Alle Sicherungen durchgebrannt

Sonntagsgedanken

Andreas Spöcker
Drucken
Teilen

Wenn wir von einem Menschen erzählen, bei dem alle Sicherungen durchbrennen, dann beschreiben wir damit ein unbeherrschtes, manchmal auch gewalttätiges Verhalten. Auf der anderen Seite beschützen uns Sicherungen im Haushalt und Versicherungen für unseren Alltag vor grösseren Schäden. Wir brauchen solche Sicherheiten, damit wir unser Leben gestalten können.

Manchmal engen uns Sicherheiten auch ein. Wenn das stützende Korsett, das sie uns vorgeben, plötzlich zu eng wird oder die Freiheiten, die uns äussere Sicherheiten ermöglichen, innerlich einschränken. Dann ist es vielleicht an der Zeit, eine vorhandene Sicherheit wirklich einmal durchbrennen zu lassen, wie die Glühwendel einer Lampe. Inneres Wachstum kann da geschehen, wo wir Grenzerfahrungen machen.

Haben Sie zum Beispiel schon einmal für längere Zeit in einer Umgebung gewohnt, die ganz und gar nicht Ihrem Lebensstandard entsprochen hat? Zum Beispiel, wenn Sie zügeln mussten, aber kurzfristig keine neue Wohnung gefunden und sich mit einer Matratze und dem Kellerraum eines Freundes zufrieden gegeben haben? Ohne Dusche, fliessend Wasser und WC. Wenn ja, mit welchen Empfindungen denken Sie an diese Zeit zurück? Wenn nein, welche Gefühle löst alleine die Vorstellung bei Ihnen aus?

Es kann unser Leben bereichern, auf einem Autobahnparkplatz alleine im eigenen Auto oder im Sommer nur von einem Schlafsack geschützt unter freiem Himmel zu schlafen. Wir machen vielleicht die Erfahrung, dass wir auch ohne schützende Mauern um uns herum unversehrt und heil am nächsten Morgen aufwachen. Wir erkennen, dass die Welt um uns herum besser und friedlicher ist, als wir es aus den Nachrichten mitbe- kommen.

An das Gute glauben heisst vertrauen. Darauf vertrauen, dass wir uns nicht ständig besichern und absichern müssen. Daran glauben, dass es die dritte Instanz in unserem Leben gibt, die beschützend auf uns schaut: Gott. Der «Ich bin da». Gerade in unsicheren Zeiten zeigt er sich uns in unerwarteter Weise. Wenn wir aufmerksam sind, bekommen wir dies auch das eine oder andere Mal mit.

Andreas Spöcker