«Alle Schultern tragen mit»

Die finanzielle Lage der Gemeinde Waldstatt ist angespannt. Interims-Gemeindepräsidentin Monika Bodenmann verströmt dennoch Zuversicht. Die Situation sei unschön, sagt sie, aber das Dorf stehe bei Schwierigkeiten zusammen.

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Die düsteren Wolken am Himmel auf diesem Archivbild passen zur finanziellen Lage von Waldstatt. (Bild: pd)

Die düsteren Wolken am Himmel auf diesem Archivbild passen zur finanziellen Lage von Waldstatt. (Bild: pd)

Frau Bodenmann, die finanzielle Lage der Gemeinde Waldstatt ist angespannt. Der Gemeinderat musste nun ein Sparpaket schnüren. Hat die Gemeinde über ihre Verhältnisse gelebt?

Monika Bodenmann: Wir sind sehr bedacht mit den Finanzen umgegangen und haben nicht über unsere Verhältnisse gelebt. Waldstatt ist aber sehr von der kantonalen Steuergesetzrevision per 1. Januar 2008 betroffen. Die tiefen Unternehmenssteuern in Appenzell Ausserrhoden bescheren uns grosse Steuerausfälle. Denn in Waldstatt entfielen früher gut ein Viertel (heute 20%) der Steuereinnahmen auf die juristischen Personen; das kantonale Mittel liegt bei acht Prozent. Vielleicht haben wir aber zu wenig beachtet, dass die Steuereinnahmen in diesem Bereich sehr variabel sind.

Wie sehen die mittelfristigen Prognosen aus. Kommt Waldstatt wieder auf die Füsse?

Bodenmann: Auf jeden Fall! Dazu müssen wir die Strukturen aber so legen, dass das Budget ausgeglichen ist. Das Sparpaket ist der erste Schritt. Mittelfristig wollen wir natürlich auch Schulden abbauen, das ist im Moment aber nicht möglich.

Kann sich Waldstatt überhaupt leisten, auf eine Steuererhöhung zu verzichten?

Bodenmann: Eigentlich müssten wir die Steuern zwingend erhöhen. Wir wollen aber einen Schritt nach dem anderen machen. Erst setzen wir nun die geplanten Massnahmen des Sparpakets um, dann nehmen wir die Strukturanpassungen vor. Für 2014 müssen wir sicherlich über eine Steuererhöhung diskutieren.

Betroffen von den Massnahmen sind in besonderem Masse Kinder, Jugendliche und Fremdsprachige. Spart Waldstatt auf dem Buckel der Schwachen?

Bodenmann: Nein. Von den Sparmassnahmen sind sämtliche Ressorts betroffen; alle Schultern tragen mit. Die Schule macht aber 40 Prozent des Budgets aus, deshalb waren auch hier Massnahmen nötig – auch wenn diese sehr schmerzen.

Befürchten Sie keine Qualitätseinbussen an der Schule?

Bodenmann: Die Qualität der Schule Waldstatt ist überdurchschnittlich gut. Das wird uns von verschiedenen Seiten bestätigt. So wie ich unser Lehrerteam kenne, wird es dafür sorgen, dass von Qualitätseinbussen so wenig als möglich zu spüren ist.

Hand aufs Herz: Müsste Waldstatt sinnvollerweise nicht auf eine eigenständige Schule verzichten?

Bodenmann: Wir haben auf der Oberstufe eine Schulzusammenarbeit mit Schwellbrunn und Herisau geprüft. Es zeigte sich, dass über alles gesehen keine Kosten eingespart werden könnten. Zwar wäre der Schulbetrieb günstiger, dafür kommen Transportkosten hinzu. Das wiegt sich wieder auf. Ausserdem ist eine eigene Schule ein Standortvorteil.

Sistiert worden ist die Badi-Sanierung. Ist es nicht fahrlässig, dieses Vorhaben aufzuschieben?

Bodenmann: Die Badi-Sanierung würde gut eine Million Franken kosten. Dieses Geld haben wir zurzeit schlicht nicht. Aber natürlich wollen wir den Betrieb aufrechterhalten, denn die Badi geniesst einen hohen Stellenwert in der Gemeinde.

Herrscht in Waldstatt nun Krisenstimmung?

Bodenmann: Es ist zwar keine wahnsinnig schöne Situation, aber es herrscht keine Krisenstimmung. Am Mittwochabend hat der Gemeinderat die Parteien informiert. Dabei habe ich wieder einmal die typische Dorfgemeinschaft erlebt. Wenn es Schwierigkeiten gibt in Waldstatt, halten alle zusammen. Das stimmt mich zuversichtlich.

Interview: Patrik Kobler

Monika Bodenmann (Bild: pd)

Monika Bodenmann (Bild: pd)