Alpenbitter
Alpenbitter, Enzian und die Sitter: Warum der Traditionsbetrieb auf das Wasser aus der Sitter baut

Am sechsten April wurde bekannt, dass die Firma Appenzeller Alpenbitter AG eine Konzession des Kantons Appenzell Innerrhoden zur Entnahme von Wasser aus der Sitter erhalten hat. Es handelt sich um eine Erneuerung der Konzession. Auf Anfrage erklärt der Geschäftsführer Pascal Loepfe-Brügger, warum diese Konzession wichtig ist und wie es der Firma in der Pandemie geht.

Elia Fagetti
Merken
Drucken
Teilen
Der Enzian wird im Herbst geerntet und verarbeitet.

Der Enzian wird im Herbst geerntet und verarbeitet.

Appenzeller Alpenbitter AG

Unauffällig auf der zweiten Seite des Berichts der Standeskommission finden sich vier Zeilen zum Thema. Kurz und knapp wird in der Mitteilung erklärt, dass die Appenzeller Alpenbitter AG in den nächsten 30 Jahren die Erlaubnis hat, Wasser aus der Sitter zu entnehmen. Doch nicht während des ganzen Jahres ist dies erlaubt. Nur zwischen September und Oktober. Grund für diese Konzession ist der Enzian.

Der Gelbe Enzian ist Teil des geheimen Rezepts des bekannten Appenzeller Alpenbitters. Er wird in der Zeit zwischen dem ersten September und Ende Oktobers geerntet, weil die Wurzel des gelben Enzians in dieser Zeit am meisten Saft produziert. Wie genau der Prozess funktioniert erklärt der Geschäftsführer Pascal Loepfe-Brügger:

«Wir ernten die Wurzelteile in dieser Zeit und müssen sie auch erntefrisch verarbeiten, das heisst: waschen, zerkleinern und einmaischen.»
Pascal Loepfe-Brügger ist Geschäftsführer der Appenzeller Alpenbitter AG.

Pascal Loepfe-Brügger ist Geschäftsführer der Appenzeller Alpenbitter AG.

Appenzeller Alpenbitter AG

Der Familienbetrieb braucht also genau diese Zeit zwischen September und Oktober für die Enzianernte. Das Wasser aus der Sitter wird verwendet, um Erde von den Wurzeln zu entfernen. Nach dem Waschen wird das gebrauchte Wasser durch zwei Absetzbecken geleitet. In diesen Becken hat der Dreck im Wasser Zeit an den Grund zu sinken. Danach wird das saubere Wasser wieder in die Sitter geleitet. Der ganze Prozess wurde von den Behörden kontrolliert und abgesegnet.

Trinkwasser ist kostbar

Warum die Firma nicht anderes Wasser verwendet, begründet der Geschäftsführer: «Das Waschen der Enzianwurzeln würde durchaus auch mit anderem Wasser, also Trinkwasser, funktionieren. Trinkwasser ist jedoch eine kostbare Ressource.» Ein positiver Nebenaspekt ist die Logistik. Denn die Sitter liegt direkt neben dem Fabrikgelände der Firma. So braucht es auch keinen aufwendigen Transport von Wasser.

Fast alle Branchen haben dieses Jahr zu kämpfen. Dazu gehört auch die Appenzeller Alpenbitter AG. Dazu sagt Loepfe-Brügger: «Wir schauen vorwärts und hoffen, dass die Gastronomie bald wieder die Chance erhält, die Betriebe zu öffnen.» Denn ein Grossteil des Umsatzes kommt aus der Gastronomie. Weiter führt er aus, dass die Firma durch Innovation während und nach der Krise punkten wolle. Denn in schwierigen Zeiten seien Innovationen noch viel wichtiger als sonst. Dazu hat die Firma eine neue Apéritif-Linie lanciert.