Am Anfang stand die Hausanalyse

HERISAU. Noch fräsen und schleifen die Handwerker im Eingangsbereich des rund 250jährigen Hauses an der Oberdorfstrasse in Herisau. Zimmertüren warten zudem auf die Montage. Bald ziehen aber die Eigentümer ein. Dann wird vollendet, was mit einer Hausanalyse des Kantons begann.

Bruno Eisenhut
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Ein Blick aus dem Vorzeigeobjekt: Die Familie Alder, der kantonale Denkmalpfleger Fredi Altherr, Dölf Biasotto vom Regierungsprogramm sowie Vreni Härdi, Mitarbeiterin der Denkmalpflege. (von rechts) (Bild: bei)

Ein Blick aus dem Vorzeigeobjekt: Die Familie Alder, der kantonale Denkmalpfleger Fredi Altherr, Dölf Biasotto vom Regierungsprogramm sowie Vreni Härdi, Mitarbeiterin der Denkmalpflege. (von rechts) (Bild: bei)

Das Haus von Monica und Erich Alder an der Oberdorfstrasse in Herisau wurde Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut. Seither hielten es diverse Sanierungen mehr oder weniger in Schuss. Es besitzt den Status eines kommunalen Kulturobjekts. Will heissen: Das gelbe Haus steht unter Denkmalschutz. Seit rund einem Jahr gehen im Haus mit der ortstypischen Fassade abermals die Handwerker ein und aus. Sie setzen um, was mit einer kantonalen Hausanalyse seinen Anfang nahm.

Studie zeigt Situation

Mit einer Hausanalyse nahmen die Hauseigentümer beratende Unterstützung seitens der Architektur und der Denkmalpflege an. Bauherr Erich Alder sagt: «Die Ergebnisse der Studie deckten sich grossmehrheitlich mit unseren eigenen Ideen. So belegte die Analyse beispielsweise, dass der Zustand der Gebäudesubstanz mehr für eine Sanierung denn für einen Abriss sprach.

Denkmalpfleger Fredi Altherr betont anlässlich einer Hausbesichtigung zudem, dass in einer Hausanalyse auch die Umgebung bis hin zur Parkplatzsituation untersucht werde. Beispielsweise erhielt der Bauherr trotz Schutzstatus auf Empfehlung der Analyse grünes Licht für den ersatzlosen Abbruch eines maroden Anbaus. «Dieser Hausteil war nicht erhaltenswert, auf die Optik hatte er keinen Einfluss», so der Denkmalpfleger. Viel eher brachte der Rückbau verschiedene Nutzen: zusätzliches Licht in den Wohnräumen und Platz für eine grössere Gartenterrasse.

Entscheidung beim Bauherrn

Letztlich sei eine Analyse als Nutzungskonzept und nicht als fertige Bauplanung zu verstehen, erklärt Architekt Paul Knill. «Was die Bauherrschaft daraus macht, liegt in deren Händen.» Und genau diese Entscheidungsfreiheit nutzten Monica und Erich Alder für ihr Vorhaben: Moderne Materialien und Arbeitstechniken sollen eingesetzt werden, und Bestehendes soll darin seinen Platz finden. «Die Geschichte und das Flair des Hauses sollen weiterleben», so Erich Alder über seine Zielsetzung.

Moderne und Bestehendes

Ein Rundgang durch das beinahe fertig sanierte Haus zeigt: Nur mit einer Pinselsanierung konnte die Renovation nicht realisiert werden. Das Haus war zeitweilen beinahe ausgehöhlt, die bestehende Elemente sind vielerorts effektvoll integriert. Die aufgefrischte Treppe mit einem Holzgeländer aus den 1930er-Jahren stellt einen besonderen Blickfang dar. Ähnlich tun dies auch die alten, restaurierten Strickwände, die Einbauschränke im Wohnbereich und in den Schlafzimmern oder der frisch geschliffene Boden aus Fichtenholz.

Auch der Wärmedämmung und der Isolierung wurde grosse Beachtung geschenkt. So sorgen fortan moderne Fenster für einen optimalen Dämmwert. Das Objekt an der Oberdorfstrasse ist ein Reihenhaus. «Demnach galt es vor allem, die Vorder- und Rückfront für die Dämmtechnik zu beachten», erklärt Architekt Paul Knill. Ein besonderes Augenmerk galt während der Planung auch dem Heizsystem. Sorgten vor dem Umbau noch Gasstrahler, Elektroöfen und ein zentraler Holzofen für unregelmässige Wärme und einen enormen Energieverlust, nimmt jetzt ein leistungsfähiger Holzofen in der Wohnstube einen prominenten Platz ein. «Basierend auf erneuerbarer Energie sorgt diese Stückholzheizung fortan für heimelige Atmosphäre», sagt Bauherr Erich Alder. Die überschüssige Wärme wird zur Erwärmung des Wassers genutzt und in einem Speicher gesammelt. Via Heizschlangen in den Wandelementen wird die Wärme in die Räume übertragen. Damit die Fassade mit den typischen Holzläden beibehalten werden kann, wurde die Isolation auf der Innenseite angebracht.

Analyse schwächt Ängste ab

Obwohl sich der Bauherr mit vertiefter Fachliteratur auf den geplanten Umbau vorbereitete, hat ihm die Hausanalyse des Kantons zusätzliche Möglichkeiten aufgezeigt. «Zudem hat sie mir Ängste vor dem Eingriff an einem denkmalgeschützten Gebäude genommen», so Erich Alder. Bereits während der Analyse wurden verschiedene Vorhaben bei den zuständigen Behörden auf ihre Machbarkeit überprüft. Eine letzte, nicht zu unterschätzende Hürde stellte die Auswahl der Handwerker dar. Die Verbindung von Moderne und Bestehendem verlangte von den Fachleuten eine ausserordentlich hohe Fachkompetenz, so der baldige Bewohner des umgebauten Haus. Dies habe aber nichts mehr mit der Hausanalyse zu tun, sondern viel mehr mit der individuellen Planung.