Also doch: Nomen est omen

Auf den ersten Blick sind die Namensbasen Monika Egli, Urnäsch und Rehetobel, in vielem verschieden. Das betrifft aber nur Oberflächliches; sie trennen sich in grossem Einvernehmen.

Monika Egli, Rehetobel
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urnäsch. Neugierig fahre ich zu meiner Namensbase Monika Egli nach Urnäsch. Nomen est omen: Wird sie mir ähnlich sein? Der Weg zu ihrem – mindestens jetzt im Sommer – ausgesprochen idyllisch gelegenen Zuhause fernab der Hauptstrasse führt stetig aufwärts, auf einem engen Strässlein. Eine Tafel weist darauf hin, dass hier über Mittag der Schulbus verkehrt. Zum Glück ist es früher Nachmittag. Ich wüsste nicht, wie mit einem anderen Auto, gar einem kleinen Bus zu kreuzen wäre. Wie es hier wohl im Winter zu und her geht? Ohne Allradantrieb und Schneeketten geht sicher gar nichts.

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Monika ist ein alter Name, der in der Zeit, als ich getauft wurde, einen eigentlichen Aufschwung erlebte. Ich erwarte deshalb eine Frau in meinem Alter. «Meine» Monika Egli ist mit Jahrgang 1973 jedoch bedeutend jünger. Und den Namen Egli trägt sie erst seit ihrer Heirat. Sie war früher eine Monika Manser, Bürgerin von Appenzell, aufgewachsen in Degersheim. Die Grosseltern, Berta und Jakob Jäger, hingegen wohnten in Urnäsch. Monika Egli konnte das Haus, in dem sie jetzt selber lebt, von ihnen übernehmen. Es liegt auf knapp 1000 m ü. M. auf der Windegg. Das ist die erste Gemeinsamkeit: Auch ich lebe auf knapp 1000 m ü. M., wenn auch in Rehetobel.

Sie betreibt ein Hobby, an dem ich auch Freude hätte: Zahlreiche Tiere leben auf der Windegg, und ein grosser Garten gehört zum Umschwung. Gesichtet werden Hühner und ein Hund. Später sehe ich drei junge Katzen, es gibt Kaninchen und Meerschweinchen. Und unübersehbar ist auch, dass hier Kinder leben. Spielzeug, ein Trampolin, Kinderschuhe… Zwei Buben und zwei Mädchen im Alter von acht bis knapp 15 Jahren gehören zu Monika Eglis Haushalt. In diesem Punkt unterscheiden wir uns allerdings: Monika aus Rehetobel ist kinderlos.

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Meine Namensbase aus Urnäsch ist ein Wassermann, ich bin ein Schütze. Sie nennt als Namenstag den 27. August, ich den 4. Mai. Wir haben beide recht: Der 4. Mai galt vor der Kirchenreform als Monikas Namenstag. Ihre Egli-Verwandten stammen aus dem Raume Krummenau, meine aus Mosnang. Immerhin: beide aus dem Toggenburg. Sie ist eine begeisterte Köchin und backt gut und gerne, ich nicht. Sie ist gerne draussen, ich auch, vor allem im Garten.

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Auf den ersten Blick ergeben sich also nur wenige Gemeinsamkeiten. Aber wir sind nicht nur Namens-, sondern auch Tratschbasen, sprechen über Gott und die Welt und merken in der kurzen Zeit, die wir zusammen verbringen, schnell, dass es mit dem «Nomen est omen» doch etwas auf sich hat. Es sind die Lebensgrundhaltungen, die verblüffend übereinstimmen. Und erst beim Verlassen des Hauses entdecke ich und staune: Sie ist der gleichen (seltenen) Sammelleidenschaft verfallen wie ich. Nach nur einer guten Stunde ist unser Einvernehmen schon gross. Und so beschliessen wir, künftig zwei, drei Geheimnisse miteinander zu teilen – und nicht alles in der Zeitung breitzutreten…