FC Herisau ist am Tiefpunkt angelangt

Die 2:8-Klatsche bei Sirnach hat Herisaus Abstieg in die 3. Liga besiegelt. Die Mannschaft blieb zum 14. Mal in dieser Saison ohne Punktgewinn und damit am Tabellenende der 2.-Liga-Gruppe 2.

Mea Mc Ghee
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Mea McGhee

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 Die Differenz zum Strich kann in den verbleibenden zwei Partien nicht mehr wettgemacht werden. In den bisher zwanzig Meisterschaftsspielen hat Herisau nur 27 Tore erzielt und deren 60 erhalten. Zweimal blieb die Mannschaft ohne Torerfolg, 13-mal gelang nur ein Treffer.

Das Cup-Out gegen den unterklassigen FC Ems (3. Liga) noch vor Meisterschaftsbeginn liess erahnen, dass es eine schwierige Saison werden könnte. Doch zunächst hatte diese Niederlage den Effekt eines Weckrufes. In den ersten vier Meisterschaftsrunden gewann Herisau dreimal – bei diesen drei Siegen blieb es allerdings bis heute. Weitere Punkte gab es durch ein Remis in der Hinrunde sowie zwei Unentschieden in der Rückrunde.

Nicht weniger als 33 Feldspieler und drei Torhüter sind diese Saison zum Einsatz gekommen. Ein klares Zeichen, dass es weder Marcel Engetschwiler – er trat im April überraschend als Trainer zurück – noch seinem Nachfolger Domenico Troccoli gelungen ist, der Mannschaft ein klares Gesicht zu geben. Schaffte es Herisau in jüngerer Vergangenheit, jeweils in der Rückrunde den drohenden Abstieg abzuwenden, ist dies nun nicht gelungen. Mit dazu beigetragen haben die vielen personellen Veränderungen, welche der Kader in der Winterpause zu verzeichnen hatte. Ein Verlust war ohne Zweifel der Weggang des Topskorers Orcun Cengiz. Achtmal hatte der Stürmer bis zur Winterpause getroffen. Der aktuell beste Herisauer Torschütze Joel Ehrbar bringt es gerade mal auf drei Treffer.

Seit 1965 hat Herisau stets mindestens in der 2. Liga gespielt. Eine Zeit lang war der Verein gar hinter dem FC St. Gallen und dem FC Wil die klare Nummer drei der Ostschweiz. Im Cup verdiente man sich zweimal Spiele gegen den NLA-Verein FC Zürich. Unvergessen die Rekordkulisse von 3500 Zuschauern auf dem Ebnet beim ehrenvollen 2:4 im Jahr 2002. Zweimal in der 113-jährigen Vereinsgeschichte schnupperte der älteste Verein aus dem Appenzellerland ausserdem am Aufstieg in die zweithöchste Liga des Landes: 1988 unterlag man im Stichkampf um die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur NLB im St. Galler Krontal dem FC Rorschach mit 0:2. Und in der Saison 2005/06 scheiterte Herisau in den Aufstiegsspielen zur Challenge League an Servette Genf.

Und nun der Abschied aus der 2. Liga: Neun Jahre war Herisau fixer Bestandteil dieser Spielklasse. Mal gehörte man zu Spitzenreitern, zuletzt jedoch häufiger zu den Sorgenkindern. Diesmal hat es Herisau nicht geschafft, in der Rückrunde den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Die logische Konsequenz: der Abstieg in die Niederungen der 3. Liga. Die Aussicht auf zahlreiche Derbys kann für den grössten Fussballverein des Appenzellerlandes kein Trost sein. Dem Appenzeller Männerfussball wird ein Aushängeschild fehlen, wenn Herisaus nächste Saison auf einer Stufe mit Appenzell, Heiden, Speicher und Teufen spielt. Anspruch der Führungscrew muss es sein, mit möglichst vielen Eigengewächsen, den Wiederaufstieg zu schaffen. Schliesslich verfügt der Verein über die grösste Juniorenabteilung im Gebiet des Appenzeller Kantonalfussballverbandes. Der mitgliederstärkste Verein aus dem grössten Dorf des Kantons muss den Anspruch haben, mindestens in der 2. Liga regional vertreten zu sein.