Als Ersatz einen Ferrari

BOB. Für den Appenzeller Bob Beat Hefti/Alex Baumann beginnt in Altenberg der Weltcupwinter. Noch steht allerdings nicht fest, ob der Anschieber wegen Bandscheibenproblemen pausieren muss.

Urs Huwyler
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Ob Beat Hefti beim Weltcupauftakt in gewohnter Zusammensetzung mit seinem Anschieber Alex Baumann (links) starten kann, ist noch offen. Eventuell muss Sandro Ferrari einspringen. (Bild: uhu)

Ob Beat Hefti beim Weltcupauftakt in gewohnter Zusammensetzung mit seinem Anschieber Alex Baumann (links) starten kann, ist noch offen. Eventuell muss Sandro Ferrari einspringen. (Bild: uhu)

Seit Wochen kämpft Alex Baumann (Stein) mit und gegen Rückenschmerzen. Die Situation schien lange nicht dramatisch, weil ihm die Sprints weniger Probleme bereiteten als der Alltag. «Die Fahrt im Bob war wegen der Sitzposition mühsamer als das Anschieben», stellte der Appenzeller anfangs Woche durchaus zuversichtlich fest. Die Tests in Innsbruck und Königssee fielen denn auch erfreulich aus. Beat Hefti und Alex Baumann fuhren Zeiten wie die mitfavorisierten Letten. Obwohl sich die Behandlung hartnäckiger erwies als erwartet. «Ich habe die ganze Sache etwas unterschätzt», gesteht der lädierte Anschieber. «Es wäre wohl sinnvoller gewesen, eine Pause einzulegen und nicht nur das Training anzupassen.»

Abgenützte Wirbel

Ein MRI kurz vor der Abreise sollte die Gewissheit bringen, dass es sich um muskuläre Probleme handle. Die Bilder zeigten jedoch: Zwei abgenützte Wirbel und Bandscheiben verursachen die Schmerzen. «Dabei lief das Training bis August perfekt, ich war in ausgezeichneter Verfassung», ärgert sich Baumann über den Rückschlag. Vor dem ersten Training in Altenberg werden die Mediziner nach Studium der Aufnahmen eine Empfehlung abgeben, wie mit den Abnützungserscheinungen (?) umgegangen werden muss, ob Hefti/Baumann beim Weltcupauftakt gemeinsam starten können oder der Appenzeller Olympia-Silber-Bob eine personelle Änderung erfährt. So oder so darf davon ausgegangen werden, dass der Stammbremser in einzelnen Trainingsläufen geschont und durch Sandro Ferrari ersetzt wird. Diese Massnahme war auch mit einem gesunden Baumann geplant.

Der 20jährige Leichtathlet (TSV Rothenburg) und St. Galler HSG-Student (Betriebswirtschaft) gewann an der SM Silber im Kugelstossen und Bronze im Diskuswerfen. Als Sieger der Victorinox-Bob-Trophy, dem durch Beat Hefti veranstalteten Anschiebercasting, war der Bob-Debütant im Trainingslager von Lillehammer dabei. «Je nach Zustand von Alex werde ich im Rennen mit Sandro starten. Ich selbst habe keine gesundheitlichen Probleme, fühle mich besser als vor einem Jahr», hält der im Frühling mit der Familie nach Schwellbrunn ins umgebaute Elternhaus zurückkehrende Pilot fest.

Kampf um Podestplatz

Jene nach Zusammensetzung des Zweiers mit einer Unbekannten wird sich die Zielsetzung beim Auftakt rangmässig ändern. Hefti/Baumann müssten um die Podestplätze kämpfen können. Mit Sandro Ferrari dürfte Schweiz 1 am Start auf die Schnellsten rund eine Zehntelsekunde einbüssen. Aber im Hinblick auf die Zukunft und den Einsatz eines (geplanten) Vierers mit Nachwuchsleuten im Europacup geht es bei der neuen Nummer drei im Team auch um das Sammeln von Erfahrungen.

Nach Altenberg folgen auf der Deutschland-Tournée die Weltcuprennen in Winterberg und Königssee. Zeit zum Ausheilen bleibt kaum. Anderseits besteht die Gefahr, am 13. Dezember den Zweier-Weltcup bereits verloren zu haben. Denkbar, dass vereinzelt nicht in die Trickkiste, sondern zu einem Schmerzmittel gegriffen wird. «Sofern», halten die Athleten fest, «dadurch nicht mehr kaputtgehen kann.» Die Gesundheit habe Priorität.