Alles hat seine Zeit

Morgen-, Abend- und Nachtstunden sind ideal, um Mails zu schreiben, zu beantworten, weiterzuleiten, zu archivieren. Mit einem Mail ersparen wir uns manchmal einen Anruf und das persönliche Gespräch. Dahinter kann die Absicht stecken, mehrere Dinge gleichzeitig erledigen zu wollen.

Andreas Schönenberger
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Pfarrer Andreas Schönenberger, Wattwil, Seelsorger Katholische Pfarrei Felix und Regula. (Bild: pd)

Pfarrer Andreas Schönenberger, Wattwil, Seelsorger Katholische Pfarrei Felix und Regula. (Bild: pd)

Morgen-, Abend- und Nachtstunden sind ideal, um Mails zu schreiben, zu beantworten, weiterzuleiten, zu archivieren. Mit einem Mail ersparen wir uns manchmal einen Anruf und das persönliche Gespräch. Dahinter kann die Absicht stecken, mehrere Dinge gleichzeitig erledigen zu wollen. Wir sind an einer Sache dran, wollen diese zu Ende bringen und Neues, das dazukommt, gleichzeitig abarbeiten. Wir möchten alles möglichst zügig vom Hals haben, und das sieben Tage in der Woche. Wenn wir Glück haben, spüren wir irgendwann, dass wir so dem andern und auch uns selbst nicht gerecht werden.

Eine kostbare Ausgabe

Warum sich nicht mehr Zeit und Raum nehmen für das, was jetzt ansteht, für den Menschen, der jetzt vor mir ist? Ich kann einen Menschen zwischen Tür und Angel treffen, aber ich kann ihm da nicht wirklich begegnen. Sich Zeit nehmen für den andern, das fällt dem Menschen unserer Zeit immer schwerer. Dabei ist Zeit, so hat es Theophrast, ein antiker Philosoph einmal formuliert, eine kostbare Ausgabe. Daraus ist die Redewendung «Zeit ist Geld» geworden. Das heisst nichts anderes, als das alles irgendwie rentieren muss.

Zeit lässt sich nicht aufwiegen

Welchen Gewinn oder Nutzen erlange ich für mich? Zeit ist Geld und wenn es nicht so ist, dann ist es Zeitverschwendung. So ist der Sinn der Aussage verloren gegangen. Wir können Zeit aber nicht mit materiellen Werten aufwiegen.

Ein Tag zum Zeit haben

Zeit ist eine kostbare Ausgabe, und um sie richtig zu nutzen, braucht es Zeit. Im Buch Kohelet können wir lesen: Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, …eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden… (Koh 3,1ff), eine Zeit zum… Sie können selber ergänzen, wofür es Zeit ist. Der Sonntag könnte so ein Tag sein, um das Zeit-Haben wieder etwas mehr zu pflegen oder neu einzuüben. Vielleicht bekommt ja sogar Gott ein Zeitfenster! Sich genügend Zeit nehmen ist ein Vorgeschmack auf die Ewigkeit, in der es kein Anfang und kein Ende gibt. Kohelet schreibt nämlich weiter: Gott hat das alles zu seiner Zeit auf vollkommene Weise getan. Überdies hat er die Ewigkeit in alles hineingelegt, doch ohne dass der Mensch das Tun, das Gott getan hat, von seinem Anfang bis zu seinem Ende wiederfinden könnte.

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