Als Königin die Kühe vertreten

Zum erstenmal könnte der nationale Titel «Braunviehkönigin» in diesem Jahr ins Appenzellerland gehen. Die 19jährige Blanca Fässler aus Weissbad ist eine von fünf Kandidatinnen. Kühe sind für sie mehr als nur Nutztiere.

Roger Fuchs
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Die 19jährige Gymnasiastin Blanca Fässler aus Weissbad kandidiert als Braunviehkönigin. Auf dem elterlichen Hof posiert sie vor der Bergkulisse mit der Kuh Franzi. (Bild: rf)

Die 19jährige Gymnasiastin Blanca Fässler aus Weissbad kandidiert als Braunviehkönigin. Auf dem elterlichen Hof posiert sie vor der Bergkulisse mit der Kuh Franzi. (Bild: rf)

WEISSBAD. Zur Miss-Schweiz-Wahl würde Blanca Fässler angesichts ihrer Körpergrösse von 1,60 Meter nicht zugelassen – und so nutzt sie ihre Ausstrahlung, um Ende November zur neuen Braunviehkönigin gewählt zu werden. Der nationale Titel, mit dem eine zweijährige Amtszeit verbunden ist, wird in diesem Jahr zum drittenmal vergeben. Im Büro beim Stall des elterlichen Hofs in Weissbad liegen Autogrammkarten bereit. Blanca Fässler präsentiert sich darauf in einem feschen Dirndl, das die Kandidatinnen nebst Schmuck geschenkt bekamen. Ihre Augen strahlen durch die Gläser der silbernen Brille.

An der Bürowand hängen unzählige Schauauszeichnungen. Familie Fässler führt einen Landwirtschaftsbetrieb mit 45 Milchkühen, 22 Aufzucht- und 20 Mastkälbern. «Von klein auf kam ich mit der Viehzucht in Kontakt» erzählt Blanca Fässler, die zusammen mit fünf Brüdern aufwuchs. Im Sommer nächsten Jahres wird sie am Gymnasium in Appenzell die Matura absolvieren. Agronomin oder Lehrerin sind ihre Wunschberufe.

Nervosität hält sich in Grenzen

Auf die Wahl zur Braunviehkönigin aufmerksam geworden ist sie durch ihren Vater. Dieser habe die Ausschreibung in der Bauernzeitung gelesen und ihr klar signalisiert: «Mach mit, sonst melde ich dich an.» Vorausgesetzt wird bei den Kandidatinnen die Freude am Braunvieh. Auch sollte jemand in der Verwandtschaft einen entsprechenden Betrieb führen. «Anders als bei der Miss-Schweiz-Wahl muss ich nicht im Bikini posieren oder mit High Heels im Stall auf- und abmarschieren», sagt Blanca Fässler. Ihr Lächeln ist dabei jenem einer Miss würdig.

Einige Wochen nach der Anmeldung folgte der positive Entscheid, verbunden mit der Einladung zu einem Informationsabend in Zug. Dort lernte sie erstmals die vier weiteren Kandidatinnen kennen: zwei aus Luzern, eine aus Schwyz und eine aus dem Zürcher Oberland. Die erste Braunviehkönigin, Barbara Rohrer aus dem Kanton Aargau, erzählte aus ihrer Amtszeit. Nervosität verspürt Blanca Fässler derzeit kaum. «Ausser bei persönlichen Vorstellungen wie kürzlich an der Olma oder an der Rinderschau in Sargans», sagt sie. Bei all den Anlässen im Vorfeld der Wahl ihre Mitkandidatinnen zu treffen sei jeweils eine grosse Freude. «Bei uns herrscht kein Zickenkrieg. Wir haben es gut miteinander.»

Jede Kuh hat einen Namen

Die Wahl der neuen Braunviehkönigin für die Jahre 2016/17 erfolgt am 28. November im Rahmen der Braunviehausstellung Swiss Classic in Brunegg. Alle Besucherinnen und Besucher werden vor Ort einen Stimmzettel erhalten. «Sollte ich gewinnen, freue ich mich während der Amtszeit auf einen regen Austausch mit Gleichgesinnten», so die Innerrhoderin. Im Gespräch mit Züchtern komme man immer wieder auf neue Ideen, von Futtermitteln bis hin zu Melksystemen. Natürlich warten auf die Braunviehkönigin auch Aufgaben als Ehrendame, sei es an Betriebsmeisterschaften oder lokalen Viehschauen in der ganzen Schweiz. Fässler: «Mit Stolz würde ich das Braunvieh vertreten.» Diese Kühe seien für sie mehr als nur Nutztiere. «Bei uns zu Hause hat beispielsweise jede einen Namen und nicht nur eine Nummer.» Gehe es einer Kuh nicht gut, seien sie jeweils alle um sie besorgt. In der Tat: Blanca Fässler liebt die Kühe. Dafür wird sie vielleicht schon bald gekrönt.

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