Alles andere als konservativ

Gonten, der steuergünstigste aller Innerrhoder Bezirke, hat in den letzten Jahren einen Strukturwandel erlebt. Eine innovative Bevölkerung hat dazu beigetragen, dass der Tourismus in Gonten grossgeschrieben wird.

Markus Fässler
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Der Bezirk Gonten hat eine innovative und politisch engagierte Bevölkerung. (Bild: Martina Basista)

Der Bezirk Gonten hat eine innovative und politisch engagierte Bevölkerung. (Bild: Martina Basista)

Gonten. Der Bezirk Gonten wirkt für den Betrachter von aussen sehr konservativ. Doch das Gegenteil ist der Fall: Lebte der Bezirk mit dem Dorf Gonten, den Weilern Gontenbad sowie Jakobsbad und dem Kreis Rapisau bei Appenzell früher ausschliesslich von der Landwirtschaft, hat sich in den letzten Jahren einiges getan. «Der Strukturwandel hat definitiv stattgefunden, insbesondere im touristischen Bereich», sagt Bezirkshauptmann und Grossrat Ruedi Eberle. Nicht konservativ, sondern innovativ sei der Bezirk. Beispiele dafür sind die Luftseilbahn Kronberg mit ihrem Seilpark und der Rodelbahn, der Golfplatz oder die Mineralquelle Gontenbad.

Aus Not Tugend gemacht

Die Gontner Bevölkerung hat aus der Not eine Tugend gemacht. Denn gerade mit der Landwirtschaft lässt sich immer weniger Geld verdienen, so dass Alternativen gesucht werden mussten. Dass dabei ab und an ungewöhnliche Wege beschritten wurden, hatte auf die touristische Entwicklung einen positiven Einfluss. Als Beispiel nennt Ruedi Eberle den Golfplatz oder die Kronbergbahn, die für die Steigerung der Frequentierung der Bergbahn etwas unternehmen musste. «Dass der Seilpark oder die Rodelbahn bei der Talstation angesiedelt ist, macht für diesen Zweck eigentlich keinen Sinn. Trotzdem ist es der Bergbahn gelungen, die Fahrfrequenzen dadurch zu steigern.» Nebst diesen Angeboten gibt es ausserdem die Hochebene Gontenmoos mit dem Barfussweg. Ein Naherholungsgebiet für Touristen, die nicht allzu weit weggehen wollen.

Namen dank Moortümpeln

Die Hochmoorgebiete, wie das Gontenmoos eines ist, gaben dem Bezirk seinen Namen. Abgeleitet wurde dieser von den Moortümpeln, die als «Gonte» bezeichnet wurden. In alten Schriften ist zudem vom Namen «Gunten» stellvertretend für Gonten zu lesen, wie der «Kurz-Darstellung des Bezirkes Gonten» von alt Bezirkshauptmann Josef Holderegger zu entnehmen ist. Dieser schreibt dann auch weiter, dass das Tal zwischen Höhi (Hundwiler Höhi) und Kronberg seit geschichtlichen Zeiten das Gebiet der Rhode Gonten war. Die Randgebiete der Rhode Stechlenegg (Hintergonten) und der Rhode Rinkenbach (Rapisau) kamen 1873 mit der neuen Staatsordnung dazu und bilden den heutigen Bezirk Gonten.

Eine Bevölkerung, die mitredet

Der Bezirk geniesst heute den Ruf, der politischste aller Innerrhoder Bezirke zu sein. Dies bestätigt Ruedi Eberle: Die Leute im Dorf seien sehr daran interessiert, was politisch passiere und sehr engagiert. So musste sich die Bezirksbehörde den Vorwurf gefallen lassen, die Bevölkerung werde zu wenig miteinbezogen und über die Tätigkeiten informiert. Auch deshalb ist Gonten dabei, ein Leitbild zu gestalten. «Es ist eine Zukunftsgestaltung mit der Bevölkerung zusammen», sagt Eberle. Dazu wurde eine externe Firma, die Zukunftsleitbilder erstellt, angestellt und es wurden Arbeitsgruppen mit Einwohnerinnen und Einwohnern gebildet. Der Prozess soll bis im Juni 2012 abgeschlossen sein. Kernthemen des Leitbildes sind Landwirtschaft, Tourismus, Gewerbe, Attraktivität, Infrastruktur und Behördliche Dienstleistungen. Unter anderem aber auch ein Sportplatz. Dieser steht in Gonten schon lange zur Diskussion. «Wenn wir Familien anziehen wollen und keinen Sportplatz zur Verfügung haben, ist das doch sehr widersprüchlich», so Eberle. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Erhaltung der Infrastruktur mit den beiden Dorfläden, der Post und der Bank.

Kein anonymes Dorf werden

Danebst soll Gonten langsam, aber stetig wachsen. Angestrebt wird ein Wachstum von 0,5 bis 1,0 Prozent pro Jahr. Dazu müssen aber in den nächsten zehn Jahren Wohnungen oder Einfamilienhäuser gebaut werden. Nach dem Bau der Siedlungen Loretto und dem Landkauf beim Gebiet Gehrersbisches werden die Ressourcen langsam knapp. Quartierplanungen seien bereits im Gange, konkrete Namen könne er aber noch nicht nennen, sagt Eberle. Das Ziel ist es denn auch, kein rasantes Wachstum zu erleben, so dass das Dorf nicht in der Anonymität verschwindet.

Bescheidenheit da und dort

Ein Pluspunkt für Neuzuzüger sind dabei mit Sicherheit die attraktive Wohnlage und die Steuern. Gonten ist von allen Bezirken im Inneren Land der günstigste. Dies hat seinen Grund. «Auch wenn wir oft dafür belächelt werden, sparen wir unser Vermögen zuerst an, bevor wir investieren», sagt Eberle. Heute sei es modern, Schulden zu machen, fügt er an. Die letzte Steuersenkung von 26 Prozent kam auf Druck der Bevölkerung zustande.

Die nächste Senkung auf 20 Prozent wird aufgrund der innerkantonalen Finanzentflechtung der Bezirksgemeinde im Mai unterbreitet. Die Bevölkerung unterstützt zwar die Politik der Behörde, will jedoch keine Steuern auf Vorrat bezahlen. Besonders beachtet werden muss aber gemäss Eberle ein Punkt: In Gonten gibt es viele Flurstrassen, die in privatem Besitz sind. Da sei man schneller zufrieden und bescheidener als sonst. Der Bezirk braucht daher keinen eigenen Werkhof mit Angestellten und hat gerade im Winter nicht mit immensen Kosten für den Winterdienst zu rechnen. «. Ich schätze die Bescheidenheit der Gontner Bevölkerung unheimlich. Dadurch wird auch von der Behörde ein haushälterischer Umgang mit den Finanzen erwartet.»

Ruedi Eberle schätzt die Bescheidenheit der Gontnerinnen und Gontner. (Bild: mf)

Ruedi Eberle schätzt die Bescheidenheit der Gontnerinnen und Gontner. (Bild: mf)

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