Altersgruppe 80+ wächst rasant

Die Pflegeheimliste 2014 liegt seit kurzem vor. Ausserrhoden ist der einzige Kanton der Schweiz, der zwei Kategorien von Pflegeheimen führt: 20 der aufgeführten 33 Heime können nur den Pflegebedarf bis Besa-Stufe 7 bei total 12 Stufen abdecken. Der Kanton will das ändern.

Monika Egli
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Gegensätze: Das Gemeindealtersheim Obergaden in Wald mit 13 Plätzen, Zulassung Besa-Stufe 7… (Bild: Ueli Abt)

Gegensätze: Das Gemeindealtersheim Obergaden in Wald mit 13 Plätzen, Zulassung Besa-Stufe 7… (Bild: Ueli Abt)

AUSSERRHODEN. Nächstes Jahr wird der Anteil an 80-Jährigen und Älteren im Kanton Appenzell Ausserrhoden rund 3350 Personen umfassen, im Jahr 2030 werden es 5530 sein, was einer Zunahme um 65 Prozent entspricht. Bis 2050 steigt der Anteil der Altersgruppe 80+ noch weiter stark an, anschliessend bricht er ein. Diese Richtwerte berücksichtigen zwar weder aussergewöhnliche Epidemien noch Besonderheiten bei Ein- und Auswanderungswellen, zeigen aber deutlich: Die Anzahl an älteren und sehr alten Menschen nimmt stetig zu, in Appenzell Ausserrhoden besonders rasch. Zusammen mit den Kantonen Tessin und Schaffhausen ist die Alterung in Appenzell Ausserrhoden überdurchschnittlich hoch. Die Zahlen sind einer Studie von François Höpflinger, einem renommierten Forscher zu Alters- und Generationenfragen, entnommen, die er 2011 im Auftrag des Kantons erstellt hat.

Heutiges Angebot ausreichend

Mit dieser Studie als Planungsgrundlage hat das Departement Gesundheit die Pflegeheimliste 2014 erstellt; der Regierungsrat hat sie kürzlich genehmigt. Gegenüber der Liste von 2012 sind 46 neue Plätze hinzugekommen. Andreas Tinner, Leiter des Amts für Soziale Einrichtungen, erklärt zu den Zahlen über die Alterung der Ausserrhoder Gesellschaft, dass es bei einer Zunahme der Altersgruppe 80+ um 65 Prozent bis 2030 nicht auch 65 Prozent mehr Plätze in Pflegeheimen brauche. Denn viele Dienstleistungen, die im Pflegebereich anfallen, können über eine längere Zeit auch anders als über Heimplätze aufgefangen werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Spitex, zunehmend nachgefragt sind auch die verschiedenen Formen betreuten Wohnens. Anhand der Studie kann Andreas Tinner das Fazit ziehen, dass das heutige Angebot an total 1232 Plätzen in Alters- und Pflegeheimen für die kommenden zehn Jahre weitgehend ausreichend ist und nur moderat ansteigen muss, danach aber ein weiterer Ausbau nötig wird.

Nur einen Heim-Eintritt

Andreas Tinner weist auf eine Besonderheit in Appenzell Ausserrhoden hin: Nur hier gibt es zwei Kategorien an Pflegeheimen. So sind 20 der insgesamt 33 auf der Pflegeheimliste aufgeführten Institutionen lediglich bis zur Besa-Stufe 7 (höchste Stufe: 12) zugelassen. Wer demnach in einem dieser 20 Heime lebt und in eine höhere Pflegebedürftigkeit gerät, muss das Heim wechseln, es sei denn, es werde eine Ausnahmebewilligung erteilt. Heutzutage ist man aber bestrebt, Heimbewohnerinnen und -bewohner, wenn sie den Schritt ins Altersheim erst einmal getan haben, keinem weiteren Wechsel mehr auszusetzen. Das Departement Gesundheit hat deshalb vom Regierungsrat den Auftrag erhalten, den Anteil an Heimen, die zur Pflege aller Besa-Stufen berechtigt sind, zu erhöhen.

Massnahmen beim Personal

Um den Schritt von der Stufe 7 auf die Stufe 12 zu schaffen, sind laut Andreas Tinner vor allem Massnahmen im Personalbereich nötig. Stufe 12 bedeutet für das Pflegeheim in erster Linie, dass – im Gegensatz zur Stufe 7 – Fachpersonal rund um die Uhr im Dienst sein muss. Auch an die Infrastruktur wird höhere Ansprüche gestellt, unter anderem bezüglich Rollstuhlgängigkeit und dem Vorhandensein eines Bettenlifts.

… und das in Urnäsch entstehende Pflegezentrum mit geplanten 32 Plätzen, Zulassung Besa-Stufe 12. (Bild: Monika Egli)

… und das in Urnäsch entstehende Pflegezentrum mit geplanten 32 Plätzen, Zulassung Besa-Stufe 12. (Bild: Monika Egli)

Andreas Tinner Leiter Amt für Soziale Einrichtungen (Bild: eg)

Andreas Tinner Leiter Amt für Soziale Einrichtungen (Bild: eg)

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