, sei es direkt, über das Bistum oder von Studienkollegen in Luzern», sagt Joachim Schönenberger. Die Erfahrungen, die sie hätten machen können, würden ihnen in Zukunft sicher von Nutzen sein. Trotzdem sei es momentan nicht geplant, vermehrt Animationsfilme zu produzieren. «Als Nebengeschäftszweig ist es eine Option. Aber unser Kerngeschäft bleiben die Spielfilme», sagt der jüngere Bruder.

Der Koch als Protagonist, wie er noch unbewegt auf Papier die Karotte klein schneidet. (Bild: PD)

Der Koch als Protagonist, wie er noch unbewegt auf Papier die Karotte klein schneidet. (Bild: PD)

Die Produktion eines Animationsfilms unterscheide sich stark von der eines Spielfilmes, meinen die Jungfilmer. «Zunächst einmal haben wir beim Animationsfilm alleine gearbeitet. Die Koordination mit Schauspielern fiel komplett weg», sagt Severin Schönenberger. Dies bringe sowohl Vor- als auch Nachteile. «Zum einen ist man unabhängiger und kann einmal einen ganzen Tag lang durcharbeiten, ohne dass externe Faktoren die Planung beeinflussen», erklärt Severin Schönenberger. Zum anderen sei es einfacher, Bewegungen mit Schauspielern nachzustellen. «Beim Animationsfilm kann man unter Umständen eine Woche daran sitzen, um ein paar Augenbewegungen hinzukriegen. Mit Schauspielern dreht man dies in einer halben Stunde zehnmal und hat das Material im Kasten», führt der ältere Bruder aus. Unterschiedlich sei auch die Herangehensweise an den Film. «Beim Animationsfilm muss man im Vorhinein viel mehr denken und genau wissen, was man auf dem Bild haben will», sagt Severin Schönenberger. Ansonsten müsse man immer wieder einen Schritt zurückgehen.

Gemeinsamkeiten sehen die beiden darin, dass bei beiden Filmarten eine Story erzählt werden muss. «Wie wir Dramaturgie erzeugen können, wussten wir schon von den Spielfilmen her», sagt Joachim Schönenberger. Der Unterschied habe darin bestanden, die Dramaturgie in drei Minuten hinzubekommen.

Besonders gefallen haben den Brüdern die fast unzähligen Möglichkeiten des Animationsfilms. «Effekte wie eine Explosion können wir einfach schnell zeichnen», meint Severin Schönenberger. Im Spielfilm sei dies erstens vielleicht technisch nicht möglich, und zweitens wäre es sehr teuer. Kein Wunder: Block und Bleistifte sind effektiv billiger als Schauspieler und Kameras.

Zum Begriff Animation

Das Wort Animation ist heutzutage verbreitet. Doch was steckt genau dahinter? Gemäss Duden ist eine Animation ein Verfahren, das unbelebten Objekten in einem Trickfilm Bewegung verleiht. Etwas konkreter gehört zur Animation jede Technik, bei der durch das Erstellen und Anzeigen von Einzelbildern für den Betrachter ein bewegtes Bild geschaffen wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob die einzelnen Bilder gezeichnet oder vom Computer berechnet werden. Auch fotografische Aufnahmen können für Animationen verwendet werden. Bekannt für Animationsfilme ist «Walt Disney». Die Firma gewann die letzten fünf Oscars in der Kategorie bester animierter Spielfilm. (tik/pd)

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