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Alte, seltene Rinderrasse in Wattwil

Luzia und Urs Bleiker halten auf ihrem Bergbetrieb oberhalb Wattwil Hinterwälderkühe. Die Rasse, die ursprünglich aus dem Südschwarzwald kommt, ist sehr alt. Vor allem ihr kleiner Wuchs begeistert Luzia und Urs Bleiker.
Tanja Trauboth

Wattwil. Früher grasten auf dem Bergbetrieb von Luzia und Urs Bleiker Toggenburger Braunviehkühe, die abends und morgens gemolken wurden. Dann stellten Bleikers auf Mutterkuhhaltung um. Um eine bessere Mastleistung zu haben, kreuzten sie die Mastrasse Limousin ein. Die schweren Kreuzungstiere stampften vor allem bei Regenwetter Löcher in den Boden. Bleikers wünschten sich eine kleinere, handlichere Rasse.

Kiwi mit weissem Kopf

In einem Bericht in Bioaktuell lasen sie vom Glarner Bauern Kaspar Luchsinger und seinen Hinterwälderkühen. Sie nahmen einen Augenschein, waren beeindruckt vom Zustand der steilen Weiden. «Er hat wirklich extrem steiles Land und wir konnten keinen Landschaden sehen», sagte die Bäuerin. Von Luchsinger kauften sie die ersten zwei Hinterwälderkühe. Heute halten Bleikers zehn Mutterkühe und ein Muni der Rasse Hinterwälder im Anbindestall. Morgens und abends kommen die Kälber und die Mutterkühe in den Auslauf, wo die Kälber am Euter saugen können.

Luzia Bleiker löst die Anbindevorrichtung von Kiwi. Die einfarbig rote Kuh mit dem für die Hinterwälder typischen weissen Kopf trabt in den Auslauf. Ihr Kalb wartet dort schon, rennt zum Euter.

Andere Abstammung

Das Hinterwälderrind ist eine alte, kleinwüchsige Rinderrasse aus dem Südschwarzwald. Sie soll vom Torfrind der Kelten abstammen. Blutuntersuchungen legten nahe, dass die Hinterwälder eine andere genetische Abstammung haben als alle anderen europäischen Rinderrassen. Die Organisation Pro Specie Rara, die sich in der Schweiz für vom Aussterben bedrohte Tierrassen einsetzt, schreibt auf ihrer Homepage, dass es auch in der Schweiz ähnliche Rassen gegeben habe.

«Es passt»

Im Auslauf schmatzt das Kalb. Milchschaum tropft auf den Boden. Kiwi steht ruhig da. Ab und zu dreht sie den Kopf und stupst ihren Kleinen liebevoll. Sie hebt den Kopf, trabt zum Brunnen, irgendwie elegant und edel. Die Hinterwälderkuh sieht nicht einfach aus wie kleines Fleckvieh. Für Luzia Bleiker liegt der Hauptvorteil dennoch in der Kleinheit.

Das Anbinden, das Führen, alles sei einfacher. «Wir passen zusammen», sagt sie über sich und ihre kleinen Kühe.

Andere überzeugen

Aus der ganzen Schweiz kamen am Sonntag die Züchter des Hinterwälder Zuchtvereins nach Wattwil in die Markthalle Toggenburg. Sie folgten damit der Einladung ihres engagierten Mitglieds Luzia Bleiker. Die Wattwilerin wurde zusammen mit drei weiteren Mitgliedern besonders geehrt, weil sie an Ausstellungen und Märkten Werbung für die seltene und alte Rasse macht. Damit die Hinterwälder als Nutztierrasse überleben können, müssen genügend Bauern von den Vorzügen der Rasse überzeugt werden. Es geht aber auch jeden etwas an, weil die Hinterwälderrasse eine genetische Ressource darstellt. Die Erhaltung der Rasse ist eine europäische Aufgabe.

Frau an der Spitze

Es sei wichtig, dass Hinterwälder an Schauen, Messen und Ausstellungen präsent seien, sagte Präsidentin Maya Ritter. Sie ist die einzige Frau in der Schweiz, die einem Rinderzuchtverband vorsteht. Nach dreizehn Jahren im Vorstand tritt sie zurück. Als Nachfolgerin wurde Katrin Berger gewählt. Damit bleibt die Führung des Zuchtverbands der Hinterwälderrasse in Frauenhand.

Gemeinderat Walter Bösch erinnerte in seiner Begrüssung an die Viehschauen und das damit verbundene Brauchtum. Viehzucht habe hier einen hohen Stellenwert. Ritter bedankte sich, sagte aber, dass die Hinterwälder in Linienzucht gezüchtet werden. Bei dieser Zuchtmethode ist die Suche nach der Schönsten nicht so wichtig. Im Gegensatz zum Braunvieh, bei dem möglichst die besten Tiere zur Zucht verwendet werden, wollen die Hinterwälderzüchter eine breite Basis wenig miteinander verwandter Tiere erhalten.

In der Zucht gilt es auch die Inzucht zu vermeiden. Der Schweizerische Braunviehzuchtverband macht die entsprechenden Berechnungen. Bei jeder Paarung mit künstlicher Besamung (KB), bei jedem Stierenkauf muss erst überprüft werden, ob die Stiere nicht zu nah mit den Kühen verwandt sind. Diese Prüfung hat im letzten Jahr kein Schweizer Hinterwälderstier, der für die KB in Frage käme, bestanden. Der Zuchtverband reiste ins Ursprungsgebiet der Rasse, in den Südschwarzwald und kaufte die beiden Stiere Labari und Humbel.

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