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Zeitungsjubiläums-Serie: Als die Appenzeller Zeitung die Unabhängigkeit verlor

Die Kündigung der Zusammenarbeit der Druckerei Flawil mit dem Ostschweizer Zeitungsverbund hat 1997 einen grossen Einfluss auf die Medienlandschaft. Damit endet auch die Eigenständigkeit der «Appenzeller Zeitung».
Alessia Pagani
Mit der Übernahme der «Appenzeller Zeitung» durch das «St. Galler Tagblatt» wurde aus zwei Zeitungen ein Blatt. (Bild: APZ)

Mit der Übernahme der «Appenzeller Zeitung» durch das «St. Galler Tagblatt» wurde aus zwei Zeitungen ein Blatt. (Bild: APZ)

«Als letzter Akt wurde die Druckerei verkauft. Dies auch, damit die Arbeitsplätze gerettet werden konnten», sagt Marcel Steiner, ehemaliger Geschäftsführer des Appenzeller Medienhauses in Herisau. Mit dem Verkauf der Druckerei und des Appenzeller Verlages durch die NZZ-Mediengruppe vor vier Jahren war das Ende des traditionsreichen Unternehmens mit Redaktion, Verlag und Druckerei endgültig besiegelt. Vorangegangen waren mehrere organisatorische Veränderungen und neu eingegangene Partnerschaften in der Ostschweizer Zeitungslandschaft.

Aber von Anfang an: Es war ein Wintertag im Jahr 1997, als die Mitarbeiter an der Kasernenstrasse 64 darüber informiert wurden, dass die bis anhin selbstständige und unabhängige «Appenzeller Zeitung» eine Zusammenarbeit mit der Zollikofer AG eingehen wird – der grössten Konkurrentin in der Ostschweiz und Herausgeberin des «St. Galler Tagblatts» beziehungsweise des damals noch existenten «Appenzeller Tagblatts».

Druckerei Flawil löst Dominoeffekt aus

Die «Appenzeller Zeitung» hatte bis dahin die Führung des Ostschweizer Zeitungsverbundes inne. Darin zusammengefasst waren nebst der «Appenzeller Zeitung» der «Volksfreund Flawil», die «Wiler Zeitung», «Der Rheintaler», «Der Toggenburger» und der W&O (Werdenberger&Obertoggenburger).

«Es war eine gute Zusammenarbeit. Wir bildeten ein Bollwerk gegen die mächtige Zollikofer AG mit dem ‹Tagblatt› und ihren Regionalausgaben.»

Im September 1997 beschloss die Druckerei Flawil, sich aus dem Zeitungsverbund zurückzuziehen und eine Zusammenarbeit mit der Zollikofer AG einzugehen. Mit weitreichenden Folgen: «Für uns und andere Partner kam dieser Entscheid aus heiterem Himmel und er hat zu einem Erdbeben in der Ostschweizer Medienlandschaft geführt.» Steiner spricht von einem Dominoeffekt. «Alles ist zusammengestürzt.» Der Inseratemarkt brach weiter ein und die Einnahmen waren rückläufig. «Die Ostschweiz» musste nach 123 jähriger Tätigkeit ihren Betrieb einstellen, das «St. Galler Tagblatt» übernahm deren Abonnenten.

Marcel Steiner, Schwellbrunn, ehemaliger Geschäftsführer Appenzeller Medienhaus (Bild: pd)

Marcel Steiner, Schwellbrunn, ehemaliger Geschäftsführer Appenzeller Medienhaus (Bild: pd)

«Wir befanden uns in einer existenzbedrohenden Krise und haben im Verwaltungsrat schnell gemerkt, dass es rational keine gescheitere Lösung gibt als der Zusammenschluss mit dem ‹St. Galler Tagblatt›», so Steiner. Was damals mit der «Appenzeller Zeitung» passierte, ist kein Einzelfall: «Wegen der aufkommenden Digitalisierung kamen die Printmedien schweizweit unter Druck.» Das «St. Galler Tagblatt» übernahm 1998 vorerst 40 Prozent der «Appenzeller Zeitung». Gleichzeitig kooperierten auch die «Wiler Zeitung», «Der Rheintaler» und «Der Toggenburger» mit dem «Tagblatt», später kam noch der W&O dazu. Fortan wurde der überregionale Mantelteil in St. Gallen produziert, die Redaktion in Herisau konzentrierte sich ausschliesslich auf den Lokalteil. Der Druck der «neuen Appenzeller Zeitung» erfolgte neu in St. Gallen.

Seit 2006 ganz zum Tagblatt gehörend

Mit der Übernahme wandelte sich die «Appenzeller Zeitung» von der Lokalzeitung zu einer farbigen Fünf-Bund-Regionalzeitung und die einst konkurrenzierenden Blätter («Appenzeller Zeitung» und «Appenzeller Tagblatt») wurden fusioniert. Der Kooperation fielen rund zehn Arbeitsplätze in Herisau zum Opfer. Anfang 2006 übernahm das «St. Galler Tagblatt» beziehungsweise mittlerweile die NZZ-Mediengruppe die restlichen 60 Prozent des Druck- und Verlagsunternehmens. Die Entscheidungsbefugnis ging nach St. Gallen über. Das Appenzeller Medienhaus wurde schliesslich Ende 2014 aufgelöst, die Druckerei an die Druckerei Appenzeller Volksfreund und der Verlag an Marcel Steiner verkauft. Die Redaktion der «Appenzeller Zeitung» ist heute nur noch Mieterin im Gebäude an der Kasernenstrasse.

Was aber, wenn die «Appenzeller Zeitung» damals nicht fusioniert hätte? Steiner bezweifelt, dass sie konkurrenzfähig hätte bleiben können: «Wir hätten als schmalbrüstige Kleinzeitung gegen eine Fünf-Bund-Zeitung bestehen müssen, was sicherlich nicht einfach gewesen wäre.» Noch heute ist er davon überzeugt, dass die Fusion das einzig Richtige gewesen ist, um als Zeitung langfristig auf dem Markt bestehen zu können.

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