ALTERSVORSORGE: Der Kampf für sichere Renten

Sinkende Leistungen, zu hohe Verwaltungskosten und fehlende Transparenz: Für Hans Kast haben die Pensionskassen grosse Nachteile. Daher will er das Drei-Säulen-Prinzip umbauen.

Jesko Calderara
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Wegen der tiefen Zinsen könnten die BVG-Renten in Zukunft sinken. (Bild: APZ)

Wegen der tiefen Zinsen könnten die BVG-Renten in Zukunft sinken. (Bild: APZ)

Jesko Calderara

jesko.calderara

@appenzellerzeitung.ch

Seit Jahren gehört Hans Kast aus Speicher zu den Kritikern der Pensionskassen. Keine nachhaltigen Verbesserungen bringt seiner Ansicht nach die Vorlage «Altersvorsorge 2020», über die das Stimmvolk am 24. September entscheiden wird. «Das System ist parteipolitisch verseucht, daher sind echte Reformen nicht möglich», sagt der 69-Jährige, der in der Informatikbranche tätig ist. Die Senkung des Umwandlungssatzes und die Erhöhung des versicherten Lohns hält er für keine tauglichen Lösungen. Die berufliche Vorsorge (BVG) nennt Kast eine «absolute Fehlkonstruktion». Grosse Probleme schaffe nebst anderem das rekordtiefe Zinsniveau. Dadurch falle der Zinseszinseffekt praktisch weg, sagt Kast. «Die Rentenleistungen werden in Zukunft geringer ausfallen.» Er befürchtet gar, dass Altersarmut und Zahl der Ergänzungsleistungsbezüger massiv steigen werden.

Im Zusammenhang mit den Negativzinsen erwähnt Kast einen weiteren Nachteil der 2. Säule. Es gebe keine sicheren Anlagen mehr. Deshalb sei es schwierig, mit den rund 1000 Milliarden Franken Pensionskassengelder eine angemessen Rendite zu erwirtschaften, sagt er. «Am System muss etwas faul sein, wenn ein Arbeitnehmer 40 Jahre lang monatlich bis zu 25 Prozent des Einkommens in seine Rente investiert, von der er am Schluss aber nicht sorglos leben kann.» Kast kritisiert auch die fehlende Transparenz der Pensionskassen. Diese seien eine «Blackbox» mit zu hohen Verwaltungskosten. Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter seien Beteiligte, die daran verdienten und ihre Pfründen vehement verteidigten, bemängelt er. Die Überschüsse würden oft nicht den Versicherten zugutekommen. Als weitere Problematik erwähnt der frühere Kantonsangestellte die altersabhängigen BVG-Beiträge. Dadurch steigen die Gesamtlohnkosten für ältere Arbeitnehmer. «Sie werden auf dem Arbeitsmarkt klar benachteiligt.» Die Altersarbeitslosigkeit werde so gefördert. Grosse Vorteile hat für Kast die AHV. Das Umlageverfahren sei das einfachste und beste aller Systeme. Die arbeitende Bevölkerung zahle für die Pensionierten. Nur eines stört Kast an der AHV, so wie sie heute ausgestaltet ist. Er spricht sich gegen den bestehenden Finanzierungsmix aus Mehrwertsteuer und anderen Einnahmequellen aus. Vielmehr sollte die 1. Säule nur aus Lohnbeiträgen und im Hinblick auf die Digitalisierung aus einer Besteuerung der Wertschöpfung finanziert werden.

AHV-Renten sollen erhöht werden

Als Alternative zum Drei-Säulen-Prinzip schlägt Kast den Ausbau der AHV vor. Dadurch wäre diese existenzsichernd, so wie die Verfassung es vorsieht. Dazu müssten die AHV-Renten ungefähr 4000 bis 4500 Franken betragen. Um diesen Ausbau zu finanzieren, sollen laut Kast die seit 40 Jahren konstanten Beiträge erhöht werden. Für die Arbeitgeber- und Arbeiternehmer würde dies nicht zwangsläufig zu einer Mehrbelastung führen. Durch den Abbau des Pensionskassen-Systems würden finanzielle Mittel frei, die in die AHV investiert werden könnten. Als Sofortmassnahme sei die Entflechtung der Altersvorsorge von den Arbeitgebern unerlässlich, sagt Kast. «So käme rasch Bewegung zugunsten der Arbeitnehmer ins System.» Wer mehr vorsorgen wolle, könne dies im Rahmen der 3. Säule tun.