16-Jähriger aus Teufen will als Musikproduzent durchstarten

Marco Corciulo aus Teufen will sich mit 16 Jahren als selbstständiger Musikproduzent versuchen. Ein Besuch in seinem Tonstudio.

Astrid Zysset
Drucken
Teilen
Marco Corciulo sitzt in seinem eigenen, kleinen Tonstudio. Dieses betreibt er seit einigen Monaten. Bild: Astrid Zysset

Marco Corciulo sitzt in seinem eigenen, kleinen Tonstudio. Dieses betreibt er seit einigen Monaten. Bild: Astrid Zysset

In seinem kleinen Tonstudio im ehemaligen Altersheim Bächli befinden sich zwei weisse Sofas, ein Mikrofon, eine Gitarre, ein Keyboard und Boxen. Und: Ein PC – das wichtigste Arbeitsinstrument. An diesem arbeitet Marco Corciulo an neuen Beats, gibt Songs den letzten Schliff oder bearbeitet das Rohmaterial der Aufnahmen eines Musikvideodrehs. Eben alles, was zum Arbeitsfeld eines Musikproduzenten gehört.

Anfang dieses Jahres besuchte Corciulo noch das 10. Schuljahr in Herisau. «Zusammen mit meinen Eltern kamen wir zum Schluss, dass dies aber nicht das Richtige für mich ist.» Eine Lehre sagte dem 16-Jährigen ebenfalls nicht zu, da er unschlüssig war, in welchem Bereich er tätig sein wollte. Kurzum machte er seine Leidenschaft zum Beruf. Seine Familie, insbesondere sein Onkel, der selbst Musiker war, unterstützten ihn. Seit dem Schulabbruch feilt Corciulo nun an seiner Karriere als Musikproduzent. Jeden Vormittag sitzt er im Tonstudio und nimmt neue Beats auf oder vertont Musikstücke von Sängern und Songwritern. «Alles, was das Instrumentale betrifft, mache ich selber», so der Teufner. In puncto Musikrichtung hat er sich zwar auf Hip-Hop fokussiert, will sich aber offen auch gegenüber anderen Richtungen zeigen. Die Nachmittage gestaltet er individuell: Empfängt Kunden oder erledigt Nebenjobs für seinen Grossvater.

Keine Angst vor dem finanziellen Druck

Selbstständig erwerbend mit 16 Jahren – ist dies nicht zu früh? «Jung zu sein, ist kein Nachteil», winkt Corciulo ab. Im Gegenteil. Klappt es mit der Karriere des Musikproduzenten nicht, könne er später immer noch eine Lehre ins Auge fassen. Rund drei Jahre will er sich aber Zeit lassen, um seinen Traum zu verwirklichen. «Habe ich es bis dann nicht geschafft, gelingt es mir wohl nie.» Die Strategie in der Anfangsphase ist simpel: Mit marktunüblichen Preisen will Corciulo Neukunden gewinnen. Eine Aufnahme in einem etablierten Tonstudio kostet rund 500 Franken. Der 16-Jährige bietet Preise an, die rund einen Zehntel davon betragen.

Corciulos langfristiges Ziel: von seinen Produktionen leben zu können. Das kurzfristige Ziel: die Miete für sein Tonstudio von 140 Franken selbst aufbringen zu können. Derzeit schafft er dies noch nicht. Angst vor dem finanziellen Druck, der mit der Selbstständigkeit einhergeht, hat Marco Corciulo allerdings nicht, wie er sagt. Noch wohnt er zu Hause bei seinen Eltern. Einen Kredit für den Start seines Unternehmens hat er nicht aufnehmen müssen: Die Kosten für die Musikanlagen von insgesamt 2000 Franken hatte er zuvor aus Weihnachts- und Geburtstagsgeldern zusammengespart. Aktuell erarbeitet er einen Businessplan. Im Handelsregister eingetragen ist sein Tonstudio bislang noch nicht.

Mit verschiedenen Rappern aus der Schweiz arbeitet der 16-Jährige zusammen. So produzierte er vor zwei Monaten einen Song für Zeki aus Zürich. Einen weiteren Titel nahm er für den Rapper Vejno aus Herisau auf. Und vor ein paar Tagen kam einer von RG Skurwiel aus Romanshorn heraus, der aus der Schmiede von Corciulo alias maeglibeatz stammt. Hierzu hatte der Teufner auch das Musikvideo gedreht – mit dem Handy, da ihm die professionelle Videotechnik noch fehlt. «Ich hatte das Filmmaterial einfach nachträglich ‹auf alt› nachbearbeitet. So sieht es aus, als wäre die mindere Qualität des Handyfilms gewollt», sagt Corciulo lächelnd.

Vom Traum, ein erfolgreicher DJ zu werden

Das Besondere an dem jungen Teufner: Er hat sich all das Know-how, das er für sein Business braucht, mittels Anleitungen aus dem Internet und Youtube-Videos selbst beigebracht. «Ich bin Autodidakt. Das war schon immer so.» Und: «Ich nehme mir immer kleine Schritte vor, ohne Zeitdruck. So habe ich bisher jedes Ziel erreicht.»

Ursprünglich wollte er DJ werden. Mit elf Jahren ermöglichte ihm sein Onkel einen Besuch beim DJ Sean Tyas aus Teufen. Dieser machte Corciulo deutlich, dass er selbst Musik machen müsse, um erfolgreich im Auflegen zu werden. Gesagt, getan. Der Junge kaufte sich ein entsprechendes Programm wie auch ein kleines Mischpult und fing an. «Ein Jahr lang hatte ich mich durchgekämpft, bis ich erste Resultate vorweisen konnte», erinnert sich Corciulo. Dann allerdings hatte er den Hip-Hop für sich entdeckt. Elektronische Dancemusik wie auch den Wunsch, DJ zu werden, wichen dem Traum, ein erfolgreicher Musikproduzent zu werden.