Am «Tosam»-Jubiläumsfest nimmt Martin Grob Abschied

Am Samstag feierte die Stiftung Tosam ihr 30-jähriges Bestehen. Gründer Martin Grob blickte auf die Vergangenheit zurück. Nun hat er sein Lebenswerk in neue Hände übergeben.

Drucken
Teilen
Lebte für seine Stiftung: Martin Grob freut sich sichtlich über das Abschiedsgeschenk, einen gepackten Rucksack. (Bild: PAG)

Lebte für seine Stiftung: Martin Grob freut sich sichtlich über das Abschiedsgeschenk, einen gepackten Rucksack. (Bild: PAG)

«Es war schon kühn, ohne Vorwissen in der Landwirtschaft den Hof Baldenwil zu übernehmen. Vielleicht war es gar ein wenig blauäugig», sagte Martin Grob. Am Jubiläumsfest zum 30-jährigen Bestehen der Stiftung Tosam blickte der Gründer und langjährige Leiter auf die Vergangenheit zurück. Grob erzählte von schönen und weniger schönen Erinnerungen, beispielsweise von den Startschwierigkeiten beim Bewirtschaften des Hofs. «Es war eine gute Zeit, anders als jetzt. Wir konnten hier wirklich noch ‹buurä›, so Grob.

«Ich hatte einfach Glück gehabt und war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.»

Die angereisten rund 100 Bekannten, Familienangehörigen, Mitarbeiter, Bewohner, Freunde und Sympathisanten lauschten gespannt der Geschichte der Stiftung – und den Ausführungen von Satiriker Renato Kaiser, der dem Jubiläumsfest beiwohnte. Angefangen 1984 mit der Aufnahme von vier Personen in seiner Familie, wurde der Betrieb fünf Jahre später in eine Stiftung überführt. Dieser sind inzwischen zwölf Betriebe wie etwa Brockenhäuser, Buchläden oder Gartengruppen entwachsen. So bot «Tosam» immer mehr Menschen eine Beschäftigung im alternativen Arbeitsmarkt. Mittlerweile sind mehr als 300 Personen Nutzniesser – also Mitarbeiter, Lernende oder Bewohner.

Der Slogan von Martin Grob war stets: Arbeit für all jene, die arbeiten möchten. Ganz nach Albert Schweitzers Aussage auf der Stiftungs-Homepage: Der ärmste Mensch ist der, der keine Beschäftigung hat. «Wir sind eine der wenigen Betriebe, die allen, nicht nur IV-Bezügern oder Sozialhilfeempfängern, Arbeit bieten möchten.»

Zentrale Werte sollen beibehalten werden

Nun nach 30 Jahren verlässt Martin Grob die Stiftung. Das Jubiläumsfest wurde gleichzeitig zu einem Abschiedsfest. Von seiner langjährigen Mitarbeiterin Elisabeth Saxer bekam er als Geschenk einen gepackten Rucksack überreicht – nicht von ungefähr. Martin Grob wird seine Zeit künftig für ausgiebige Wanderungen nutzen. Es sei der richtige Zeitpunkt zu gehen, so der 65-Jährige. Er passe nun nicht mehr wirklich in die Stiftung, habe sich den Ruhestand verdient.

«Ich freue mich darauf, nicht mehr so viel Verantwortung, dafür mehr Freizeit zu haben.»

Er sei als Kind ein Träumer gewesen, der dachte, er könne die Welt verändern.

«Ich wollte kein angepasster Bünzli sein. Das habe ich nie ganz verloren.»

Saxer nannte Grob einen «Häuptling, der stets gut zu seinen Indianern geschaut hat». Der Präsident der Stiftung, Markus Joos, liess es sich nicht nehmen, dem Gründer für sein «ausserordentliches Engagement» zu danken: Martin, als glaubwürdiger Botschafter der Stiftung, hat diese massgeblich geprägt.» Grob habe viel dafür getan, dass stets grosser Goodwill aus der Bevölkerung spürbar gewesen sei. Joos:

«Eine Ära geht zu Ende, aber die ‹Tosam› wird weiterleben. Sie wird sich weiterentwickeln und verändern. Die zentralen Werte von Martin Grob bleiben aber bestehen.»

«Auch in Zukunft ist für uns zentral, dass wir allen Menschen einen Arbeitsplatz bieten können.» Der neue Leiter der Stiftung, Marcel De Tomasi, verglich Grob mit Franz von Assisi, der sich für die Armen einsetzte. «Martin ist ein inspirierender Mensch. Ich werde es anders machen als er, aber eines werde ich gleich machen: Auch ich werde mein Bestes geben.»