Am Wunderland vorbei

Weil man auch in den Ferien in einer südlich gelegenen Ferienwohnung einen Haufen Abfall produziert, und dieser bei Temperaturen über 30 Grad doch bald zu miefen anfängt, griff ich nach dem vollen Kehrichtsack, band ihn zu und trug ihn die drei Stockwerke

Christine König
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Bild: Christine König

Bild: Christine König

Weil man auch in den Ferien in einer südlich gelegenen Ferienwohnung einen Haufen Abfall produziert, und dieser bei Temperaturen über 30 Grad doch bald zu miefen anfängt, griff ich nach dem vollen Kehrichtsack, band ihn zu und trug ihn die drei Stockwerke hinunter.

Ich ging die Strasse entlang zu diesem praktischen Kehrichtabwurf, in den man seinen Müll jederzeit hineinschmeissen kann, und wo er dezent unterirdisch verschwindet.

Auf dem Weg zum Kehrichtloch passierte ich eine Garage, die bislang immer geschlossen war. Ich vermutete darin einen Kombi und einen Kleinwagen, vielleicht auch eine Anhäufung von Altglas und Altpapier oder eine Werkstatt eines Heimwerkers mit diversen Postern von «blutten» Frauen an den Wänden.

Ich staunte deshalb, als ich in die Garage blicken konnte. Es tat sich ein kleines Wunderland auf, sogar für mich, die sich für alles, was mit Pferdestärken, Heckspoilern oder Felgen zu tun hat, etwa so sehr begeistert wie ein Kleinkind für Gemüse. Tatsächlich war es die schönste Garage, die ich je gesehen hatte.

Zwei wirklich schicke Wagen standen darin, die Marke erkannte ich nicht, aber dass es sich um edle Oldtimer handelte, merkte selbst ich.

An den Wänden hingen nostalgische Blechschilder und Fotos von den Fahrzeugen, und in den aufgeräumten Regalen standen Utensilien, die man für die Pflege solcher Autos zu brauchen scheint. Ein älterer Herr mit dichtem grauen Bart polierte das eine Auto. Ein bisschen erinnerte er mich an den Weihnachtsmann, der seinen Schlitten putzt, bevor er sich aufmacht, um die Kinder zu beschenken.

Ganz verzückt warf ich den Kehrichtsack in das Kehrichloch schräg gegenüber der Garage, erwischte eine Nase des miefigen Geruchs, der von unten nach oben strömte, und machte mich auf den Weg zurück in die Ferienwohnung. Als ich wieder an der Garage vorbeikam, schien es mir, als ob mir der Weihnachtsmann zuzwinkerte.