«Alpenblick» schürt alte Wunden

Die Liegenschaft Alpenblick sorgt in der Gemeinde Lutzenberg noch immer für Unmut. Der Gemeinderat informiert an der Orientierungsversammlung über den aktuellen Stand. Einige Bürger fordern den Abriss.

Stephanie Sonderegger
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Der Gemeinderat möchte den Alpenblick zu Wohnzwecken nutzen. (Bild: sso)

Der Gemeinderat möchte den Alpenblick zu Wohnzwecken nutzen. (Bild: sso)

LUTZENBERG. An der Orientierungsversammlung im Hotel Hohe Lust in Lutzenberg wurde am Montagabend erneut ein bereits altbekanntes und heikles Thema diskutiert: die Zukunft des ehemaligen Hotels Alpenblick. Gemeindepräsident Werner Meier informierte über den aktuellen Stand des Projektes rund um das umstrittene Gebäude in Wienacht-Dorf. Der Gemeinderat hätte verschiedene Analysen erstellen lassen, die belegen, dass die Statik und Bausubstanz des Gebäude in Ordnung seien und somit keine grosse Sanierung gemacht werden müssen. «Der <Alpenblick> soll in Zukunft für Wohnzwecke genutzt werden», verkündete Meier.

Gemeinde ist Eigentümer

Die Liegenschaft, die vor rund 100 Jahren als Hotel gebaut wurde, diente in den vergangenen Jahrzehnten verschiedenen Zwecken und schürte dadurch grossen Unmut in der Gemeinde. Der «Alpenblick» wurde nicht nur als Exerzitienhaus einer religiösen Gemeinschaft genutzt, sondern auch als privates Altersheim und private Sekundarschule. Anschliessend wurde aus dem Hotel ein Asylantendurchgangszentrum. Seit der Verlegung der Asylanten in das Zentrum für Asylsuchende in die Landegg steht das Gebäude leer. Inzwischen ist die Gemeinde Lutzenberg Eigentümer. Die Liegenschaft wurde für 400 000 Franken gekauft: «Ursprünglich wollte der Kanton 700 000 Franken», so Erwin Ganz, ehemaliger Gemeindepräsident und Kantonsrat, der ebenfalls an der Orientierungsversammlung teilnahm.

Heikle Thematik

Die an diesem Abend anwesenden Einwohner der Gemeinde Lutzenberg zeigten klar, dass das Thema «Alpenblick» nach wie vor kein einfaches ist. «Zieht der Gemeinderat auch in Erwägung, das Geld in einen Abbruch zu investieren?», wollte eine Einwohnerin wissen. «Wieso wird Geld in Analysen investiert? Wäre ein Abbruch nicht billiger gewesen?», hinterfragte ein anderer das Vorgehen des Gemeinderates. «Ein Einfamilienhäuschen an der Stelle sähe ich erfolgreicher als Mietwohnungen», ergänzte eine weitere Bürgerin. Mit Hilfe von Erwin Ganz, der als Gemeindepräsident selber mit der Thematik zu tun hatte, versuchte der Gemeinderat zu beschwichtigen: «Im Moment sind die Grundlagen auf dem Tisch. Jetzt müssen wir schauen, was alle dazu sagen und was für Konsequenzen daraus entstehen.»

Knapp mehr Ausgaben

Neben der Diskussion zum Thema «Alpenblick» präsentierte der Gemeinderat das Budget für das Jahr 2015. Die Erfolgsrechnung der Gemeinde Lutzenberg sieht Einnahmen von 6,71 Millionen Franken und Ausgaben von 6,78 Millionen Franken vor. Die Ausgaben übersteigen die Einnahmen somit um knapp ein Prozent. Die Investitionsrechnung rechnet mit Aufwendungen von 400 000 Franken. Der Steuerfuss von 3,8 Einheiten bleibt weiterhin gleich.

Einfluss auf das Budget für das kommende Jahr habe auch das kantonale Entlastungsprogramm, sagte Gemeindepräsident Werner Meier: «Der Kanton will rund 27 Millionen Franken einsparen.» So werden die bisherigen Kantonsbeiträge für die Schüler sowie den Sonderschulbereich wesentlich geringer ausfallen. Zudem komme es zu einer Mehrbelastung, da der Kanton den Unterhalt der Trottoirs auf die Gemeinden abgewälzt habe.

Ernst Pletscher (Bild: kst)

Ernst Pletscher (Bild: kst)