Alleine auf dem Weg nach unten

Mountainbike-Downhill-Fahrer Janick Lieberherr wird künftig nicht mehr im Team fahren, das sein Vater Jakob Lieberherr coachte. Er will als Einzelfahrer unterwegs sein. Zur Zeit bereitet er sich intensiv auf das erste Europacup-Rennen vor.

Urs Huwyler
Drucken
Teilen
Janick Lieberherr bereitet sich nach Feierabend bis in die Dunkelheit auf den ersten Europacup-Einsatz vor. (Bild: Urs Huwyler)

Janick Lieberherr bereitet sich nach Feierabend bis in die Dunkelheit auf den ersten Europacup-Einsatz vor. (Bild: Urs Huwyler)

DOWNHILL. «So werde ich die kommende Saison als Einzelfahrer unterwegs sein», «es entstand die Motivation und Idee, meinen eigenen Weg zu gehen», «die Grundlagen sind geschaffen, auf geht's» – die Zitate stammen von Cross Country-Mountainbikerin Sarah Koba (RV Buchs), die letzte Saison mit einem achten Rang an der Europameisterschaft für ein Spitzenresultat gesorgt hatte. Aussagen, die 1:1 für den auf gleichem Niveau bikenden Downhiller Janick Lieberherr (Ebnat-Kappel) gelten. Er möchte auf dem schnellsten Weg nach unten künftig ebenfalls als Einzelkämpfer weiter nach oben kommen.

Für sich selbst verantwortlich

Nach Jahren in einem Team mit allen Vor- und Nachteilen wird der 22jährige Automechaniker künftig seine Zweirad-Maschine in den Vierrad-Kofferraum verfrachten und ohne irgendwelche Absprachen über Treffpunkt, Zeit und Vorarbeiten als ambitionierte Privatperson zu den Rennen tingeln. Innerhalb einer Mannschaft werden den Fahrern zwar Arbeiten abgenommen, aber oft profitieren nicht alle im gleichen Mass vom optimierten Umfeld, lassen es sich auf Kosten der Kollegen gut gehen. «Ich möchte für mich selbst verantwortlich sein und nicht dauernd auf und für andere schauen müssen», begründet Janick Lieberherr seinen Schritt in die freie sportliche Wildbahn.

Form stimmt noch nicht ganz

Erstmals geht es Ende April auf der anspruchsvollen Strecke am Monte Tamaro abwärts. Im Tessin wird zum European Downhill Cup gestartet. Dieses Jahr erhalten die Top 25 Weltranglistenpunkte, nachdem das Rennen in die «Hors Category» des internationalen Verbandes (UCI) aufgenommen wurden. 2011 beendete Janick Lieberherr die Cup-Gesamtwertung nach Rang 33 beim Auftakt am Tamaro auf Position 28. Momentan befindet sich die Nummer 226 der Weltrangliste noch nicht in Bestform, nachdem für den Yeti-Piloten vor einer Woche die Rekrutenschule zu Ende gegangen ist. Vor allem im Schulter- und Oberarmbereich hat er Defizite erkannt. Gedanken über Trainingseinheiten auf einer Motocross-Maschine sind deshalb schon aufgekommen.

Seit Montag trainiert der mehrfache WM-Teilnehmer wieder nach Feierabend, kurvt bis Einbruch der Dunkelheit durch die Gegend, muss auf niemanden Rücksicht nehmen, kann die Zeit ohne «Du musst noch» selbst planen. «Für mich ist positiv, dass ich die wichtigsten Sponsoren mitnehmen konnte. Andere Fahrer konnten dies nicht. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison sind demnach nicht schlecht.» Den ersten Weltcup in Südafrika musste er militärisch bedingt zwar sausen lassen, aber er ist zuversichtlich: «Ich werde angreifen. Es wird sich zeigen, was dabei raus kommt.»

Kein neues Team geplant

Bisher waren der pedalende Sohn und der coachende Vater Jakob «Köbi» Lieberherr in der gleichen Sportgruppe unterwegs. Der eine als Fahrer wie jeder andere, der andere als Team-Manager. «Wir haben die Equipe nach drei Jahren aufgelöst. Solange dauerte das Projekt. Die Bildung einer neuen Mannschaft war kein Thema mehr», erklärt der Team-Manager und bisherige Sportchef von Janick. «Je erfolgreicher die Athleten sind, desto grösser werden deren Ansprüche und Erwartungen», hat Vater Lieberherr festgestellt. Er verfolgt die Szene künftig als interessierter und nicht mehr direkt involvierter Beobachter.

Den Alleingang von Janick erachtet Köbi Lieberherr als sinnvoll: «Ich finde es gut, dass er die alleinige Verantwortung übernimmt und seine eigenen Entscheidungen fällt. Der eingeschlagene Weg kann durchaus erfolgreich sein. Sollte er an einzelnen Wettkämpfen Unterstützung brauchen, werde ich ihm auf seinen Wunsch hin selbstverständlich zur Verfügung stehen. An einzelnen Weltcups dürfte ich als Zuschauer wohl vor Ort dabei sein.» Wahrscheinlich wie alle Mütter und Väter mit einem leicht erhöhten Puls. «Durchaus möglich», bestätigt Köbi Lieberherr die Vermutung lächelnd.