Alterswohnungen bewähren sich

NESSLAU. Im November 2008 wurden die Alterswohnungen in der Untersteig bezogen. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass sich das Konzept des begleiteten Wohnens bewährt hat: Die Bewohner behalten ihre Selbständigkeit.

Christiana Sutter
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Alle zwei Wochen wird im Bastelraum des Alterswohnheims Untersteig musiziert. Erika Rutz (Mitte, stehend) ist die Ansprechperson «für alle Fälle». (Bild: Christiana Sutter)

Alle zwei Wochen wird im Bastelraum des Alterswohnheims Untersteig musiziert. Erika Rutz (Mitte, stehend) ist die Ansprechperson «für alle Fälle». (Bild: Christiana Sutter)

Derzeit werden talauf und talab Alterswohnungen gebaut. Die Alterswohnungen Untersteig in Nesslau nehmen dabei eine Pionierrolle im Toggenburg ein und haben Vorzeigecharakter. «Es gab noch nie Streit unter den Bewohnern», sagt Erika Rutz, die Frau «für alle Fälle» in der Untersteig in Nesslau. Seit im November 2008 die Alterswohnungen bezogen wurden, wird das einstige Nesslauer Bürgerheim von Erika und Hans-Ueli Rutz verwaltet.

Konzept bewährt sich

Das Bürgerheim sollte ursprünglich abgerissen werden. Gegen dieses Vorhaben bildete sich ein Komitee, welches die Umnutzung des Gebäudes anstrebte. Der damalige Gemeindepräsident, Rolf Huber, unterstützte dieses Vorhaben der Initianten, da das Konzept des «Begleiteten Wohnens» der demographischen Entwicklung zur Überalterung der Bevölkerung Rechnung trägt. Es entstanden zwölf Wohnungen im Mietverhältnis, die dem lokalen Standard entsprechen.

Schon bei der Gründung der Genossenschaft im Oktober 2007 konnten die Initianten auf den Rückhalt der Nesslauer Bevölkerung zählen. «Das ist auch heute noch so», sagt Leo Utelli, Mitinitiant und Präsident der Genossenschaft Alterswohnung Untersteig. Auch das Konzept des «Begleiteten Wohnens» hat bis heute Bestand und musste in keiner Art und Weise angepasst werden. Die weitgehende Autonomie der Bewohner, aber auch die Sicherheit, dass bei wenn nötig Hilfe in der Nähe ist, fand schon damals Anklang. Auch die Unterstützung der örtlichen Spitex ist gewährleistet, wenn Bedarf besteht. Die Nachfrage für eine Alterswohnung in der «Untersteig» ist heute wie damals sehr gross, «es besteht sogar eine Warteliste», sagt Erika Rutz.

Begleitetes Wohnen heisst auch, dass die Mieterinnen und Mieter aus verschiedenen Angeboten auswählen können. Beispielsweise können sich die Bewohner einmal im Monat für einen gemeinsamen Mittagstisch einschreiben, «dann koche ich für alle», sagt Erika Rutz. Oder man trifft sich im Bastelraum der ehemaligen Tiefgefrieranlage Nesslaus. «Dort wird beispielsweise alle zwei Wochen an einem Vormittag musiziert.» Die Auswärtigen Hans Seiler, mit seinem Schwyzerörgeli, und Berti Scherrer auf dem Klavier, spielen für die Bewohner. Zu ihnen gesellt sich jeweils Oswald Hässig, der die beiden mit seinem Schwyzerörgeli begleitet. Er ist in der Untersteig zu Hause.

Einbezug in den Alltag

Man merkt bei einem Besuch in der Untersteig, dass das Verhältnis der Bewohner untereinander sehr gut ist. «Das ist sicher auch ein Verdienst von Erika und Hans-Ueli Rutz», sagt Leo Utelli. Sie sind es, die die Bewohner in den Alltag mit einbeziehen, «wenn jemand das Bedürfnis hat», sagt Erika Rutz. Die Mieter in der Untersteig besuchen sich oft unter Tags, «oder unternehmen etwas miteinander». Eine Bewohnerin habe beispielsweise schon vor dem Einzug in eine Alterswohnung den Wunsch geäussert, künftig bei der Gartenarbeit mitzuhelfen. Denn schon früher war dies eine Lieblingsbeschäftigung dieser Frau. Es komme auch vor, dass ihr bei der Zubereitung des gemeinsamen Mittagessens geholfen wird. «Es ist eine Abwechslung für die Bewohner, aber kein Müssen», sagt Erika Rutz. Oder ein Mieter habe beim Einzug seine Werkbank und sein Werkzeug zum Drechseln mitgebracht. «Diese Dinge sind jetzt im nahegelegenen Schopf, den die Genossenschaft von der Gemeinde gekauft hat, untergebracht», sagt die Verwalterin. Da das Gebäude der Alterswohnungen Untersteig keine Möglichkeit für einen weiteren Ausbau bietet, dient der Schopf auch als Einstellraum für Geräte und als zusätzlicher Veloraum, «denn die Mieter haben inzwischen mehr Velos als Autos», sagt Erika Rutz.