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Alter Silvester immer neu

Brosmete
Esther Ferrari

Was heisst alt? Hundert Jahre, dreihundert Jahre? Der Alte Silvester ist viel älter, aber alt ist er nicht. Im Gegenteil. Er verändert sich, ist immer wieder neu, jedes Jahr wieder, sorgt für neue Freuden und neue Überraschungen, für neues Chlause-fieber.

Ich schliesse meine Augen, denke an die Zeiten, als ich im Tal daheim war, spüre das wohlige Kribbeln am ganzen Körper, wenn ich am frühen Morgen das erste Rollen und Schellen hörte, wenn der Ruf «en Schuppel chonnt» durch das Haus hallte. Ich sehe den alten Solenthaler mit der Haube «60 Jahre chlausen» vor mir, wie er sich bückt, um seine Kostbarkeiten auf dem Kopf zu zeigen, die Rollen schüttelt, «e guets Neus» wünscht und die Hand hinstreckt. Er, der letzte Bettelchlaus! Ich höre den Ruf «wo isch mini Zipfelchappe», «mer fäält de Fetze» oder «chasch mer no bönde?». Dann wieder stehe ich vor der Haustüre, schaue andächtig auf schwielige Bauernhände, die ruhig auf den Schellen oder am Rollenträger aufliegen, während ein weiches Zäuerli erklingt. Was solche Hände doch alles hätten erzählen können. «De Blaas, de Blaas!» Dieser, zugleich mit einer Angst gepaarte Freudenschrei meiner Kinder gehört auch zu den schönsten Erinnerungen. Mir kommt der Abend vor dem Alten Silvester in den Sinn, wenn in unserer Stube mit Armin Fässler und seinem Schuppel, zu dem auch mein Mann gehörte, zauret wurde. Einer der Chlausekollege reservierte jedes Jahr ein Zimmer bei uns. Vor lauter Ommehocke benutzte er es nie. Am Morgen früh aber schlich er zu mir in die Küche und fragte «Häsch mer e Söppli?» Es gab den Abend in den Wirtschaften im Tal. Die schönen Chläus gingen tief in die Knie, weil die Türeingänge zu niedrig waren.

Mich freut es, wie heutzutage die junge Generation das Chlausen pflegt. An einer Lesung, die ich über die «äägelige Urnäscher» hielt, begleitete mich kürzlich en Buebeschuppel. Ich bat die Pörschtli, an einer bestimmten Stelle, die ich wegen der Gäste schriftdeutsch lesen musste, einen Jauchzer zu nehmen. Und die Antwort: «Jo, mönd mer denn au schreftdütsch juuchze?»

Esther Ferrari

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