Alle drei Minuten eine Comicfigur

Rund um den Winzenberg in Tufertschwil gibt es zwei verschiedene Themenwanderwege. Während der «Windrädliweg» viele Klassen anzieht, ist der Comicweg ein Geheimtip. Höchste Zeit, ihn mit seinem Erfinder Gusti Arnold unter die Füsse zu nehmen.

Simon Dudle
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Eine der neuern Figuren: Gusti Arnold, der die Tafeln des Comicwegs geschnitzt hat, im nonverbalen Gespräch mit Homer Simpson. (Bild: Simon Dudle)

Eine der neuern Figuren: Gusti Arnold, der die Tafeln des Comicwegs geschnitzt hat, im nonverbalen Gespräch mit Homer Simpson. (Bild: Simon Dudle)

TUFERTSCHWIL. Ob nun Daisy Duck, Garfield, Homer Simpson oder Tom und Jerry: Sie alle sind Teil des Comicwegs, welcher von Tufertschwil über das Sägetobel, und den Winzenberg zurück nach Tufertschwil führt. Auf Lindenholz als Reliefschnitzerei erwarten sie die Wanderer, hauptsächlich Familien. Knapp 30 Tafeln zieren den Rundweg, den man in gemütlichem Tempo in eineinhalb Stunden bewältigt. Alle drei Minuten wartet somit eine neue Figur.

Kinder als Antreiber

Der Erbauer der Tafeln ist Gusti Arnold, der damals – Mitte des vergangenen Jahrzehnts – unterhalb des Winzenbergs wohnte (siehe Kasten). Weil Wanderer dort immer wieder nach dem Weg suchten, kamen die Kinder bald mit dem Vorschlag, ihr Vater möge Comictafeln schnitzen. Schnell war die Idee eines Themenwanderwegs geboren. Zuerst hiess er Micky-Mouse-Weg.

Um Plagiats-Vorwürfen der Micky-Mouse-Macher vorzubeugen, wurde er später auf Comicweg umgetauft. Die Route empfahl der damalige Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring, da er auf dieser jeweils mit seinem Hund spazieren ging. Von Tufertschwil führt der Weg zuerst in südöstliche Richtung ins Sägetobel. Ein «fast schon mystischer Ort», wie Arnold findet. Mystisch, weil er Kraft verleiht, Bäche dahinplätschern und bei der Feuerstelle kein Abfall herumliegt, die Welt also noch in Ordnung ist. «Noch nie habe ich hier Abfall gefunden. Vandalismus war zum Glück bisher auch noch nie ein Thema», sagt Arnold. War der Weg bis hierhin entweder eine Strasse oder dann ziemlich breit, so ändert sich das in der Folge. Hinauf bis knapp unter den Winzenberg ist es ein Bergwanderweg, den man aber auch mit Kindern gut bewältigen kann. Oben angekommen, wird man mit einer tollen Aussicht auf die Churfirsten belohnt, so denn keine Wolken die Sicht einschränken.

Nachfolger gesucht

In der Folge fällt der Pfad wieder ab und via Chrummentürli, Nord und Blumenhalde geht es zurück nach Tufertschwil. Der Weg kann auch in umgekehrter Richtung gelaufen werden. Doch ist die Frage erlaubt: Sind Comic heute überhaupt noch zeitgemäss? «Natürlich», sagt Arnold überzeugt. «Von vielen Filmen gibt es eine Comicversion. Die Figuren haben sich aber immer wieder geändert.» Dies ist ein Grund, wieso in den vergangenen Jahren immer wieder Tafeln dazugekommen sind. Doch nun sei Schluss, sagt Arnold. Auch deswegen, weil die Kinder längst aus dem Haus sind und keine Sujets mehr fordern. Jedes Jahr im Spätherbst sammelt Arnold die Tafeln ein und repartiert sie, wo nötig. Das geschieht alles auf Eigeninitiative. «Wenn ich das mal nicht mehr mache, dann gibt es den Weg wohl nicht mehr», sagt Arnold – und hofft, dass er nicht recht hat.