«An diesem Tag werden die Bauern im Dorf wahrgenommen»: Früher dienten die Viehschauen der Standortbestimmung – heute werben sie für die Landwirtschaft

Die Genossenschaften Heiden und Grub feiern ihr 100-Jahr-Jubiläum. Für die Viehschauen gibt es Neuerungen.

Natascha Arsic
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In Heiden ist auch an der diesjährigen Viehschau eine sennische Auffuhr durchs Dorf geplant. (Bild: APZ)

In Heiden ist auch an der diesjährigen Viehschau eine sennische Auffuhr durchs Dorf geplant. (Bild: APZ)

Viehschauen haben im Appenzellerland eine lange Tradition. So feiern die Genossenschaften Heiden und Grub dieses Jahr denn auch ihr 100-jähriges Bestehen. «An der Gründungsversammlung 1919 versuchte man, eine gemeinsame Genossenschaft ins Leben zu rufen. Doch aufgrund zu grosser Differenzen hat das nicht geklappt», erklärt Alfred Eisenhut, Viehschaupräsident Grub. 45 Jahre lang seien die Viehschauen gemeinsam durchgeführt worden, abwechslungsweise in Heiden und Grub. Danach hätten die Gemeinden ihre eigenen abgehalten.

«Seit 2005 wurde in Grub keine Schau mehr durchgeführt. Wir konnten aber jeweils in Heiden teilnehmen.»

Zum diesjährigen Jubiläum werde nun wieder eine eigene Viehschau organisiert.

«Früher stand die Tierzucht im Fokus. Die Viehschau war die wichtigste Möglichkeit, den Zuchtfortschritt zu vergleichen. Heute gibt es dafür andere Möglichkeiten», sagt Michael Eugster, Viehschaupräsident Heiden. Im Gegensatz zu damals stehe nun vermehrt die Öffentlichkeitsarbeit im Vordergrund. «An diesem Tag werden die Bauern im Dorf wahrgenommen und es gibt Berührungspunkte zwischen den verschiedenen Leuten.» Man müsse die Viehschau nutzen, um positiv für die Landwirtschaft zu werben und Brücken zu bauen. Zudem solle es auch ein Dorffest sein.

Neuer Schauplatz mit Aussichtspunkt

Den Besuchern in Heiden wird einiges geboten. Es ist eine sennische Auffuhr mitten durchs Dorf geplant und als Schauplatz dient neu die Wiese unterhalb des Dunantplatzes mit Sicht auf den Bodensee. «Diese Wiese ist grösser und die Platzverhältnisse sind grosszügiger», sagt Eugster. Erstmals soll auch ein Aussichtspunkt errichtet werden, sodass die Anwesenden Heiden und die Viehschau von oben sehen können. Ausserdem gibt es diverse Marktstände, einen Bauernmarkt und eine grosse Festwirtschaft in der Nähe.

«Wir hoffen auf mehrere Hundert Besucher am Strassenrand und auf dem Schauplatz.»

Die Jubiläumsschau sei mit einem grossen Aufwand und viel Arbeit verbunden. Schliesslich würden die Organisatoren einen würdigen Anlass auf die Beine stellen wollen.

«Das Jubiläum ist auf jeden Fall ein Grund zum Feiern und zeigt eindrücklich, dass die Viehzucht seit über 100 Jahren eine wichtige Rolle spielt», sagt Eugster. Man beschäftige sich derzeit mit der Viehzucht von früher und hole dafür extra alte Protokolle und Festschriften hervor. Für den Tierkatalog werde ein Rückblick erstellt. «Das 100-jährige Bestehen ist ein Meilenstein in der Geschichte des Vereins.» Dieses Jahr würden alle Mitglieder an der Viehschau teilnehmen – auch jene, die sonst nicht mitmachen. «Das schweisst zusammen», so der Heidler Viehschaupräsident. Erwartet werden 15 Züchter mit etwas über 300 Tieren.

Die Tiere werden am Morgen in den verschiedenen Abteilungen rangiert und kommentiert. Am Nachmittag folgt dann die Prämierung der Spezialpreise. «Ausserdem findet zum ersten Mal ein Betriebscup statt», sagt Eugster. Dabei nimmt jeder Bauer mit drei Kühen teil. Diese werden nach Harmonie und Qualität bewertet. Am 12. Oktober, eine Woche nach der Jubiläumsschau, wird im Kursaal Heiden der öffentliche Schauabend durchgeführt. «Da hoffen wir auf etwa 250 Besucher.»

Mitgliederzahl stark gesunken

Für die Viehschau in Grub werden Betriebslatten gemacht, sodass jeder Bauer für seine Kühe eine eigene hat. «Es werden nur fünf Tiere pro Abteilung rangiert», sagt Eisenhut. Es gibt aber viele Spezialpreise: «Miss Grub», Mutter-Tochter, Rinder-Champion, Schön-Euterwettbewerb, Fitness-Star, Genetic-Preis und Miss Protein. Zudem wird der Vorderländer Jungzüchterwettbewerb in Grub abgehalten. Für Kinder ist ein Schatzsuchwettbewerb geplant.

«Für die Jubiläumsschau erwarten wir sieben Bauern mit zirka 200 Tieren», so Eisenhut. Die Anzahl Mitglieder habe sich über die Jahre hinweg stark verändert - von einst etwa 30 Züchtern auf heute acht. «Der Anlass ist für uns eine Möglichkeit, der Bevölkerung zu zeigen, dass es uns noch gibt, trotz schwerem Umfeld für die Milchwirtschaft», sagt Eisenhut.

Hinweis:
Die Jubiläumsschauen finden an folgenden Tagen ab 9 Uhr statt: Am 21. September in Grub und am 5. Oktober in Heiden.