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ANGEKOMMEN: «Andere Meinungen gelten lassen»

Christian Gertsch wurde im letzten Herbst mit grosser Mehrheit als Gemeindepräsident von Hemberg gewählt. Jetzt ist der Alltag eingekehrt, und er zieht Bilanz nach gut 100 Tagen im Amt.
Urs M. Hemm
Christian Gertsch hat sich als Gemeindepräsident von Hemberg gut eingelebt. (Bild: Urs M. Hemm)

Christian Gertsch hat sich als Gemeindepräsident von Hemberg gut eingelebt. (Bild: Urs M. Hemm)

Urs M. Hemm

urs.hemm@toggenburgmedien.ch

Jemandem nachzufolgen, der 17 Jahre erfolgreich ein Amt bekleidet hatte, ist nicht leicht. Christian Gertsch ist der Einstieg als Gemeindepräsident von Hemberg gelungen, und er hat den Draht zur Bevölkerung gefunden.

Sie sind jetzt seit rund 100 Tagen im Amt als Gemeindepräsident von Hemberg. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Einerseits hatte ich natürlich die Zuversicht, dass ich dieses Amt gut ausfüllen kann, da ich meine Fähigkeiten kenne. Andererseits hatte ich aber auch die Befürchtung, dass ich zeitlich nicht alles unter einen Hut bringen kann. In den ersten drei Monaten hat es sich sehr gut entwickelt, und ich konnte auch auf das Verständnis meiner Ratskollegen und der Bevölkerung zählen. Es sind gute Kontakte entstanden, und ich bin zufrieden.

Sie arbeiten nach wie vor zu 80 Prozent als Leiter des Wohnheims und Werkstätte Landscheide in Wald-Schönengrund. Ihr Pensum als Gemeindepräsident beträgt demnach gerade mal 20 Prozent. Reicht das aus, um eine Gemeinde wie Hemberg zu führen?

Ich bin grundsätzlich am Mittwoch hier im Gemeindehaus in Hemberg und natürlich auch abends an verschiedensten Anlässen anzutreffen, um einfach meine Wertschätzung gegenüber dem Engagement der Bevölkerung zu zeigen. In der ersten Zeit habe ich hohe Ansprüche an mich gestellt, weil ich mich in Verschiedenes einarbeiten musste, aber ich denke, dass die Arbeit mit einem 20-Prozent-Pensum zu bewältigen ist. Dies auch daher, weil Hemberg an zahlreichen Korporationen beteiligt ist und nicht mehr die Hauptverantwortung trägt.

Sie führten kürzlich Ihre erste Gemeindeversammlung durch. Wie ist es Ihnen dabei ergangen?

Was mir insbesondere an der Vorversammlung gefallen hat, ist, dass sich die Bürger zu Wort gemeldet haben, dass ein Dialog stattgefunden hat und ich Sachverhalte erläutern konnte. Ich konnte aufzeigen, was aktuell ­ die Gemeinde, den Gemeinderat und mich als Gemeindepräsidenten beschäftigt. Ich bin eine Persönlichkeit, die sehr viel Wert auf einen konstruktiven Dialog legt, das Für und Dawider, bezogen auf einen Sachverhalt, gerne ausdiskutiert und auch andere Meinungen gelten lässt.

Haben Sie während der Vorbereitungen zu dieser Gemeindeversammlung Überraschungen erlebt?

Nein, eigentlich gar nicht. Ich wurde sehr gut durch meine Behördenmitglieder vorbereitet und unterstützt. Ich fühlte mich durch meine Kollegen gestützt und gut informiert.

Wie ist Ihr Kontakt zur Bevölkerung? Sie müssen manchmal auch für einzelne Personen unpopuläre Entscheidungen fällen.

Ich empfinde den Kontakt als sehr herzlich und wertschätzend. Die beruht aber auf Gegenseitigkeit. In Hemberg ist der Umgang untereinander respektvoll – eine Haltung, die ich gerne weitergebe. Die Menschen sprechen mich offen an auf der Strasse, und es ergeben sich daraus immer gute Gespräche.

Wie gehen Sie mit Konflikten um?

Ich musste zwar bis anhin noch nicht viele konfliktbehaftete Entscheidungen treffen, das wird aber wohl noch kommen. Ich habe schon länger Führungsaufgaben inne und frage mich immer: Wenn ich in der Situation dieser Person wäre, wie würde ich die Sache sehen. Dann hilft meist der gesunde Menschen­verstand. Ausser, wenn ich durch meine Funktion an gesetzliche Vorschriften gebunden bin, die ich natürlich für alle gleich anwenden muss. Das hat auch mit Aufrichtigkeit und Verlässlichkeit zu tun. Aufpassen muss man einfach, dass man nicht in einen ­persönlichen Konflikt bei seinen Entscheidungen gerät. Dennoch wird es immer Entscheidungen geben, die nicht allen gefallen. Das wird aber dann wieder eine Frage des Dialogs sein, eine Frage, auf welcher Grundlage ein Entscheid begründet wird.

Welches sind Ihre prioritären Ziele für die erste Legislatur?

Das Wesentlichste ist für mich der Erhalt der Lebendigkeit, welche ich von dieser dörflichen Gemeinschaft erlebe. Diese Lebendigkeit zu unterstützen und zu fördern liegt mir am Herzen.

Welche Sorgen treiben Sie in Bezug auf den Fortbestand der Gemeinde Hemberg um?

Es ist nicht der drohende Verlust von gewissen Dingen – damit umzugehen, müssen wir lernen. Denn ab einer gewissen Grösse ist einfach nicht mehr alles finanzierbar. Wir sind als Gemeinde nach wie vor eigenständig. Dazu hat sich die Bevölkerung bekannt. Dennoch geht damit auch ein personeller Abbau einher, sodass die Gemeinde, in Anbetracht der Korporationen, nicht mehr alles bieten kann. Zu erwähnen sind hier beispielsweise die Kesb oder die Altersversorgung. Zudem läuft heutzutage sehr viel auf dem elektronischen Weg, sodass die physische An­wesenheit von Amtspersonen gar nicht mehr nötig ist. Eine Auswirkung davon ist auch, dass wir die Öffnungszeiten der Gemeindebehörde angepasst haben.

Welches Fazit ziehen Sie über Ihre Amtsführung nach den ersten 100 Tagen?

Für mich persönlich ist es eine grosse Bereicherung, mit der Herausforderung, das Amt des Gemeindepräsidenten auszuüben, konfrontiert zu sein. Die Arbeit im Gemeinderat ist konstruktiv, sachlich, aber auch herzlich. Jeder übernimmt seine Verantwortung und trägt seinen Teil zum Ganzen bei.

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