Alle Archive unter einem Dach

Wenn die Kantonsbibliothek in der Stadt St. Gallen dereinst definitiv in die Hauptpost zieht, könnte am jetzigen Standort ein «Haus der Sammlungen» entstehen. Diese Vision entwirft die Kantonsregierung in der Antwort auf einen Vorstoss.

Roger Berhalter
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Die Kantonsbibliothek Vadiana an der Notkerstrasse: Hier könnten dereinst die Kantonsarchäologie und die Kantonale Denkmalpflege einziehen. (Bild: Michel Canonica)

Die Kantonsbibliothek Vadiana an der Notkerstrasse: Hier könnten dereinst die Kantonsarchäologie und die Kantonale Denkmalpflege einziehen. (Bild: Michel Canonica)

Tausende spazieren täglich an der Kantonsbibliothek Vadiana vorbei: Das Haus an der Notkerstrasse steht derzeit mitten im Jahrmarkt, so publikumsnah wie sonst nie. Doch wenn nicht gerade Olma ist, herrscht kaum noch Publikumsverkehr, seit die Ausleihe der Kantonsbibliothek im Februar in die Hauptpost umgezogen ist. «Für unsere tägliche Arbeit macht das keinen grossen Unterschied, da unsere Benutzer nach wie vor zu uns kommen», sagt Dorothee Guggenheimer vom Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde, das sich ebenfalls im Gebäude befindet.

Platzmangel noch immer akut

Der Umzug der Bibliothek hatte nur wenig Einfluss auf den Alltag an der Notkerstrasse 22, wie auch die Kantonsregierung in ihrer Antwort auf eine Einfache Anfrage von SP-Kantonsrat Max Lemmenmeier schreibt: «Die Arbeits- und Raumsituation der Kantonsbibliothek durch den Bezug des zweiten Standorts in der Hauptpost hat sich nur geringfügig verändert.» Nur vier von 38 Mitarbeitern sowie der stellvertretende Kantonsbibliothekar seien umgezogen. Und noch immer befänden sich 750 000 von 800 000 Büchern an der Notkerstrasse. «Die Kantonsbibliothek leidet im Magazinbereich nach wie vor an einem akuten Platzmangel», schreibt die Regierung. Aus diesen Gründen sei bis auf weiteres kein neues Nutzungskonzept für das Gebäude vorgesehen. Es gebe auch keine Überlegungen, die Nutzung mit dem neuen Standort der Universität am Platztor zu verknüpfen. Man arbeite aber seit diesem Sommer verstärkt mit der Universität zusammen. So würden zum Beispiel HSG-Dozenten den Ausstellungssaal gerne für Tagungen verwenden, wenn an der Universität gerade Raumnot herrsche. Geht es nach der Regierung, könnte im heutigen Bibliotheksgebäude an der Notkerstrasse dereinst ein «Haus der Sammlungen» entstehen, welches die Stadtarchive der Politischen und der Ortsbürgergemeinde sowie die Kantonsarchäologie und die kantonale Denkmalpflege unter einem Dach vereint.

Bestens als Archiv geeignet

«Neben einem kleineren Bereich für die Verwaltung könnten die niedrigen Magazingeschosse optimal für ein Fundlager genutzt werden.» Noch ist dies erst eine Vision, noch dauert es mindestens zehn Jahre, bis die Kantonsbibliothek dauerhaft und vollständig in die Hauptpost zieht und das Gebäude an der Notkerstrasse frei wird. Aber schon jetzt stösst die Idee auf Anklang. «Wir begrüssen eine gemeinsame Nutzung von verschiedenen Institutionen sehr», sagt Dorothee Guggenheimer vom Stadtarchiv der Ortsbürger. Auch wenn sie statt von einem «Haus der Sammlungen» lieber von einem «Haus der Geschichte» spricht. Das Gebäude sei als Bibliotheks- und Archivgebäude geplant worden. «Insofern eignet es sich für ein grosses Archiv.»