Alpstein
Blitze gezielt ablenken auf dem Säntis: Genfer Forscher hoffen dank Lasertechnologie auf die Revolution

Der Säntis wird Schauplatz eines wichtigen wissenschaftlichen Experiments. Genfer Forscher werden von Juli bis Oktober mit Lasertechnologie künstliche Blitze auslösen und gezielt an einen vordefinierten Ort leiten. Gelingt ein Durchbruch, würde dies die Blitzschutzsysteme revolutionieren.

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Der Sendemast auf dem Säntis ist eines der am stärksten von Blitzen betroffenen Bauwerke Europas.

Der Sendemast auf dem Säntis ist eines der am stärksten von Blitzen betroffenen Bauwerke Europas.

Bild: PD

(sat/pd) Jeden Sommer schlagen Hunderte von Blitzen in den 123 Meter hohen Antennenturm auf dem Säntis ein. Im Sommer, während der Zeit der intensiven Gewitter, wird deshalb auf dem Säntisgipfel ein Versuch zum gezielten Ablenken von Blitzen durchgeführt. Wie die Säntis-Schwebebahn AG mitteilt, erforscht ein Team von Wissenschaftern mit modernster Lasertechnologie eine neue Art des Blitzschutzes auf der Basis von Hochleistungs-Ultrakurzpulslasern.

In den nächsten Tagen wird die Versuchsinstallation vorbereitet, und das wissenschaftliche Experiment soll dann von Juli bis Oktober stattfinden.

Passiver und aktiver Blitzschutz

Der passive Blitzschutz durch Blitzableiter wird häufig für den äusseren Schutz von festen Installationen verwendet. Neben vielen alten Bauernhäusern oder Scheunen im Appenzellerland steht deshalb eine grosse Linde. Es gibt jedoch viele Situationen, in denen aktiver Blitzschutz notwendig wäre. Zudem schützen traditionelle Blitzableiter empfindliche Standorte nicht vor den verschiedenen indirekten Auswirkungen der starken elektromagnetischen Felder, die durch Blitzeinschläge induziert werden, wie zum Beispiel Überspannung. Die Ableitung von Blitzeinschlägen an einen definierten Ort wäre daher eine bahnbrechende Lösung für den Schutz empfindlicher Standorte wie Flughäfen und Industrieanlagen.

Blitzablenkversuche auf dem Säntis

Ein Forscherteam, unter Leitung der Université Genève, will mit modernster Lasertechnik Blitze künstlich auslösen und gezielt an einen vordefinierten Ort leiten. «Die Möglichkeit, mit laserinduzierten Aufwärtsblitzen, die enorme, natürliche elektrische Ladung gezielt zu entladen, wäre ein grosser Durchbruch in der Blitzforschung mit potenziell tiefgreifender Auswirkung auf künftige Schutzsysteme», heisst es in der Mitteilung. Laut der Uni Genf könnte das auf dem Säntis gewonnene Wissen nach Jahrhunderten die Blitzschutzsysteme revolutionieren.

Während der Hauptgewittersaison bis im Oktober soll getestet werden, wie gut der Laser mit ionisierten Kanälen in der Atmosphäre Blitze von sensiblen Bereichen ablenken kann. Die Kanäle waren bei Tests in geschlossenen Räumen bislang etwa 100 Meter lang. Nun soll das acht Meter lange Laser-Pointing-System unter realen Bedingungen getestet werden. Der Laserstrahl soll dabei auf die Spitze des Turms gerichtet werden, um Blitze zu leiten und einen Laser-Blitzableiter zu schaffen. Dieser würde dann weit über den herkömmlichen Blitzableiter an der Turmspitze hinaus in den Himmel reichen.

Am Versuch beteiligen sich auch das Labor für elektromagnetische Verträglichkeit der ETH Lausanne (EPFL) und der Westschweizer Hochschulen sowie die École Polytechnique in Paris sowie TRUMPF Scientific Lasers aus München. Zudem stellt die Swisscom für den Test ihre 124 Meter hohe Sendeanlage auf dem 2505 Meter hohen Gipfel des Säntis zur Verfügung. Dieser Mast ist laut der Uni Genf eines der am stärksten von Blitzen betroffenen Bauwerke in Europa.