ALT ST. JOHANN: «Hirschen» wird versteigert

Wechselnde Betriebsleiter, fehlende Wirtepatente, die Schliessung des Betriebes im April 2015 und nun die Grundstückversteigerung. Die neueste Geschichte des Hotels Hirschen ist eine Leidensgeschichte.

Katharina Rutz
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Am 14. Dezember soll das Hotel Hirschen in Alt St. Johann öffentlich versteigert werden. (Bild: Katharina Rutz)

Am 14. Dezember soll das Hotel Hirschen in Alt St. Johann öffentlich versteigert werden. (Bild: Katharina Rutz)

«Heute Ruhetag», informiert ein Schild am Eingang des Alt St. Johanner Hotels Hirschen. Seit April 2015 steht es da, ebenso lange steht die Liegenschaft zum Verkauf. Das hat offenbar nicht geklappt, am 14. Dezember wird das Hotel Hirschen – die Liegenschaft ist auf 900000 Franken geschätzt – nun an den Meistbietenden versteigert. Eine Betreibung auf Grundpfandverwertung wurde eingeleitet (siehe Kasten). Als Schuldnerin und Grundeigentümerin figuriert die Gastromontana AG. Als Verwaltungsräte der Firma sind Walter K. und Marcel Lüde eingetragen. Walter K. Lüde betreibt aber offensichtlich mehrere Firmen. Unter der Grimontana AG führt er beispielsweise noch das Cresta Hotel in Klosters. Auch eine Gastrobello AG wird im Zusammenhang mit seinem Namen erwähnt. Erreichbar ist er nicht, da er für vier Wochen in Florida weile. Sein Technischer Leiter Peter Hofer beantwortet allerdings die Fragen unserer Zeitung. «Wir kämpfen nach wie vor, dass es nicht zur Versteigerung kommt», sagt er. Das Geld sei vorhanden, aber noch nicht verfügbar. Mehr wolle er dazu im Moment nicht sagen – ausser: «Die Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann hat uns nichts als Steine in den Weg gelegt. Sie erteilte uns keine Bewilligungen und machte uns zu viele Auflagen.»

Die Gemeinde soll schuld sein

Die Gastromontana AG mit Sitz in Zug hat das Hotel Hirschen im Juli 2013 von den langjährigen Wirten Helga und Ernst Taibinger gekauft. Die beiden haben das Haus 36 Jahre lang geführt. Eineinhalb Jahre war das Hotel offen. Innerhalb dieser Zeit gab es fünf verschiedene Betriebsleiter. Peter Hofer klagt: «Viermal bin ich vor Ort gewesen und habe den Betrieb wieder zum Laufen gebracht. Ein fünftes Mal mache ich das nicht.» Peter Hofers Arbeit sollte jeweils von den Betriebsleitern weitergeführt werden. Zuletzt hatte diesen Posten ein gewisser Michel Rohrbach inne. Er erfüllte jedoch die Voraussetzungen für das Wirtepatent nicht. Laut Sabrina Lusti, Gemeindeschreiberin von Wildhaus Alt St. Johann, war das Gastwirte-patent das Hauptproblem. Damit dieses erteilt werden kann, ist eine gewisse Ausbildung in Lebensmittelhygiene nötig. «Ein Koch oder eine langjährige Servicefachkraft bringt diese in der Regel mit», so Lusti. Ansonsten könne ein entsprechender Kurs besucht werden. «Der Gemeinderat hat das Patent mehrmals erteilt mit der Auflage an den jeweiligen Betriebsleiter, den Kurs in einer gewissen Frist zu absolvieren», sagt sie. Doch dem ist man im Hotel Hirschen offenbar nie nachgekommen. Irgendwann habe der Gemeinderat auch keinen weiteren Aufschub mehr gewähren können, so Lusti.

Peter Hofer beschuldigt die Gemeinde, für die Misere verantwortlich zu seine und vergleicht sie gar mit der Mafia. Er klagt über verweigerte Bewilligungen und ungerechte Auflagen. Gemeindepräsident Rolf Züllig entgegnet: « Die Unversehrtheit des Gastes in Bezug zur Gesundheit hat für den Gemeinderat oberste Priorität und nicht die Interessen eines windigen Gastrounternehmers. Dass es zu einer Versteigerung des Lokals kommt, hat nichts mit der Verweigerung des Patents oder mit der beanstandeten Lebensmittelhygiene zu tun, sondern ist allein der Zahlungsmoral der Gastromontana AG geschuldet».

Das Steigerungsobjekt kann am 16. November nach telefonischer Voranmeldung beim Betreibungsamt Wildhaus-Alt St. Johann besichtigt werden.