ALPGOTTESDIENST: Andacht zwischen Churfirsten und Säntis

Mit Musik, Gesang und Worten wurde der Alpgottesdienst auf der Sellamatt gefeiert. Die Kulisse für das besinnliche Beisammensein bildeten Churfirsten, Säntis und Schafberg.

Adi Lippuner
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Die Jungjodler Ennetbühl erfreuen die Zuhörer mit ihrer Darbietung. (Bild: Adi Lippuner)

Die Jungjodler Ennetbühl erfreuen die Zuhörer mit ihrer Darbietung. (Bild: Adi Lippuner)

Nach der Verschiebung von einer Woche hatte Petrus gestern Sonntag ein Einsehen mit den Organisatoren des Älplerfestes auf der Sellamatt. Traumhaftes Wetter und der Grossaufmarsch, bereits zum Gottesdienst unter freiem Himmel, waren der Lohn für die Organisatoren. Pfarrer Josef Handschin, er reist jeweils von Bubendorf, Baselland, ins Toggenburg, feierte den Gottesdienst. Wie gewohnt zum Einstieg mit einem Witz, der ihn, gemäss eigenen Aussagen, bei der Auswahl so viel Zeit kostet, wie die Vorbereitung der Predigt.
 

Wünsche, Hoffnungen und Träume

Für den musikalischen Teil war das Alphorntrio Mühlrüti im Einsatz, der Gottesdienst wurde vom Jodelclub Säntisgruess, Leitung Hans-Jakob Scherrer und dem Fahnenschwinger Hanspeter Schmid, bereichert. Dass Pfarrer Handschin eine Aussage des Dichters Theodor Fontane an den Beginn stellte, mochte zuerst befremdlich wirken: «Leben heisst, Hoffnung begraben.» Doch schon der Psalm 121, «Meine Hilfe kommt von Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat», stellte Fontanes Aussage in ein anderes Licht. Kommt dazu, dass der Pfarrer in seiner Predigt fragte, wie viele Wünsche, Hoffnungen und Träume wohl jeder der Anwesenden im Laufe seines Lebens schon begraben musste.
 

Besinnliche Jodellieder

«I lueg ufe id Berge, zu dem wo d’Erde gschaffe het», dieses Jodellied, basierend auf dem Psalm 121, gesungen vom Jodelclub Säntisgruess, war die passende Ergänzung zu den Worten von Pfarrer Handschin. Gut kam auch seine kleine Geschichte von zwei Mädchen an, bei dem eines das andere fragte, wie gross den eigentlich ihr Bruder sei. «Keine Ahnung, so die Antwort, wenn er mit mir spricht, beugt er sich immer zu mir hinunter.» Für Pfarrer Handschin lag damit der Vergleich zu Gott, der sich zu den Menschen bückt, um mitten unter ihnen zu sein, auf der Hand.

Wie gerne Menschen am Alpgottesdienst bei der Lukaskapelle dabei sind, brachte ein Besucher auf den Punkt. Er bedankte sich beim Pfarrer mit den Worten: «Herzlichen Dank, es ist lange her, dass ich bei einem Gottesdienst so berührende Aussagen gehört habe und diese auch aufnahm.» Und die vielen zufriedenen Gesichter zeigten, dass der beliebte Pfarrer einmal mehr den Zugang zu den Herzen der Gottesdienstbesucher gefunden hat.

Pfarrer Handschin kam übrigens vor 22 Jahren erstmals zum Langlaufen auf die Sellamatt, lernte damals Valentin Lötscher kennen, und darauf hat sich eine langjährige Freundschaft entwickelt. «Ich bin alljährlich sehr gerne zum Alpgottesdienst im Toggenburg, auch wenn ich mich mit meiner Familie in Bubendorf daheim fühle,» liess er sich entlocken.
 

Nach der seelischen die körperliche Nahrung

Nach dem Gottesdienst genossen die Gäste die verschiedenen musikalischen Darbietungen mit den Auftritten der Jodlerfamilie Sutter, dem Jodelclub Säntis­gruess, den Jungjodlern Ennetbühl, der Trachtengruppe Nesslau-Neu St. Johann, dem Alpina-Cheerli Wolfenschiessen, dem Fahnenschwinger Hanspeter Schmid und dem Alphorntrio Mühlrüti.

Zudem bot das Berggasthaus sowohl auf der grossen Terrasse als auch im ansprechend renovierten Restaurantteil das Beste aus Küche und Keller. Das gemütliche Beisammensein bei Speis und Trank sowie Darbietungen konnte nach Herzenslust genossen werden.