Ein bäuerlicher Festtag ohne Zuschauer: Daten der Alpauffahrten im Appenzellerland bleiben wegen der Coronakrise geheim

Trotz Coronapandemie sind Alpauffahrten in Appenzell Inner- und Ausserrhoden erlaubt. Die Bauern müssen aber besondere Regeln einhalten. 

David Scarano
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Ab Anfang Mai finden im Appenzellerland die traditionellen Alpauffahrten statt.

Ab Anfang Mai finden im Appenzellerland die traditionellen Alpauffahrten statt. 

Bild: Keystone

Im Appenzellerland naht die Zeit der traditionellen Alpaufzüge. Sie sind jeweils ein Festtag für die Bauern. Von Anfang Mai bis Mitte Juni werden sie ihr Vieh vom Heimbetrieb auf die Alp treiben. Auch während der Coronakrise wird dies möglich sein.

Das hat das Bundesamt für Landwirtschaft entschieden. Am Dienstag gaben dies die zuständigen Ämter von Innerrhoden und Ausserrhoden in einer gemeinsamen Medienmitteilung bekannt.

Versammlungsverbot gilt weiterhin

In besonderen Zeiten gelten aber besondere Regeln. In diesem Jahr sind die Alpaufzüge «coronakonform» zu gestalten. Das heisst, die Bestimmungen und die Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zur Eindämmung des Coronavirus sind einzuhalten.

Jakob Scherrer, Leiter Amt für Landwirtschaft AR

Jakob Scherrer, Leiter Amt für Landwirtschaft AR

Bild: PD

Jakob Scherrer, Leiter des Ausserrhoder Landwirtschaftsamtes hält fest, dass «die Alpaufzüge frühmorgens jeweils nicht viele Zuschauer anlocken». Und das muss wegen des Versammlungsverbots auch so bleiben. So sei verboten, dass sich Gruppen von mehr als fünf Personen an den Strassen, aber auch auf den Höfen oder auf den Alpen treffen.


Die Kantone haben basierend auf den Weisungen des Bundes deshalb eine Art Werbeverbot ausgesprochen. Scherrer dazu:

«Die Daten der Alpaufzüge dürfen weder von den Tourismusorganisationen noch von den Gemeinden oder Älplerinnen und Älplern publiziert und öffentlich bekannt gemacht werden.»

Aber auch für die Helferinnen und Helfer der Landwirte gelten die Coronabestimmungen. Die Kantone haben ein Merkblatt verfasst, wie die Bauern mit der besonderen Situation umgehen sollen. Es wird in den nächsten Tagen allen Alpbewirtschaftenden zugestellt.

Was passiert mit den Alpabfahrten?

Darin ist etwa festgehalten, dass insbesondere unter den Helferinnen und Helfern von ausserhalb der Familie zwingend der Abstand von mindestens zwei Metern eingehalten werden muss. Personen, die sich nicht zu 100 Prozent gesund fühlen und grippeähnliche Symptome wie Husten, Fieber oder dergleichen haben, dürfen zudem nicht an den Alpaufzügen teilnehmen. Das Gleiche gilt für besonders gefährdete Personen älter als 65 Jahre mit Vorerkrankungen.

Zudem sollen die Bauern auf den festlichen Teil der Alpaufzüge verzichten oder zumindest grösste Zurückhaltung üben. Spezielle Kontrollen soll es keine geben. Scherrer erklärt:

«Wir appellieren an die Selbstverantwortung der Bauern.»

Ab dem 10. August stehen die Alpabfahrten an. Und im Gegensatz zum Aufzug sind diese jeweils ein Publikumsmagnet, vor allem in Urnäsch. Derzeit ist unklar, ob und wie sie stattfinden können. «Wir hoffen, dass sich bis dann die Situation normalisiert hat», sagt Jakob Scherrer.



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