Am NOS wird «oben ohne» geschwungen

Das Organisationskomitee für das Nordostschweizer Schwingfest 2016 in Wattwil hat kürzlich die Infrastruktur auf dem Grüenau-Areal einem Augenschein unterzogen. Dabei kamen auch Erinnerungen an die NOS-Premiere in Wattwil auf, die im Jahr 1993 stattgefunden hatte.

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Das OK unter Leitung von Präsident Jörg Abderhalden (vorne sitzend, Mitte) hat die Vorbereitungsarbeiten für das NOS 2016 in Wattwil schon vor Monaten aufgenommen. (Bild: Urs Huwyler)

Das OK unter Leitung von Präsident Jörg Abderhalden (vorne sitzend, Mitte) hat die Vorbereitungsarbeiten für das NOS 2016 in Wattwil schon vor Monaten aufgenommen. (Bild: Urs Huwyler)

SCHWINGEN. An der 4. OK-Sitzung haben Präsident Jörg Abderhalden und die Ressort-Verantwortlichen einige wegweisende Entscheidungen gefällt. So dürfen einen Tag vor dem Treffen der Bösen die Jungschwinger am 25. Juni 2016 auf dem Wattwiler NOS-Festplatz in die Zwilchhosen steigen. «Der Nachwuchs soll ebenfalls von der ganzen Infrastruktur profitieren können und einen Eindruck erhalten, was es bedeutet, in einer solchen Arena zu schwingen», erklärt OK-Präsident Jörg Abderhalden. Er erlebte wie Vizepräsident Köbi Roth (Ressort Gaben) und der Talentförderer Ueli Roth (Ressort Schwingplatz) die NOS-Premiere 1993 in Wattwil eine Stufe tiefer. Als «Täfelibueb».

Gewonnen wurde das Fest damals nach einem gestellten Schlussgang gegen Thomas Sutter von Urs Bürgler. In jenen Zeiten wurden die kleineren Schwingplätze noch vom legendären Villiger Stumpen-Bus beschallt, Verschiebungsdaten machten Sinn, die Zuschauer sassen beim Anschwingen auf ihren Plätzen und der VIP-Bereich nahm ähnlich wenig Platz ein wie der Magenbrot-Stand. Die Sponsoren durften sich im Programm durch ein Inserat und mit der einen oder andern Bande ausserhalb des Stadions präsentieren. Daran hat sich nichts geändert. Auch 2016 darf von den Zuschauerrängen aus keine Werbung sichtbar sein. Die Ehrengäste sassen wie der Rest des Publikums in der Sonne oder im Regen. Heute können sich die Sponsoren und andere wichtige Personen teilweise bereits bei Kantonalen auf ein Dach über dem Kopf freuen. Auch am NOS gab es während der letzten Jahre eine Komfortzone. Ab 2017 ist die gedeckte Tribüne am NOS sogar Pflicht, 2016 in Wattwil allerdings noch nicht. Das OK hat deshalb entschieden, wie auf der Schwägalp auf gedeckte Sitzplätze zu verzichten. Am 26. Juni werden demnach auf dem Grüenau-Areal alle gleich nass oder trocken sein.

Der Entscheid, das Rad zwei Monate vor dem Eidgenössischen leicht zurückzudrehen, wird in der Nationalsport-Szene vereinzelt für Diskussionen sorgen. Den Hauptgrund für das Nein bilden die Kosten. Ein Vergleich: Es müssten rund 4000 Bratwürste zusätzlich verkauft oder für die gedeckte Tribüne mit erhöhten Ticketpreisen kalkuliert werden, um keine roten Dach-Zahlen zu schreiben. «Zudem wird es an jenem Sonntag nicht regnen», prophezeite der vorsitzende Schwingerkönig mit einem Augenzwinkern.

Wer ein Schwingfest besuche oder sich im urchigen Sport als Sponsor engagiere, wisse, dass die Zweikämpfe im Freien ausgetragen und die Pelerine zum Grundstock gehöre, fand die Mehrheit im OK, das sich vorwiegend aus Vertretern des Schwingklub Wattwil und des örtlichen Turnvereins zusammensetzt. Dass der anwesende NOS-Präsident Paul Ackermann (Mels) die Situation durchaus begründet anders beurteilte und sich für ein Dach stark machte, war schon von Amtes wegen verständlich und nachvollziehbar. In einem Punkt waren sich alle einig: Es darf im Schwingen keine Zweiklassengesellschaft geben. (uhu)