Mobile Sozialarbeit Herisau: Alleinstehende haben Priorität

Das Gemeinschaftszentrum der Mobilen Sozialarbeit Herisau ist geschlossen. Nichtsdestotrotz steht diese der Bevölkerung auch während der Coronakrise zur Seite. 

Stephanie Häberli
Drucken
Teilen
Im Gemeinschaftszentrum der Mobilen Sozialarbeit herrscht derzeit gähnende Leere.

Im Gemeinschaftszentrum der Mobilen Sozialarbeit herrscht derzeit gähnende Leere.

Bild: Stephanie Häberli

Im Gemeinschaftszentrum der Mobilen Sozialarbeit Herisau, wo bis Mitte März noch täglich 30 bis 50 Besucher ein und aus gingen, herrscht gähnende Leere. Verantwortlich ist das Coronavirus. Am Anfang der Krise, als die Schweiz erst vereinzelte Fälle zählte, wurde das Gemeinschaftszentrum unter anderem noch zu Aufklärungszwecken bezüglich der Krankheit genutzt. «Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, unsere Leute zu informieren und sie auf die nötigen Hygienemassnahmen aufmerksam zu machen», sagt Sabrina Jaggi, die Leiterin der Mobilen Sozialarbeit Herisau. «Doch schnell stellte sich heraus, dass einige unserer besonders gut besuchten Angebote nicht mehr vorschriftsgemäss durchführbar sind. Folglich haben wir erste Angebote zum Schutz der Besucher bereits Anfang März gestrichen.»

Kontakt wird per Chat aufrecht erhalten

Trotz der Schliessung des Gemeinschaftszentrums ist die Mobile Sozialarbeit weiterhin tätig. Um mit den Nutzern ihrer Angebote in Kontakt zu bleiben, haben Sabrina Jaggi und ihre Mitarbeiterin Lara Robe einen Chat erstellt. In diesem haben sie unter anderem Turnvideos zum Mitmachen versendet. Weiter haben sie an Ostern per Post Rätsel und Ausmalbilder verschickt. Jaggi und Robe haben danach viele Fotos von den Ergebnissen zugesendet bekommen. Diese haben sie dann im Gruppenchat geteilt. «Die Leute sind sehr interessiert, was die anderen tun und fragen oft nach, ob alle noch gesund sind», So Jaggi. 

Die Mobile Sozialarbeit bietet in der jetzigen Zeit ausserdem administrative Unterstützung an. «Diese findet jedoch nicht wie üblich im Gemeinschaftszentrum, sondern via Post, E-Mail oder über das Telefon statt», so die Leiterin der Mobilen Sozialarbeit. Jaggis und Robes Hauptaugenmerk gilt derzeit aber insbesondere alleinstehenden Personen. Sabrina Jaggi führt aus:

«Wir telefonieren einmal in der Woche mit jenen, die keine Angehörigen in der Nähe haben, um so einer sozialen Isolation entgegenzuwirken.»

Weiter bietet die Mobile Sozialarbeit an, die Einkäufe für Personen zu tätigen, die einer Risikogruppe angehören.

Angebot wird wieder hochgefahren

Ab dem 11.Mai darf die Mobile Sozialarbeit ihr Angebot unter Einhaltung spezieller Sicherheitsvorkehrungen schrittweise wieder hochfahren. «Auch in diesem Zusammenhang konzentrieren wir uns in erster Linie auf Angebote, die sich an alleinstehende Personen richten. Die Förderung solidarischer Beziehungen und das Gefühl gesellschaftlicher Zugehörigkeit stehen im Vordergrund unserer aktuellen Tätigkeiten», sagt Jaggi. Das Büro wird ab nächster Woche wieder besetzt sein. Auch die aufsuchende Sozialarbeit in der Öffentlichkeit wird wieder aufgenommen.

Trotz der schwierigen Umstände sieht Jaggi auch Chancen: «Diese aussergewöhnliche Situation bietet uns die Gelegenheit, unser Angebot zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen.» Dabei liegt Jaggi und Robe am Herzen, dass nicht nur sie über allfällige Änderungen entscheiden: «Unser Angebot soll in erster Linie die Ideen und Bedürfnisse unserer Klientel widerspiegeln.»