Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Als Gastreferentin in Bern

Für Gwendoline Flückiger, derzeit Praktikantin bei der «Appenzeller Zeitung», heisst es bald: Bühne frei! Sie wurde für einen Vortrag in die Bundeshauptstadt eingeladen – von der chinesischen Botschaft.
Claudio Weder
Gwendoline Flückiger während ihres zweiwöchigen Chinaaufenthaltes im Oktober 2017. (Bild: Yinhui Bao)

Gwendoline Flückiger während ihres zweiwöchigen Chinaaufenthaltes im Oktober 2017. (Bild: Yinhui Bao)

Dass wir in unserer Zeitung unsere eigenen Mitarbeitenden porträtieren – und zwar nur, weil sie einmal von der Arbeit fernbleiben, um einen angeblich wichtigen Termin wahrzunehmen – kommt höchst selten vor. Doch unsere Praktikantin Gwendoline Flückiger bleibt am Donnerstag nicht einfach fern, weil sie einen Zahnarzttermin hat: Sie wurde von der chinesischen Botschaft in Bern eingeladen, im Rahmen der Buchvernissage «China in Our Memories» einen zehnminütigen Vortrag zu halten – vor internationalem Publikum.

Warum die chinesische Botschaft ausgerechnet Gwendoline als Rednerin auswählte, hat eine lange Vorgeschichte: Seit vier Jahren interessiert sich die 18-Jährige, die gemeinsam mit ihren Eltern in Speicher wohnt, für alles, was irgendwie mit China zu tun hat. Ausschlaggebend für diese sinophile Neigung war ihr Vater, der im Jahr 2014 zum ersten Mal aus geschäftlichen Gründen nach China reiste. «Er hat mir viele Bilder gezeigt und viel Interessantes über das Reich der Mitte erzählt», sagt sie. «Die vielseitige Kultur faszinierte mich und ich wollte mehr über dieses Land und dessen Geschichte lernen». Gesagt, getan: Als Gwendoline erfuhr, dass an der Kanti Trogen das Freifach Chinesisch angeboten wurde, zögerte sie keine Sekunde, dieses zu belegen. «Schnell wurde es zu einem meiner Lieblingsfächer.»

Gute Ergebnisse bei Chinesischwettbewerb

In ihrem dritten Kanti-Jahr meldete sich Gwendoline für den «Chinese Bridge»-Wettbewerb an, einen internationalen Sprachwettbewerb für Schüler und Studierende, der jährlich vom Konfuzius-Institut «Hanban» organisiert wird. Bei den Schweizer Vorausscheidungen in Bern belegte sie den zweiten Platz und erhielt als Preis ein Stipendium, das ihr ermöglicht, sechs Monate an einer chinesischen Universität zu studieren. Des Weiteren durfte sie im vergangenen Oktober mit der Erstplatzierten, Clara Edmonds, nach China reisen, wo die nächsten Runden des Wettbewerbs stattfanden. Im Rahmen von Vorträgen und weiteren Darbietungen galt es, seine Mandarin-Skills mit Chinesisch-Schülern aus aller Welt zu messen.

Es reichte letztlich zwar nicht für den Sieg. Doch wie sagt man so schön: Dabei sein, ist alles. «Es war ein super Erlebnis, ich habe in den zweieinhalb Wochen viele Freundschaften geschlossen», erzählt die 18-Jährige. Auch im Chinesischen habe sie Fortschritte gemacht – gerade was die Aussprache und das Hörverständnis anbelangt.

Dank der Teilnahme am Wettbewerb erhält Gwendoline nun auch die Möglichkeit, im Kongresszentrum «Bernexpo» vor internationalem Publikum aufzutreten. Sie wurde aufgrund ihrer guten Platzierung an den Schweizer Vorauswahlen mit dieser Aufgabe betraut. «Ich bin ein wenig nervös», bekennt sie. Schliesslich spreche sie unter anderem vor dem chinesischen Botschafter Geng Wenbing. Thema ihres Vortrags: Was sie dazu bewegt hat, Chinesisch zu lernen und wie sie ihre Zeit in China erlebt hat. Ebenso wird sie einige Ideen präsentieren, wie man den Chinesischunterricht in der Schweiz noch attraktiver gestalten könnte: «Zum Beispiel, indem man vermehrt auch die chinesische Kultur integriert.» Zudem hält sie es für wichtig, den Kontakt zwischen chinesischen und Schweizer Schulen zu fördern: «Im Rahmen des Chinesischunterrichts an der Kanti Trogen nahm ich zwei Schülerinnen aus Chengdu bei mir auf. Ohne diesen Austausch wäre ich nicht annähernd so motiviert gewesen, Chinesisch zu lernen.»

Chinesisch ist derweil aber nicht die einzige Sprache, die unsere vielseitig begabte Praktikantin beherrscht. Schon früh entwickelte sie eine Affinität für Sprachen. «Die Tatsache, dass meine Eltern aus der Westschweiz stammen und ich daher zweisprachig aufgewachsen bin, hat mir das Lernen von Fremdsprachen schon früh erleichtert.» Wann immer sie Gelegenheit gehabt habe, eine neue Sprache zu erlernen, habe sie diese ergriffen, wie sie weiter erzählt. Mathe hingegen sei nie ihr Ding gewesen.

Ein prall gefüllter Terminkalender

So kommt es, dass Gwendoline im Alter von 18 Jahren bereits sieben Sprachen – mal mehr mal weniger fliessend – beherrscht: An der Kanti wählte sie das Schwerpunktfach Russisch, neben Chinesisch besuchte sie die Freifächer Italienisch und Latein.

Doch damit nicht genug: Als Nächstes würde sie gerne eine nordische Sprache, Finnisch oder Estnisch, erlernen. Das Chinesische habe jedoch zurzeit Vorrang: «Ich möchte eine gute Basis haben, um später in China zu studieren», erzählt sie. Dazu seien jedoch noch einige Stunden harte Arbeit nötig. Die Challenge dabei: das Chinesischlernen im prall gefüllten Terminkalender unterzubringen. Denn wenn Gwendoline nicht gerade für die «Appenzeller Zeitung» recherchiert und schreibt, verbringt sie ihre Zeit mit Musik: Die 18-Jährige spielt Cello in einem Orchester, singt in zwei Chören, und wenn ihr dann immer noch langweilig ist, spielt sie Klavier. Wie soll man da Zeit finden, um auch noch Chinesischwörter zu büffeln? «Man muss sich gut organisieren. Meine Karteikärtchen habe ich immer und überall dabei.»

Das musikalische Gehör ist ihr beim Sprachenlernen zwar von Nutzen. «Besonders für Chinesisch ist es nützlich, da die verschiedenen Betonungen sonst viel schwieriger zu erlernen sind», sagt sie. Ein Kinderspiel sei es deswegen trotzdem nicht.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.