Ammanns Trainer dachte: «Nicht schon wieder!»

SKISPRINGEN. Nach den Stürzen an der Vierschanzentournée muss Simon Ammann zur Überwachung noch einige Tage im Spital Schwarzach bleiben. Wie es mit seiner Karriere weitergeht, ist offen. Simon Ammanns Trainer Martin Künzle nimmt Stellung.

Urs Huwyler
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Simon Ammann wird sich nach seinem Sturz Gedanken über seinen weiteren Karriereverlauf machen. (Bild: Urs Huwyler)

Simon Ammann wird sich nach seinem Sturz Gedanken über seinen weiteren Karriereverlauf machen. (Bild: Urs Huwyler)

Alles schien über die Festtage für die Vierschanzentournée angerichtet. Die Form stimmte bei Simon Ammann, er wirkte nicht nur locker und zuversichtlich, sondern durfte es sein. «Als Vater siehst du viele Dinge anders, es dreht sich nicht mehr alles um den Sport. Ob sich dies auf die Leistungen und Resultate auswirkt, wird sich zeigen», sagte der Olympiasieger vor Saisonbeginn nach dem Abschlusstraining in Einsiedeln. Vor allem weniger erfolgreiche Tage liessen sich besser verarbeiten, wenn er abends bei Frau Yana und Sohn Theodore sei.

Zwei Siege in Finnland, Podestplatz in Engelberg, Simon Ammann gehörte (wieder einmal) zu den Tournée-Kronfavoriten. «Gesamtsieg und erster Triumph auf einer österreichischen Schanze» lauteten die Ziele des Toggenburgers. Die Bilanz ist bekannt: Neuschneesturz in Oberstdorf (34.), Rang zwei in Garmisch, Platz drei in Innsbruck, Sturz in Bischofshofen (10.) vor den Augen seiner Familie, Spitalaufenthalt statt Abschlussparty, Schlagzeilen wegen des Gesundheitszustandes und nicht durch die erhofften Flüge auf den Tourolymp.

Keine Spekulationen

Trainer Martin Künzle reist mit den beiden Springern Gregor Deschwanden und Gabriel Karlen weiter zum Skifliegen nach Bad Mitterndorf. Dort wollte Simon Ammann wieder angreifen, nun liegt er in Schwarzach noch einige Tage zur Überwachung im Spital. «Es war mit zwei nahezu identischen Stürzen eine verpatzte Tournée. Die Landung war zuletzt ein Problem. Glücklicherweise zog sich Simon keine Knochenbrüche oder innere Verletzungen zu. Doch die Gehirnerschütterung erfordert viel Ruhe», erklärt Künzle, der den Sturz erst auf dem Monitor sah und «nicht schon wieder» dachte. Fragen, wie es weitergeht, ob Simon Ammann an der WM starten kann, mag zum jetzigen Zeitpunkt niemand beantworten. «Bis zu den Titelkämpfen in Falun dauert es noch einige Wochen. Darüber mache ich mir keine Gedanken. Wenn er gesund ist, wird Simon wieder angreifen. Davon gehe ich aus.»

Keine Qualifikationen

Spekulationen, ob die beiden Stürze den Entscheid des Toggenburgers über den weiteren Verlauf seiner Karriere beeinflussen könnten, werden zwar auftauchen, «doch daran», so Martin Künzle, «beteilige ich mich nicht». Die Wechselbadauftritte von Simon Ammann an der Tournée 2014/15 haben unabhängig von den Stürzen Fragen aufkommen lassen. Beispielsweise, weshalb der routinierte Instinktflieger im Gegensatz zur Konkurrenz alle Qualifikationen ausgelassen hat.

«Das Alter spielt eine Rolle. Stefan Kraft oder Michael Hayböck sind einige Jahre jünger, erholen sich schneller. Zudem muss Simon auf allfällige Rückenprobleme Rücksicht nehmen, und es gilt, die Einsätze zu dosieren. Genau das macht er», erklärt Disziplinenchef Berni Schödler. Für Berni Schödler besteht bezüglich Risikosportart Skispringen kein Handlungsbedarf, handelte es sich doch im Quervergleich zu andern Sportarten (unter anderem Rad, Ski, Motorsport) um einen «normalen» Sturz. «Es ist immer tragisch, wenn ein Athlet, mit dem man viel erlebt hat, ins Spital eingeliefert werden muss. Das weckt Emotionen. Aber Simon ist bei keineswegs gefährlichen Bedingungen und einer normalen Weite nach vorne gekippt. Das kann bei einem Verschneider auch Sieger Stefan Kraft oder andern Spitzenspringern passieren.» Aus Sicht des früheren Nationaltrainers (auch in Russland) ist Skispringen durch und wegen der Ereignisse an der Tournée nicht gefährlicher geworden. In der Schweiz werde diskutiert, weil es sich um Simon Ammann handle.

Risiken gehören dazu

Ähnlich tönt es bei FIS-Direktor Walter Hofer. Er hält fest, die Stürze liessen sich nicht auf Fehler der Jury zurückführen. «Wer heute bei der Leistungsdichte ganz vorne sein möchte, muss gewisse Risiken eingehen. Auch die Trainer sind gefordert und nehmen ihre Verantwortung durchaus wahr.»