Alle Preisträger aus elf Jahren

Nächstes Wochenende wird der Trogner Kunstpreis verliehen. Schon ab heute können die Werke der diesjährigen und aller anderen Preisträger in einer Ausstellung in der Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell betrachtet werden.

Chris Gilb
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Kurator Roland Scotti vor dem Bild einer farbenfrohen Kuh, wie er sie nach eigenen Worten gerne in der Realität antreffen würde. (Bild: cg)

Kurator Roland Scotti vor dem Bild einer farbenfrohen Kuh, wie er sie nach eigenen Worten gerne in der Realität antreffen würde. (Bild: cg)

APPENZELL. Das Bild, mit dem die Ausstellung «Ganz Ganz viel Chreeefffteee – zehn Jahre Trogner Kunstpreis» beginnt, sei etwas ganz Besonderes, denn die Künstlerin habe das Bild speziell für die Ausstellung gemalt. Damit habe sie gezeigt, dass sie verstehe, was diese bedeute, sagt Roland Scotti, der Kurator der Heinrich Gebert Stiftung, während er das Bild von Hildegard Bertha Bollhalder erklärt. Über ihr Werk hat die Preisträgerin «Ausstellung Appenzell» geschrieben. Scotti erinnert sich, dass er vor eineinhalb Jahren um eine kleine freie Ecke in der Kunsthalle für eine Ausstellung zum Zehn-Jahr-Jubiläum des Trogner Kunstpreises angefragt worden war.

Schaffen würdigen

Die Idee zur Ausstellung hatten die Mitorganisatoren der Preisverleihung, das Ehepaar Schaufelberger-Brequet. Der Trogner Kunstpreis würdigt seit zehn Jahren die künstlerische Betätigung von Menschen mit Behinderung und wird im Rahmen des Trogner Adventsmarkts vergeben. Scotti sagt, er habe sogleich gefunden, eine Ecke sei zu wenig, und deshalb mit den verschiedenen Initianten eine richtige Ausstellung entwickelt. Dies entspräche dem Tätigkeitsprofil der Kunsthalle Ziegelhütte, die Kunst als Ausdrucksform würdigen wolle. Und gerade bei Menschen mit Behinderungen, die oft keinen anderen Mitteilungsweg hätten, sei die Kunst ein essenzielles Kommunikationsmittel.

Entwicklung der Künstler

Rund 200 Kunstwerke der 37 bisherigen und der drei kommenden Preisträger werden in der Ausstellung gezeigt, die bis zum 10. Januar dauert. Ziel sei es auch, die Entwicklung der Preisträger zu zeigen, denn oft löse die Prämierung, die Anerkennung, eine zusätzliche künstlerische Explosion aus, sagt Peter Schaufelberger-Brequet vom Trogner Kunstpreis. Nur das Zusammentragen der Werke sei nicht immer einfach gewesen. Ein Teil davon war im Privatbesitz der Künstler, die grösstenteils in Heimen leben, andere waren in Ausstellungen oder wurden vom Künstler schon verkauft, sagt Schaufelberger.

Für die Eröffnung diesen Samstag seien alle Künstler eingeladen. Man sei gespannt, wie viele dann oder im Laufe der Ausstellung auch erscheinen würden. «Diese Ausstellung ist nicht primär eine Würdigung des Trogner Kunstpreises, sondern ein Zurückkehren zu den Wurzeln der Kunst», sagt Kurator Scotti. Er erinnert an Kunstformen wie den Dadaismus oder den Expressionismus, die nach seiner Auffassung nie ohne andere Formen der Betrachtung entstanden waren. Dann zeigt er auf das Bild einer farbigen Kuh. «So einer Kuh etwa würde ich gerne in echt im Appenzellerland begegnen.» Diese Ausstellung stelle eben auch die Frage, ob es behinderte Menschen seien oder Künstler. Die Kunst dieser Menschen zu sehen, ermögliche auch einen anderen Blick auf sie selbst, sagt Scotti.

Buch mit den Preisträgern

Auch Schaufelberger erzählt von einer Künstlerin, die sonst sehr verschwiegen sei, dann zeigt er auf den Bereich mit ihren Bildern, die nur so vor Farbexplosionen strotzen. Passend zur Ausstellung ist im Appenzeller-Verlag ein Buch erschienen, in dem die Preisträger und ihre Werke porträtiert sind.

Zusätzlich Rahmenprogramm

Begleitet wird die Ausstellung von einem Rahmenprogramm, zu dem unter anderem die Dokumentation «Von Sternen & Stengeln, Bilder und Stimmen vom <Trogner Adventsmarkt>, 2010» gehört, die auf einer Leinwand durchgehend läuft.

Eröffnungsfeier der Ausstellung, heute 17 Uhr, Kunsthalle Ziegelhütte Appenzell, Reden von Roland Scotti, Simone und Peter Schaufelberger-Brequet, Matthias Weishaupt, H. R. Fricker.

Einstiegsbild der Ausstellung. (Bild: cg)

Einstiegsbild der Ausstellung. (Bild: cg)