Herisau: Alterswohnheim Dreilinden erfolgreich in Stiftung integriert

Nach 31 Jahren gab der ehemalige Besitzer Max Rüber sein Alterswohnheim am Herisauer Höhenweg in neue Hände. Anfang Monat wurde das Dreilinden in die Stiftung Altersbetreuung Herisau integriert. Der Übergang verlief gemäss den Verantwortlichen problemlos. Handlungsbedarf gibt es dennoch.

Alessia Pagani
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Das Alterswohnheim Dreilinden unterscheidet sich mit seinem Garten und der einfachen Ausstattung von den anderen Häusern der Stiftung Altersbetreuung Herisau.

Das Alterswohnheim Dreilinden unterscheidet sich mit seinem Garten und der einfachen Ausstattung von den anderen Häusern der Stiftung Altersbetreuung Herisau.

Alessia Pagani

«Die Bewohnerinnen und Bewohner haben die Änderungen kaum gemerkt. Der Betrieb läuft weiter wie zuvor», sagt Andreas Spitz im Garten des Alterswohnheims Dreilinden in Herisau sitzend. Der Geschäftsführer der Stiftung Altersbetreuung Herisau geniesst es, regelmässig das Altersheim am Höhenweg, oberhalb des Dorfzentrums, zu besuchen. Spitz kennt alle Bewohnenden persönlich, denn: Das Alterswohnheim ist seit kurzem Teil der Stiftung. Im Oktober 2019 hatte der Stiftungsrat die Übernahme kommuniziert.

Andreas Spitz, Geschäftsführer der Stiftung Altersbetreuung Herisau.

Andreas Spitz, Geschäftsführer der Stiftung Altersbetreuung Herisau.

APZ

Anfang diesen Monats wurde das Dreilinden juristisch in die Stiftung Altersbetreuung Herisau integriert. Diese führt in Herisau bereits die Altersheime Ebnet und Heinrichsbad mit dem Haus Park und dem Haus Waldegg. Mit der Übernahme des Dreilinden stiegen die Plätze der Stiftung um 23 auf deren 225.

Unter den Kaufinteressenten waren auch mehrere Privatpersonen, welche die Liegenschaft fürs Wohnen hätten nutzen wollen. Wie die Stiftung damals verlauten liess, sollte mit der Übernahme auch eine andere Nutzung verhindert werden. Zudem können, wie Max Nadig, Präsident der Stiftung, ausführt, Synergien genutzt werden, beispielsweise im Bereich des Einkaufs und der Wäscherei.

Lebenswerk soll weitergeführt werden

Das Alterswohnheim Dreilinden wurde während der vergangenen 32 Jahre vom Herisauer Max Rüber geleitet. Es war noch eines der wenigen privat geführten Heime im Kanton. Noch geht der 71-Jährige regelmässig den Kakadu in der Voliere füttern, ansonsten hat er sich vollständig aus dem Geschäft zurückgezogen. Andreas Spitz sagt über seinen Vorgänger:

«Das Dreilinden war Max Rübers Lebenswerk, wir wollen es in seinem Sinne weiterführen. Es soll weiterhin so bleiben, wie es war.»

Zum grössten Teil hat sich dies bis anhin bewahrheitet. Die Mitarbeitenden sind fast ausschliesslich noch dieselben wie zu Rübers Zeiten. Einzig altersbedingte Pensionierungen haben das Team verändert. Selbiges gilt für die Bewohnenden. Umzüge wegen der Neuorganisation gab es laut Spitz keine. Dass die Übernahme im «Dreilinden» auf so viel Akzeptanz gestossen sei, habe nicht zuletzt damit zu tun, dass Rüber Belegschaft und Bewohnende gut darauf vorbereitet habe.

Enge Platzverhältnisse und fehlende Infrastruktur

Das «Dreilinden» unterscheidet sich klar von den übrigen Häusern der Stiftung Altersbetreuung Herisau. Während das «Ebnet »einen höheren Komfortstandard aufweist und das «Heinrichsbad »über ein breites Dienstleistungsangebot verfügt, ist das Dreilinden mit seinen 23 Plätzen klein und heimelig.

Für die Bewohnerinnen und Bewohner ist dies ein Pluspunkt, für die Mitarbeitenden dagegen eher ein Nachteil: Die Platzverhältnisse sind eng, ein Bettenlift beispielsweise fehlt gänzlich. Die ländlichen Heimwohnungen sieht Stiftungspräsident Max Nadig als gute Ergänzung zum aktuellen Angebot. Weil die Infrastruktur weniger ausgebaut ist, sind auch die Preise deutlich tiefer als in den anderen Heimen der Stiftung. Nadig sagt:

Max Nadig, Präsident der Stiftung Altersbetreuung Herisau

Max Nadig, Präsident der Stiftung Altersbetreuung Herisau

Ralph Ribi
«Es ist ein einfaches Angebot, aber gerade im ländlichen Appenzellerland werden solche noch geschätzt. Das Dreilinden mit seinem Garten und der schönen Umgebung ist und bleibt einzigartig.»

Die Herausforderung sei es nun, diesen einzigartigen Charakter langfristig zu wahren und mit Synergien langfristig den Fortbestand des Heimes zu sichern.

Bauliche Veränderungen absehbar

Heimelig gegen praktisch und Gewohnheit gegen Zukunftsorientierung – die Zukunft des Altersheims Dreilinden ist mittelfristig aufgrund der gesetzlichen Vorgaben nicht gesichert. Heute können im Heim am Herisauer Höhenweg nur Bewohner bis zur Pflegestufe 7 aufgenommen werden. Ab 2025 schreibt der Kanton den Betreibern vor, die Pflege bis zur Stufe 12 zu gewährleisten. Im Altersheim Dreilinden ohne bauliche Massnahmen unmöglich. «Die Infrastruktur und der heutige Grundriss lassen eine Pflegestufe 12 nicht zu», sagt Max Nadig, Präsident der Stiftung Altersbetreuung. Im Dreilinden sind die Platzverhältnisse eng, ein Bettenlift fehlt, der Einbau eines solchen ist wegen der Enge unmöglich. «Wir brauchen eine langfristige neue Lösung», so Nadig. «Darüber haben wir uns aber noch keine konkreten Gedanken gemacht.» 

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