Altes muss dem Neuen weichen

Speerspitz

Martin Knoepfel
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Die Welt verändert sich schnell und immer schneller. Sogar Objekte, die so lange bestehen, dass sie quasi zum Inventar eines Ortes gehören respektive zum Wahrzeichen geworden sind, müssen dem Neuen weichen.

Das ist der Lauf der Zeit und deshalb schreibe ich dir heute diesen Brief, lieber Blitzer. Seit gefühlten Jahrzehnten begrüsst du die Autofahrer in Ulisbach, wenn sie sich vom Obertoggenburg her der Zentrumsgemeinde Wattwil nähern oder wenn sie Wattwil verlassen und irrtümlich frohlocken, sie hätten damit ebenfalls den Geltungsbereich der Geschwindigkeitsbegrenzungen hinter sich gelassen. Wo sich Fuchs und Hase sowie heute vielleicht Luchs und Wolf gute Nacht sagen, kann man ja getrost auf die Tube drücken, denkt mancher.

Doch dann trittst du in Aktion und erinnerst sie daran, dass sie sich im Irrtum befinden und dass von ihrem Bank- oder Postkonto demnächst ein saftiger Betrag zu Gunsten der immerzu Not leidenden Staatskasse abgebucht werden wird. Und wie oft hast du nicht diejenigen, die so sanft am Einnicken waren, noch rechtzeitig aufgeweckt und vor dem Geradeausfahren in der nächsten Kurve bewahrt?

Und manchmal hast du sogar Autos geblitzt, welche überhaupt nicht zu rasch gefahren sind. Das nenne ich eine vorbildliche Einstellung zur Arbeit. Ganz abgesehen davon ist das für das Bankkonto viel bekömmlicher als der Einzahlungsschein der Kantonspolizei. Und wenn so ein helles Licht im Rückspiegel erscheint, sorgt das erst noch für den Gesprächsstoff für den Rest der Fahrt. Wir haben in diesem Fall eine Win-win-Situation wie aus dem Management-Lehrbuch.

Und nun wirst du also trotz treuer Dienste und grosser Verdienste – Letzteres ist wörtlich zu verstehen – abgebaut, und das erst noch, obwohl die Stellen beim Staat eigentlich sicher sein sollten. Doch weit gefehlt respektive Undank ist des Kantons Lohn. Nur wenige deiner feststehenden Kollegen bleiben erhalten, quasi eine unheilige – aber für den Kanton durchaus profitable – Dreieinigkeit.

Die beweglicheren Blitzer überleben hingegen. Das dient allen als Warnung dafür, dass in der Wirtschaft die Rascheren die Langsameren verdrängen. Und das wiederum ist ja im Standortkanton der Managerschmiede HSG nichts als logisch. In diesem Sinn rufe ich dir zu: «Geh mit Gott, aber geh». Ich werde dich vermissen, wenigstens ab und zu.

Martin Knoepfel

martin.knoepfel@toggenburgmedien.ch

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